Chromecast: Das Streaming-Gadget hat sich überlebt – nun muss Google leider den Stecker ziehen (Meinung)

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Google wird in Kürze das neue Android TV vorstellen, das sowohl aus dem Betriebssystem als auch dem neuen ‚Sabrina‘-Dongle besteht und die Plattform für die smarte Zukunft rüsten soll. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird im Zuge dieses Android TV-Neustarts ein Produkt auf der Strecke bleiben, das sehr viele Fans hat: Der Chromecast. Der TV-Stick bzw. TV-Dongle hat sich selbst überlebt und muss nun Platz machen. Meiner Meinung nach. Auch die Preisgestaltung des neuen Android TV spricht dafür.


Der Google Chromecast ist schon weit über sieben Jahre alt – oder erst sieben Jahre alt, je nachdem, wie man es betrachtet. Google hat den TV-Stick im Juli 2013 vorgestellt und damit mehr als nur einen Glückstreffer gelandet. Das auf irgendeine Art sehr sympathische Produkt war schon wenige Stunden nach der Präsentation ausverkauft (!) und kam aus diesem Grund erst später als ursprünglich geplant nach Europa. Und auch in Europa konnte man den großen Erfolg wiederholen – und das bis heute.

chromecast tv

Der Google Chromecast hat Mitte 2013 einen Meilenstein gesetzt – in jeglicher Hinsicht. Mit dem vergleichsweise sehr günstigen Produkt wurden plötzlich alle Fernseher smart, das Streaming sehr viel bequemer als bisher und durch die Formgebung und Kompaktheit ist das Gerät auch noch vollständig hinter dem Fernseher verschwunden. Dazu eine extrem simple Bedienung und fertig war das Erfolgsprodukt. Auch für Google war es eines der ersten erfolgreichen Hardware-Produkte und der allererste Schritt in das Smart Home.

Auch wenn der Chromecast hier und da mal mit kleinen Problemen kämpft, könnte ich an dieser Stelle einen langen Lobes-Artikel schreiben und würde mit Sicherheit sehr viel Zustimmung erhalten. Ich bin bis heute erklärter Fan des Google Chromecast und setze ihn schon seit vielen Jahren hinter diversen Geräten ein. Doch die Nutzung hat sich im Laufe der Jahre geändert und auch die Nutzungsdauer ist bei mir gehörig geschrumpft – obwohl ich nicht weniger Medien konsumiere als zuvor.

Und so wird es langsam Zeit, sich vom Chromecast zu verabschieden, der bald sieben Jahre seine Dienste geleistet hat und bei vielen Nutzern sicherlich noch viele weitere Jahre tun wird. Doch der Android TV-Neustart macht sehr deutlich, dass der Chromecast an seine Grenzen gestoßen ist und Google das Produkt wohl nicht länger weiterentwickeln wird.

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chromecast

Achtung: Dieser Artikel spiegelt nur die persönliche Meinung des Autors wider und besteht zum Teil, vor allem die Einstellung des Produkts, auf Spekulationen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass auch der Chromecast in irgendeiner Form einen Reboot erhält.

Der gute alte, praktische Chromecast
Der Chromecast ist im Jahr 2013 in ungefährer Form eines USB-Sticks gestartet und hat es sich sehr einfach hinter dem Fernseher gemütlich gemacht: Alles was benötigt wurde, war ein freier HDMI-Anschluss sowie entweder eine USB-Buchse oder ein Netzstecker zur Stromversorgung. Fertig. Danach konnte man sich rein visuell schon vom Chromecast verabschieden, denn die Bedienung des Sticks erfolgt ausschließlich per Smartphone oder Computer. Das hat sich bis heute nicht geändert und gilt auch für die nachfolgenden Dongle oder den Chromecast Ultra.

Nach der Einrichtung, die per Smartphone und nach Anweisungen über den Fernseher erfolgte, konnte es dann auch schon losgehen. Der Chromecast fungiert als Cast-Empfänger und es lassen sich beliebige mediale Inhalte übertragen. Videostreams, Bilder, später lokale Dateien oder über den Chrome-Browser und kompatible Apps auch das gesamte Desktop- oder Smartphone-Display. Heute spielt der Chromecast auch bei Stadia eine große Rolle. Für viele Menschen dürfte es eine der ersten Erfahrungen gewesen sein, die sie mit dem Streaming auf den großen Fernseher gemacht haben.

