Coronavirus: Die ersten Auswirkungen auf die Google-Produkte & viele Projekte nun wohl auf Notbetrieb

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Das Coronavirus hat immer größere Auswirkungen auf die Gesellschaft und mittlerweile dürfte es wohl keinen Menschen mehr geben, der nicht in irgendeiner Art und Weise eingeschränkt wird. Natürlich kann sich auch das Unternehmen Google diesem Virus, den Maßnahmen und Auswirkungen nicht entziehen und dürfte wohl so einige Pläne über den Haufen werfen. Schon jetzt merken Nutzer die ersten Auswirkungen, die in den nächsten Wochen wohl noch größer werden.


Mit welch einer Wucht das Coronavirus uns treffen wird, hätte noch vor wenigen Wochen niemand für möglich gehalten – und momentan sieht es ganz ohne Schwarzmalerei danach aus, dass wir den Zenit noch längst nicht erreicht haben. Als direkte Auswirkung müssen wir alle soziale Kontakte meiden, so weit es geht zuhause bleiben und natürlich Abstand halten – ganz grob gesagt. Für die Wirtschaft werden die Folgen aber weit schlimmer aussehen – sowohl für KMUs als auch für die Giganten wie Google.

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Man sollte meinen, dass Google als hauptsächlich im Internet operierendes Unternehmen ein Stück weit von der Corona-Krise verschont bleibt – aber das ist bei weitem nicht der Fall. In den letzten Tagen wurde immer deutlicher, dass auch Google im Krisenmodus läuft, der wohl noch für längere Zeit anhalten wird und zahlreiche Projekte über den Haufen werfen oder weit verschieben könnte. Und wir befinden uns, soweit ich das rein persönlich beurteilen kann, gerade erst am Anfang.

Keiner mehr da
Als Vorsichtsmaßnahme hatte Google schon vor zwei Wochen stufenweise damit begonnen, über 120.000 Mitarbeiter nach Hause zu schicken und auf Home Office umzustellen – soweit das in ihrem Bereich möglich ist. Natürlich ist das bei Google deutlich leichter als bei vielen vielen anderen Unternehmen, aber nach wie vor müssen viele Menschen bei Google im Büro die Stellung halten, um den Betrieb weiterführen zu können. Alles auf Notbetrieb.

Die Algorithmen übernehmen die Kontrolle
Die erste Auswirkung hat sich schon wenige Tage später gezeigt, denn Google hat gewarnt, dass es zu Problemen bei Google Play und YouTube kommen wird, weil die Review-Teams sehr deutlich verkleinert worden sind und nun die Algorithmen das Sagen haben. Das dürfte recht gut funktionieren, aber die Anzahl der „Einzelfälle“ wird dennoch durch die Decke gehen, wofür die Nutzer hoffentlich Verständnis aufbringen.



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Alle Projekte auf Sparflamme
Als erste große Folge hat Google vor wenigen Tagen angekündigt, die Weiterentwicklung des Chrome-Browsers zu pausieren und nur noch Sicherheitsupdates auszuliefern. Ein logischer Schritt, der erstmals offiziell gezeigt hat, wie es intern um viele weitere Projekte bestellt sein dürfte. Weil Chrome als eines der wenigen Produkte einen festen und öffentlich bekannten Release-Zyklus hat, musste man dies offiziell verkünden. Aus dem Grund war Release der zweiten Android 11 Developer Preview fast schon eine Überraschung.

» Coronavirus: Entwicklung vieler Produkte wohl gestoppt

Konferenzen werden endgültig abgesagt
Google hat recht früh alle anstehenden Konferenzen und Messen abgesagt oder auf „digital only“ umgestellt, wobei das aber schon kurz darauf gekippt werden musste. Die Cloud Next-Konferenz wurde nun auf unbekannt verschoben und die für Entwickler und Endnutzer interessante Google I/O hat man nun gleich vollständig abgesagt. Die genauen Gründe sind nicht bekannt, es dürfte sich aber grob gesagt auf drei große Punkte herunterbrechen lassen: 1) Die Projekte werden nicht rechtzeitig fertig, 2) Jegliche Menschen-Ansammlungen, auch im kleinen Kreis, sollten vermieden werden & 3) Die Menschen und Unternehmen haben derzeit ganz andere Probleme.

