Android Auto: Der Nachfolger Android Automotive wird für Google & Alphabet zu einer sehr wichtigen Plattform

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Google ist mit Android Auto recht erfolgreich und hat es innerhalb kürzester Zeit geschafft, sowohl die Plattform als auch eine Reihe von Apps in den Fahrzeugen der Nutzer zu etablieren. Aber das war nur der erste Schritt, denn schon im kommenden Jahr wird mit Android Automotive ein neues Betriebssystem starten, das für Google eine enorme Bedeutung hat und auch für Alphabet Holding noch eine große Rolle spielen könnte.


Android Auto hat gerade erst die Marke von 50 Millionen Downloads über den Play Store geknackt und ist auf dem besten Wege dahin, einen Standard im Auto zu bilden, der sich über die zahlreichen verschiedenen Infotainment-Systeme der Hersteller setzt. Diesen Weg wird Google weitergehen und den Nutzern somit die Wahl lassen, welche Plattform sie verwenden. Durch die vom Smartphone gesteuerte Oberfläche auf dem Infotainment-System sowie die zusätzlich angebotene Smartphone-Oberfläche lässt sich Android Auto praktisch in allen Fahrzeugen jeden Alters und jeder Ausstattung einsetzen.

android automotive volvo polestar

Google hat gerade erst einigen Aufwand in die Neugestaltung von Android Auto gesteckt und wird auch die Smartphone-Oberfläche in den kommenden Monaten ersetzen und den Google Assistant in den Mittelpunkt stellen, der dank des Google Assistant Driving Mode eine weitere Präsenz erhält. Aber all diese Aufsätze reichen Google schon bald nicht mehr aus, denn das Unternehmen will deutlich tiefer in die Infrastruktur der Fahrzeuge einsteigen.

In den vergangenen Tagen hat Google erstmals etwas detaillierter über Android Automotive gesprochen und die ersten Hersteller haben bereits ihre Unterstützung zugesagt. Volvo hat im Laufe dieses Jahres sogar die ersten beiden Fahrzeuge vorgestellt, die mit Android Automotive ausgestattet sein werden und sowohl das Infotainment-System als auch einen großen Teil des Fahrer-Displays von Googles Betriebssystem befeuern lassen: Der Volvo XC40 Recharge sowie der Volvo Polestar 2. Hands-on Videos und viele Fotos findet ihr in den verlinkten Artikeln.

Finanzielle Details sind nicht bekannt, aber ich würde einfach mal davon ausgehen, dass Google auch für Android Automotive den klassischen Android-Weg wählt und das Betriebssystem unter gewissen Voraussetzungen vollkommen kostenlos anbietet. Für einige Fahrzeughersteller ein verlockendes Angebot, für andere eher weniger. Erst vor wenigen Tagen hat VW den neuen Golf mit Amazons Alexa vorgestellt, in dem es der Google Assistant schwer haben wird.



Android Automotive hat für Google eine enorme Bedeutung

Android Auto hat den Weg bereitet und die Google-Apps im Auto etabliert und mit Android Automotive soll das bisher sehr wacklige Konstrukt gefestigt werden. Das Betriebssystem wird die einzige im Fahrzeug zur Verfügung stehende Plattform sein, sodass der Nutzer auf die Google-Apps angewiesen ist und auch keine alternative Oberfläche starten kann. Das bedeutet, dass zur Navigation Google Maps zum Einsatz kommt, der Google Assistant die Sprachsteuerung im Auto übernimmt und auch weitere Apps in den Fahrer-Alltag einfließen.

Aber nicht nur die klassischen Auto-Anwendungen würde Google in den mit Automotive ausgestatteten Fahrzeugen dominieren, sondern wenn man erst einmal die Kontrolle über das Infotainment-System übernommen hat, ergeben sich auch weitere Möglichkeiten. Apps oder Spiele für den Beifahrer? YouTube-Videos auf der Rückbank? Smart Home-Funktionalität im Auto (Smart Car)? Solchen Features sind mit Android Automotive alle Türen geöffnet und Google müsste nicht um die besten Plätze kämpfen, denn mit der eigenen Plattform ist man ja mittendrin. Das typische Erfolgsrezept von Android und auch Chrome.