Der Chromecast hat(te) Schwächen
Doch die Einfachheit hatte auch ihre Tücken: Der Chromecast verfügt über KEINE Fernbedienung und ist nur ein „dummer“ Empfänger ohne jegliche Funktion. Gesteuert wird mit dem angebundenen Endgerät bzw. über die aktuell streamende App – das ist Komfort und Hürde zugleich. Auch wenn eine klassische Fernbedienung eine eher alte Technologie ist, ist es dennoch bequem. Nicht umsonst haben der neue Android TV-Dongle, der Amazon Fire TV Stick und ähnliche Geräte eine Fernbedienung. Gerade durch den Einzug der Sprachassistenten werden sie eigentlich schon wieder zur Pflicht.

Aber es ist nicht nur die Fernbedienung, sondern auch die gesamte Interaktion. Der Chromecast zeigt entweder das gestreamte Medium oder einen Homescreen mit wechselnden Hintergrundbildern sowie einigen Statusinformationen und dem Wetter. Das war es dann aber auch schon, es ist eine reine Einbahnstraße. Es lässt sich kein detailliertes Wetter abrufen, mehr Details zum Hintergrund gibt es nur per Smartphone-App und der gesamte „Homescreen“ oder „Desktop“ lässt sich in keinster Weise nutzen.

Das schränkt den Funktionsumfang ein, verwandelt den Fernseher lediglich in ein bessere Mediendisplay und gibt auch Google keinerlei Möglichkeit, das Produkt zu monetarisieren – und darum geht es irgendwann. Auch wenn Google viele Produkte subventioniert und die Monetarisierung häufig erst später in Angriff nimmt, muss es wenigstens eine Aussicht auf Monetarisierungsmöglichkeiten geben. Das war beim Chromecast nicht gegeben.

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Der Chromecast hat sich überlebt
So praktisch das Gerät auch sein mag, so überflüssig ist es mittlerweile. Jedes Android TV-Gerät kann als Google Cast-Empfänger fungieren und ersetzt somit den Chromecast. Android TV und Chromecast machen sich in diesem Punkt also große Konkurrenz: Wer ein Android TV hat, braucht kein Chromecast. Wer ein Chromecast hat, sieht vielleicht gar keinen Bedarf an einem Android TV-Gerät. Und da ist dann schon wieder das rote Tuch, das aus Googles strategischer Sicht für das Android TV-Marketing verschwinden muss.

Google Cast wird bleiben
Die Cast-Technologie ist nach wie vor auf der Höhe der Zeit und kann unter Android TV weiterentwickelt werden. Der Chromecast ist nur das Stückchen Hardware, das jetzt nicht mehr benötigt wird, weil dessen Aufgaben von anderen Geräten übernommen worden sind. Das mögliche Ende des Chromecast ist also gar kein großes Problem, denn mit dem Android TV-Dongle geht es nahtlos weiter: Ähnliche Form, verschwindet ebenfalls hinter dem Fernseher und bügelt alle Schwachstellen aus: Es gibt eine Fernbedienung, eine interaktive Plattform und dennoch die gute alte Möglichkeit, einfach Inhalte von Gerät X auf den Fernseher zu übertragen.

Es wäre wirklich sehr schade um den Chromecast, aber jedes Produkt hat seine Zeit – gerade in der Technologie-Welt. In der schnelllebigen Smart Home-Welt ist es ohnehin schon ein Wunder, dass der Chromecast mehr als sieben Jahre ohne grundlegendes Update überlebt hat und sich wohl nach wie vor recht gut verkauft. Natürlich gab es hier und da Verbesserungen, aber das Konzept bietet eben nicht viel Möglichkeiten.

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Erneut: Dieser Artikel spiegelt nur die persönliche Meinung des Autors wider und besteht zum Teil, vor allem die Einstellung des Produkts, auf Spekulationen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass auch der Chromecast in irgendeiner Form einen Reboot erhält.

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comment 9 Kommentare zum Thema "Chromecast: Das Streaming-Gadget hat sich überlebt – nun muss Google leider den Stecker ziehen (Meinung)"

  • Kann den Artikel echt nicht nachvollziehen, als günstige Einsteigerlösung ist der Chromecast weiterhin sehr gut. Ein weiteres Performance-Upgrade wäre bald mal wünschenswert, um sich mehr dem Ultra anzunähern, der dann gerne durch eine vollwertigere Lösung mit Fernbedienung ersetzt werden darf.