» Coronavirus: Google zieht die Notbremse – Google I/O endgültig abgesagt

Und das war erst der Anfang…
Ich gehe davon aus, dass die Entwicklung zahlreicher Google-Produkte derzeit auf Sparflamme läuft bzw. vielleicht zum Teil auch komplett gestoppt wurde – denn aus dem Home Office heraus dürfte das doch sehr viel schwerer sein. Viele Daten und Projekte dürfen aus diversen Gründen auch gar nicht die Google-Büros verlassen, sodass ein Home Office zum Teil trotz technischer Gegebenheit gar nicht möglich ist. Da tückische daran: Niemand weiß, wie lange das jetzt noch so weitergeht.

Kann Google am Android 11-Zeitplan festhalten? Wird man überhaupt in der Lage sein, neue Pixel-Smartphones zu bauen? Ist die Qualität der Google-Produkte noch zu halten? Durch die Home Office(s) laufen die Google-Server unter einer höheren Last als gewöhnlich, was sich in den letzten Tagen schon durch lange Wartezeiten bei Google Fotos & Google Drive gezeigt hat. Um die Netze zu entlasten, hat Google in Europa nun sogar sehr schnell den Schritt umgesetzt, die Videoqualität bei YouTube stark zu senken – so wie Netflix nur einen Tag zuvor.

Schon vor zwei Wochen hatte ich die Frage in den Raum gestellt, was denn bei einem Corona-Fall in einem Google-Rechenzentrum passieren würde. Die Antwort werden wir hoffentlich nicht erhalten, aber erfahren wir nicht mittlerweile gefühlt jeden Tag Neuigkeiten, die wir noch vor wenigen Tagen für unmöglich gehalten haben? Kaum auszudenken, was Probleme in der wichtigen Cloud-Infrastruktur für einen Dominoeffekt auslösen könnten.



Wirtschaftliche Auswirkungen
Viele Experten sind sich darin einig, dass uns eine Wirtschaftskrise riesigen Ausmaßes bevorsteht und die Welt in die Rezession schlittert. Auch wenn Google ein extrem gesundes Unternehmen mit Geldbergen bis unters Dach ist, werden die Auswirkungen sehr drastisch sein. Google hängt nach wie vor und trotz aller externen Produkte am Tropf der Werbeeinnahmen. Diese dürften in Zeiten der Rezession deutlich zurückgehen.

Hoffen wir, dass das Schreckgespenst Coronavirus sehr schnell wieder verschwindet. Träumen wir davon, dass die Zahl der Infizierten plötzlich rapide sinkt, ein Impfstoff gefunden wird und uns der prognostizierte noch härtere Schwung im Herbst erspart bleibt. Die Folgen werden uns aber sicherlich noch sehr sehr lange begleiten, aber vielleicht auch zu einem Umdenken führen. Ich will hier keine komplett themenfremde Punkte anschneiden, aber ich denke, dass Dinge wie die Globalisierung, Solidarität, Vertrauen oder die gesamte EU und Staatengemeinschaft daran noch lange zu knabbern haben.

Und das wiederum kann dann erneut Auswirkungen auf Google haben, das ja ein „böses US-Unternehmen“ ist, von dem wir alle viel zu sehr abhängig sind. Genauso wie von Facebook, Microsoft und Amazon. Aber das führt nun zu weit…

Hinweis: Natürlich haben unzählige Menschen und Unternehmen deutlich größere Probleme als der Gigant Google und „wir“ müssen sicherlich kein Mitleid mit einem Multi-Milliarden-Konzern haben. Das hier ist aber der GoogleWatchBlog und wir beschäftigen uns mit allen Themen rund um das Unternehmen, quer durch die gesamte Bandbreite. Über die Folgen für die Menschen, weniger finanzkräftige Unternehmen und die gesamte Gesellschaft, die nun nicht wissen wie es weitergeht, findet ihr im Web sehr viel bessere Anlaufstellen als einen spezialisierten Tech-Blog.


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