Das Auto wird zum neuen Aufenthaltsort
Google dürfte mit Android Automotive sehr langfristig denken und dabei auch die autonomen Fahrzeuge im Blick haben. Es wird noch lange dauern, bis diese in größerem Umfang auf den Straßen unterwegs sind, aber sie werden das Auto fahren vollständig verändern. Plötzlich wird das Auto zu einem echten Aufenthaltsort, praktisch einem Smart Home auf vier Rädern. Vermutlich werden viele Menschen auch kein eigenes Fahrzeug besitzen, sondern stets in ausgeliehene Autos steigen. Dank Cloud haben die Fahrgäste dann dennoch alle ihre Informationen bei sich – unabhängig von der Marke oder dem Modell. Eine Zukunftsvision, die in der Form extrem wahrscheinlich ist.

In diesem Punkt könnte man das Auto etwas mit Chrome OS vergleichen. Jeder kann sich irgendein Chromebook schnappen, sich einloggen und findet direkt den eigenen Browser vor. Das ist natürlich nur dann möglich, wenn in allen Geräten bzw. Fahrzeugen die gleiche Plattform zum Einsatz kommt. Und Google ist mit Android Automotive aktuell der erste und vielleicht mittelfristig auch einzige Anbieter, der über das Know-How, ein entsprechendes Ökosystem und die Fähigkeiten zum Betrieb einer solchen Plattform verfügt. Grund genug, schon jetzt Gas zu geben und sich weiter im Fahrzeug zu etablieren.

Keine Chance für die Konkurrenz
Android Auto ist bekanntlich sehr leicht austauschbar. Kabel ab und schon ist die Oberfläche verschwunden und könnte durch Apples CarPlay oder auch den in Entwicklung befindlichen Lösungen von Amazon, Huawei oder auch Microsoft ersetzt werden. Es ist derzeit zwar nicht bekannt, aber man darf wohl davon ausgehen, dass die Oberflächen der anderen Hersteller von Android Automotive nicht unterstützt werden bzw. Google Wege und Mittel finden wird, um dem Nutzer dies auf sanfte Art madig zu machen.



Android Automotive kann auch für Alphabet wichtig sein
Aber nicht nur Google wird von Android Automotive profitieren, sondern auch die Mutter-Holding Alphabet dürfte daran interessiert sein, ein Betriebssystem für das Auto im eigenen Firmengeflecht zu haben. Es ist zwar „nur“ das Infotainment-System, aber später wird es wohl auch die einzige Schnittstelle sein, die der Nutzer überhaupt noch mit dem Fahrzeug hat. Mit der Tochter Waymo, die nach Google wohl das größte Goldstück in der Holding ist, hat man alle Fahrsysteme bereits unter Kontrolle gebracht und braucht eigentlich nur noch ein gutes Betriebssystem für das Infotainment.

Mit Waymo und Google würde Alphabet die volle Kontrolle über das Auto erlangen und die Fahrzeughersteller endgültig nur noch zu Zulieferern degradieren. Das scheint zwar noch in weiter Ferne, doch wenn man sich die Fortschritte von Waymo und den Startschuss für die Verbreitung von Android Automotive ansieht, dann wird schnell klar, dass wir näher an diesem Punkt sind, als man meinen würde. Alphabet hat sich in diesem Bereich strategisch sehr gut positioniert und deckt z.B. mit den Lime-Scootern weitere Bereiche der Mobilität ab.

Nun habe ich sehr deutlich dargelegt, warum Android Automotive für Google eine sehr wichtige Rolle spielt und möglicherweise auch der nächste Scheideweg für die gesamte Autoindustrie sein könnte. Das sich Unternehmen wie Volkswagen gegen Android Automotive streuben zeigt, dass hinter den Kulissen längst ein Krieg um die Daten der Fahrgäste begonnen hat.

Siehe auch
» Wing hebt ab: Die Google-Schwester zeigt die Stärken & Vorteile der blitzschnellen Drohnen-Zustellung (Video)

» Android Automotive vs. Android Auto – das sind die Unterschiede

» Android Automotive Hands-on

Fuchsia: Kein Android-Ersatz – Googles neue Plattform als Betriebssystem für den Smartphone-Nachfolger?


Google Maps: So lassen sich viele verpixelte Streetview-Gebäude mit Luftaufnahmen wieder sichtbar machen


Stadia: Googles neue Spieleplattform dürfte wohl einen holprigen Start hinlegen – die größten Stolpersteine


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