Android-Apps auf dem Desktop: Hat Google Microsoft ausgetrickst? Der Play Store kommt bald zu Windows

play 

Google hat Android und den Play Store im Laufe der Zeit auf viele Geräteklassen gebracht, doch den Desktop hat man lange Zeit vollständig ignoriert – nicht nur in der Abteilung des mobilen Betriebssystems. Aber das wird sich ändern, denn am Freitag gab es eine Ankündigung, die sehr weitreichende Folgen haben dürfte: Man bringt den Google Play Store zu Windows und geht damit langsam auf Frontalangriff gegen Microsoft – das sich kaum wehren kann.


windows 11 logo

Es gab schon sehr viele Versuche, Android auf den Desktop zu bringen. Sowohl von externen Projekten als auch sehr zögerlich von Microsoft sowie in experimenteller Form von Google – doch nichts hat wirklich gefruchtet. Das dürfte sich ändern, denn Microsoft bringt mit Windows 11 die native Unterstützung von Android-Apps zu Windows und hat damit einen sehr großen Schritt getan. Für die Nutzer ein Gewinn, doch hinter den Kulissen kann das die Karten völlig neu mischen.

Microsoft traut sich Android auf dem Desktop offenbar nicht allein zu, denn man hat mit Amazon einen starken Partner ins Boot geholt, der die App Store-Infrastruktur zur Verfügung stellen soll. Wie das funktioniert, erfahrt ihr ausführlich in diesem Artikel. Details zu dieser Partnerschaft sind nicht bekannt, aber ich gehe davon aus, dass Microsoft zuerst bei Google angefragt und eine Abfuhr erhalten hat, bevor man zu Amazon gegangen ist. Ist nur meine Spekulation und nicht belegt.

Sollte es so gewesen sein, dann hat bei Google sicherlich im Hintergrund die Planung für den Google Play Store auf Windows begonnen. Viele Jahre lang hat das keine Rolle gespielt, doch wenn Microsoft die Tür in diese Richtung öffnet, dann muss Google natürlich reagieren. Es war zu erwarten, was ich hier im Blog auch schon häufig habe anklingen lassen, dass Google ebenfalls auf Windows aktiv werden muss. Eine komplette Augen-zu-Taktik wie damals bei Windows Phone ist nicht möglich, denn dafür ist das Desktop-Windows noch viel zu mächtig.




windows 11 android amazon app store 2

Google wollte es wohl alleine machen
Ich gehe davon aus, dass Google die (mögliche) Partnerschaft mit Microsoft damals abgelehnt hat, weil man es alleine machen und sich nicht hereinreden lassen will – absolut nachvollziehbar. Der Google Play Store sichert Google die Macht über Android, sodass man es kaum gebrauchen könnte, dass Microsoft bei diesem Produkt mitredet. Meine These: Man hat Microsofts Ansuchen abgelehnt, abgewartet bis Windows entsprechend geöffnet wird und kann dann selbst voll durchstarten. Microsoft hat die Infrastruktur geschaffen.

Microsoft hat nicht nur Android unter Windows zum Laufen gebracht, sondern man ist auch für die Pflege dieser Software-Basis verantwortlich. Dazu kommt, dass man von Beginn an das Sideloading zum Standard erklärt hat und nicht den Amazon App Store als einzige Bezugsquelle haben wollte. Die perfekten Voraussetzungen für den Google Play Store, dessen Team sich nur noch ins gemachte Nest setzen muss. Die Nutzer kommen ganz von alleine.

Geht Google auf Konfrontationskurs?
Natürlich ist der Google Play Store unter Windows nicht so tief eingebunden wie unter Android, aber die Argumente überwiegen deutlich und es hätte für Google kaum besser laufen können, als dass Microsoft sich einen externen Partner holt. So kann der Play Store mit dem Amazon App Store konkurrieren, der ja schon unter Android überhaupt keine Konkurrenz darstellt. Wer Google-Apps haben möchte – und das sind auch die Desktopnutzer – kommt um den Google Play Store nicht herum.

Ich denke nicht, dass es zu Beginn in irgendeiner Form eine Kooperation zwischen Google und Microsoft geben wird. Das wird allein schon deshalb nicht gehen, weil sich Microsoft sicherlich mehrjährig an Amazon gebunden hat. Und in dieser Zeit kann sich der Google Play Store etablieren. Ich gehe davon aus, dass der Google Chrome-Browser kräftig mithelfen und den Google Play Store promoten wird, wo es nur geht. Das hat schon mehrfach funktioniert.




google play games logo

Spiele als erster Schritt
Ich greife in diesem Artikel übrigens vor, was sicherlich der eine oder andere bereits gemerkt hat. Google hat „nur“ den Start von Google Play Games für Windows angekündigt. Dabei handelt es sich zum einen um Googles Infrastruktur zur Spieleverwaltung (Spielstände, Highscores, Ranglisten,…) aber auch – und vor allem – den App Store. Man wird den Nutzern die Möglichkeit geben, Android-Spiele aus dem Google Play Store herunterzuladen. Und dann ist es der volle Google Play Store, der zu Beginn einfach nur nach Spielen gefiltert ist.

Es ist nur noch ein sehr kleiner Schritt hin zu den Apps, die aus meiner Sicht mit großer Sicherheit zeitnah folgen werden. Dass man mit Spielen beginnt, ist nachvollziehbar. Etablierte Desktop-Apps werden nicht so schnell durch Android-Apps ersetzt, denn in diesem Bereich haben viele Nutzer eine extrem hohe Treue. Anders sieht es bei Spielen aus, die man immer wieder „wechselt“. Damit macht es keinen Unterschied, ob man nun ein Windows-Spiel oder ein Android-Spiel lädt.


Auch wenn es bisher nur eine kleine Ankündigung ist, wird das eine sehr große Sache. Google macht den ersten Schritt auf den Desktop und könnte damit Schritt für Schritt eine immer größere Kontrolle über Windows und dessen Nutzung übernehmen. Und dabei kann man nicht mal viel falsch machen. Wie ich schon vor einigen Monaten schrieb: Ich weiß nicht, ob sich Microsoft mit der Öffnung für Android einen Gefallen getan hat…

» Browser-Marktanteile: Microsoft Edge überholt Mozilla Firefox & schnappt sich einige Google Chrome-Nutzer

» Android & Windows 11: Google bringt den Play Store zu Windows – offizieller Start mit Google Play Games

» Android 12L: Das sind die wichtigsten Neuerungen in der ersten Beta des Google-Betriebssystems (Galerie)


Keine Google-News mehr verpassen:
GoogleWatchBlog bei Google News abonnieren | GoogleWatchBlog Newsletter abonnieren


Teile diesen Artikel:

Facebook twitter Pocket Pocket