In den vergangenen Jahren hat sich Microsoft nicht gerade als Freund von Google hervorgetan und mehrmals hart gegen das Unternehmen geschossenKampagne zwar eingestellt, aber in der DNA der Mitarbeiter dürfte die gepflegte Feindschaft zu Google immer noch vorhanden sein. Jetzt hat der Chef der Windows-Entwicklung während einer Präsentation wieder einmal die Chance genutzt, einen Seitenhieb auf den Lieblingskonkurrenten abzugeben.
Microsoft hat heute auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz BUILD wie erwartet ein wahres Produktfeuerwerk gezündet und sowohl Einblicke in die Zukunft von Windows 10 als auch dem Internet Explorer-Nachfolger Edge gegeben. Beide Produkte sind enorm wichtig für die Zukunft von Microsofts Plattformen und stehen in direkter Konkurrenz zu populären Google-Produkten. Mit beiden greift Microsoft seinen Konkurrenten nun mit voller Breitseite an: Windows soll in Zukunft Android-Apps ausführen können und der neue Browser soll Chrome-Extensions unterstützen.
Beim letzten Patchday von Microsoft in diesem Monat wurden auch wieder dutzende Updates und Verbesserungen am Internet Explorer vorgenommen, die normalerweise nur als Bugfixes anzusehen sind und nur sehr selten neue Funktionen mit sich bringen oder bestehende Dinge verändern. Doch das letzte Update hat es in sich, und könnte vielleicht noch für Ärger sorgen: Nach der Installation der aktuellen Version lässt sich nämlich die Standard-Suchmaschine nicht mehr ändern, so dass die Nutzer nun Bing nutzen "müssen".
Aufgrund von angeblichen Patentverletzungen verdient Microsoft bei jedem verkauften Android-Smartphone kräftig mit: Durch Lizenzzahlungen der Smartphone-Hersteller hat Microsoft alleine im Jahr 2013 mehr als 2 Milliarden Dollar verdient - und mittlerweile dürfte diese Summe noch einmal gewaltig angewachsen sein. Dieses Modell macht man sich nun zu Nutze um die eigenen Apps schneller verbreiten zu können: Wer zukünftig Microsoft-Apps auf Android-Smartphones vorinstalliert bekommt einen Rabatt bei den Lizenzzahlungen.
Trotz eines gigantischen Werbebudgets und der Übernahme von Nokia hat es Microsoft bisher nicht geschafft, das eigene Smartphone-Betriebssystem auf einen nennenswerten Marktanteil zu bringen. Die Gründe dafür sind vielfältig, einer dürfte aber auch der im Vergleich zu Google und Apple deutlich kleinere App Store von Microsoft sein - und dieses Problem könnte man nun durch eine sehr ungewöhnliche Lösung angehen: In Zukunft soll Windows Phone bzw. Windows 10 auch Android-Apps ausführen können.
Unter CEO Satya Nadella hat sich Microsoft in den vergangenen Monaten immer stärker für alternative Plattformen neben Windows geöffnet und dabei vor allem auch den Fokus auf Android gelegt. Während Google die Haltung eingenommen hat, vorerst nur mit den nötigsten Apps auf Windows Phone vertreten zu sein, möchte Microsoft immer mehr eigene Produkt auf Android bringen - und das nächste steht bereits in den Startlöchern. Im Herbst soll Microsofts Sprach-Assistent Cortana auch für Android erscheinen und damit Google Now Konkurrenz machen.
Als Google seine Office-Ambitionen vor etwa 10 Jahren gestartet hat, ganz am Anfang noch unter dem Namen des damals übernommenen StartUps "Writely", hätte man wohl kaum ahnen können was für einen Funktionsumfang diese einmal annehmen werden. Mittlerweile konnten Google Docs, Sheets und Slides einige Achtungserfolge feiern und werden von immer mehr Nutzern tatsächlich als Ersatz für MS Office verwendet. Jetzt möchte Google aber auch im Business-Bereich ganz groß angreifen und auf lange Sicht 80% aller MS Office-Kunden für sich gewinnen.
Obwohl Google die treibende Kraft hinter dem Android-Betriebssystem ist, verdient das Unternehmen nur indirekt durch die hohe Verbreitung der eigenen Apps und der darin angezeigten Werbung damit. Anders sieht es bei Microsoft aus: Der Software-Konzern hat mit allen führenden Smartphone-Herstellern einen Lizenzvertrag abgeschlossen, mit dem Microsoft allein im vergangen Jahr 2 Milliarden Dollar verdient haben soll. Doch damit könnte bald Schluss sein, denn nun stellt sich Samsung quer und hat die Zahlungen eingestellt.
Dass Google und Microsoft in diesem Leben keine Freunde mehr werden dürfte jedem klar sein, aber das hindert beide Unternehmen natürlich nicht daran sich stets beim anderen etwas abzuschauen und die besten Ideen in die eigenen Produkte zu übernehmen. Vor allem im Bereich der Suchmaschine hat sich Bing schon des öfteren schamlos bei Google bedient - und schon bald könnte es wieder so sein. Derzeit testet Microsoft ein Bing-Design, das dem von Google zum verwechseln ähnlich sieht.
Google ist in den USA bekannt dafür Schulen und Universitäten sowohl finanziell als auch mit technischem Equipment oder kostenlosen Dienstleisten zu unterstützen - tut das ganze aber natürlich nicht vollkommen uneigennützig. Natürlich ist es Teil einer langfristigen und früh beginnenden Kundenbindung wenn man schon die kleinsten mit Android-Tablets versorgt und ihnen einen Google-Account besorgt. In Chicago hat Google nun aber einen sehr ungewöhnlichen Schritt unternommen und Schulen mit Microsofts Surface-Tablets ausgestattet.