  • Da ich mir die Geräte, also Monitor und Steuereinheit, immer getrennt kaufe, ist der Chromecast bei mir im Dauereinsatz. Ich habe kein lineares Fernsehen mehr. Der neue Dongle mit AndroidTV daruf ist natürlich auch toll, aber ich nutze den Chromecast nach wie vor täglich. Und die Fernsteuerung habe ich ja am Smartphone, verstehe auch da die Problematik nicht. Aber Einsatzszenarien sind sicher so verschieden wie die Menschen es sind.

  • Mein Fernseher ist von 2009, daher ist der Chromecast immer im Einsatz. Die Nutzungsdauer hat bei mir zugenommen, da auch ich kein lineares TV mehr schaue. Das beste Gerät, das Google je auf den Markt gebracht hat (sage ich als alter Nexus Nutzer).
    Ich freue mich aber sehr auf das Gerät mit Fernbedienung und Android TV. Steht bei mir ganz oben auf der Weihnachtsliste.

  • Kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe ein Handy und einen Computer. Darüber läuft alles. Ich brauche kein zweites, drittes, viertes Gerät, das selber „smart“ ist. Genauer gesagt: Das stört.

    Ich bin selber sehr technik-affin, aber um „Smart Home“ mache ich einen großen Bogen — das meiste, was damit an Features kommt, empfinde ich eher als störend denn als nützlich. Ich will meine Heizung per Hand regeln. Ich will die Tür per Schlüssel öffnen. Ich will meine Beleuchtung an- oder ausknipsen, aber nicht färben, dimmen oder steuern. ICH mache mir nach Bedarf die richtige Lampe an, und nicht je nach Uhrzeit irgendeine Automatik, die nicht weiss, ob ich bei grellem Licht ein Puzzle lege oder schon so halb zu YouTube eingepennt bin.

    Der Chromecast macht genau, was der Fernseher soll, ich sag’s mal pointiert: Den Film abspielen und ansonsten die Fresse halten.

    Ich brauche in der Wohnung nicht noch einen Wetterbericht, nicht noch einen Assistenten, nicht noch eine Werbeschleuder, nicht noch eine weiter „It looks like you’re writing a letter“-Clippy-Imitation.

    Ich will auf einer Uhr nicht mehr als die Zeit. Von einem Wecker nicht mehr, als das er klingelt. Mich nervt schon, dass mein ALDI-Wecker ZWEI Weckzeiten hat, und dass auf der großen Haupt-Taste die Snooze-Funktion liegt nervt noch mehr, weil: Wenn der Wecker klingelt, steht man auf, Ende. Ich brauche keinen Affentanz und keine Biorhythmus-kompatible GetUp-Assistenz.

    Ein Gerät kann „schlecht“ sein, weil es zu viel kann.

  • Nur weil der Name des Produkts geändert wird, stirbt das Konzept noch lange nicht. Am Ende ist der „AndroidTV“ dann nichts weiter ein Chromecast mit Fernbedienung und mehr Leistung. Die Monetarisierung ist längst gegeben, bloß indirekt durch die Services wie YouTube. Man wird Amazon sicherlich nicht das Feld überlassen. Beim FireTV, der auch nur ein Stick ist, kann man auch allerlei Apps benutzen, die sich nicht auf die Anzeige von Informationen beschränken. Der Chromecast ist tot, Lang lebe der Chromecast

    • Dann ist es ja super, dass du sie jetzt erhalten hast 🙂
      Ist ja hier immer noch ein Blog.

      Und wie ich im Nachhinein oft schreibe: Ich liege mit meinen Prognosen sehr oft, nicht immer, richtig.

  • Persönlich schätze ich am Chromcast das er fast nichts kann und auch keine zusätzliche Hardware (Fernbedienung) mit sich bringt.
    Warum?
    Er entspricht einem Stück vor digitaler Hardware. Insel-können und dadurch langlebig.
    Durch die eingeschränkten Funktionen ist der Chromcast immer noch auf höhe der Zeit. Wer nutzt sein Handy von 2013 noch? Meinen ersten Chromcast wie seine beiden Nachfolger nutze ich noch. Von zwei meiner drei TVs sind die Smart-Web-Funktionen bereits überholt. Durch die Chromcasts bleiben beide – günstig – auf dem Stand der Zeit.

    Ein Gegenbeispiel hätte ich noch, als der Chromcast eingeführt wurde gab es diverse Android-Sticks mit Betriebssystem aus China (falls sich an diese Welle noch jemand erinnern kann). Hat noch jemand einen dieser Sticks in Gebrauch?

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