Die geplante EU-Urheberrechtsreform beschĂ€ftigt das Web schon seit Monaten, doch erst seit dem finalen Entwurf am Mittwoch kam richtig Bewegung in die Sache: UnzĂ€hlige Nutzer protestieren in den Sozialen Netzwerken gegen die mögliche Zukunft des Internets und werden diese Proteste auch auf die Straße tragen. Dass die Entscheider in BrĂŒssel tatsĂ€chlich keine Ahnung vom Internet haben, wird nun wieder mehr als deutlich - denn sie vermuten hinter den Protesten eine Fake-Kampagne von Google.
Die EU-Urheberrechtsreform rund um das Leistungsschutzrecht und Uploadfilter geistert schon seit Monaten wie ein Schreckgespenst durch das Web und war eigentlich erst vor wenigen Wochen so gut wie vom Tisch. Doch das war ein Irrglaube, denn am spĂ€ten Mittwochabend wurde dann der Entwurf verabschiedet, der "nur noch" von allen Beteiligten bestĂ€tigt werden muss. Sollte es dazu kommen, wird das vermutlich sehr große Folgen fĂŒr YouTube haben - wie die Google-Tochter selbst schon vor einigen Wochen zu Bedenken gegeben hat.
YouTube geht spĂ€testens seit der Übernahme durch Google im Jahr 2007 sehr rigoros gegen Urheberrechtsverletzungen vor und tut sehr viel dafĂŒr, wenn auch fĂŒr viele nicht genug, um geklaute Inhalte zu verhindern. Doch jetzt hat ausgerechnet YouTube selbst einen solchen Verstoß begangen und wĂŒnscht mit einem von der eigenen Plattform "gestohlenem" Video den Nutzern Frohe Weihnachten. Das blieb aber nicht lange Unbemerkt.
Viele Nutzer dĂŒrften es bereits mitbekommen haben: Bei Google steht eine kleine Änderung vor der TĂŒr, die vor allem rechtliche Auswirkungen hat: Aufgrund der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) Ă€ndert Google fĂŒr die europĂ€ischen Angebote die interne Struktur und schafft eine neue Anlaufstelle. Ab Mitte Februar werden alle Dienste nicht mehr von einem US-Unternehmen, sondern von einem europĂ€ischen Unternehmen angeboten.
In der EU schweben derzeit gleich mehrere Damokles-Schwerter ĂŒber Google-Diensten, die durch geplante Gesetze oder Richtlinien in der bekannten Form nicht weiter existieren können. Neben dem brandaktuellen Beispiel Google News, das sehr schnell eingestellt werden könnte, gehört auch YouTube zur Gattung bedrohter Google-Produkte. Jetzt möchte man noch mehr Aufmerksamkeit auf die Urheberrechtsreform lenken, die YouTube vor unlösbare Probleme stellt.
Google News gehört fĂŒr viele redaktionell gepflegte Webseiten zu den wichtigsten Traffic-Lieferanten, aber dennoch sind die großen europĂ€ischen Verlage bekanntlich nicht ganz glĂŒcklich - denn sie möchten Geld sehen. Doch Google hat schon vor Jahren klargestellt, dass man nicht bereit ist, auch nur einen einzigen Cent fĂŒr die kurzen AuszĂŒge zu zahlen. Das fĂŒhrt nun dazu, dass Google erneut ganz offen mit der Abschaltung von Google News droht.
Nicht nur die Nutzer auf Googles Videoplattform sind seit Tagen wegen der EU-Urheberrechtsreform im Aufruhr, sondern auch YouTube selbst befeuert das Thema immer weiter und hofft auf ein Einlenken bzw. umfangreiche Anpassungen der bisher im Entwurf befindlichen Richtlinien. YouTube-CEO Susan Wojcicki legt jetzt noch einmal nach und stellt klar, dass ihr Unternehmen weder genĂŒgend Ressourcen noch Geld hat, um gesetzeskonform arbeiten zu können.
In den letzten Tagen sind die Nutzer von Googles Videoplattform YouTube in Aufruhr und auf vielen KanĂ€len wird darĂŒber diskutiert, ob es YouTube in der aktuellen Form im Jahr 2019 noch geben kann. Ausgelöst wurde diese Panik durch einen Protest-Aufruf des YouTube CEOs unter dem Hashtag #SaveYourInternet. Das ist auch bei der EU-Kommission angekommen, die die Kritik von YouTube an der geplanten Richtlinie zurĂŒckweist.
In den letzten paar Jahren versucht die EuropĂ€ische Union Ordnung in das Neuland Internet zu bringen und verabschiedet fĂŒr EU-VerhĂ€ltnisse Gesetze und EntwĂŒrfe im Eiltempo. Seit einigen Monaten dreht sich alles um die gefĂŒrchteten Upload-Filter, die eigentlich niemand so wirklich möchte. Da sie aber nun möglicherweise doch ĂŒber eine HintertĂŒr eingefĂŒhrt werden sollen, wendet sich YouTube-Chefin Susan Wojcicki nun in einem Brandbrief an die Community.
Der Handelsstreit zwischen den USA und Europa sowie mittlerweile weiteren Regionen sorgt seit lĂ€ngerer Zeit fĂŒr ein Brodeln der Transatlantischen Beziehungen. Möglicherweise könnten auch Google sowie die anderen großen Digitalkonzerne zum Spielball der Politik werden und mit Sondersteuern und Zöllen belegt werden. Das zumindest schlĂ€gt nun die EU-Kommission vor und könnte dementsprechend auch rasch eingefĂŒhrt werden.