Sexuelle Belästigung: 48 Google-Mitarbeiter wurden gefeuert; Andy Rubin bekam Geldregen zum Abschied

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Andy Rubin war innerhalb von Google einige Jahre lang DER Superstar, denn das von ihm erfundene und über viele Jahre geleitete Betriebssystem Android hat das Unternehmen erst zu der heutigen Dominanz auf vielen Märkten geführt. Doch über ihn und einen weiteren sehr prominenten Ex-Googler gibt es nun dunkle Schatten: Er soll mehrmals „sexuelles Fehlverhalten“ gezeigt haben, das ihm schlussendlich den Job kostete. Dennoch wurde er von Google zum Abschied mehr als großzügig entlohnt.


Vor vielen Jahren hatte Andy Rubin im stillen Kämmerlein ein Betriebssystem für Digitalkameras konzipiert, das er nach sich selbst benannte und schlussendlich doch auf einer ganz anderen Geräteklasse zum großen Erfolg geführt werden sollte: Android. Google hatte das Unternehmen sehr früh unternommen und hat auf Rubins Arbeit aufgebaut, um dann vor gut 10 Jahren das erste Android-Smartphone auf den Markt zu bringen.

Andy Rubin

Schon im vergangenen Jahr gab es Berichte über „unangemessene Beziehungen am Arbeitsplatz“ über Andy Rubin, aber erst jetzt die New York Times viele weitere Informationen veröffentlicht, die weder Rubin noch Google in einem guten Licht dastehen lassen. Rubin soll häufiger Affären am Arbeitslatz begonnen haben, zumeist mit Untergebenen aus seiner eigenen Abteilung – was die Sache deutlich brisanter macht und noch schwere Folgen für Rubin haben könnte. Diese Geschichten sollen pikanterweise auch noch während seiner Ehe passiert sein, die er ebenfalls bei Google kennengelernt hat.

Mr. Rubin often berated subordinates as stupid or incompetent, they said. Google did little to curb that behavior. It took action only when security staff found bondage sex videos on Mr. Rubin’s work computer, said three former and current Google executives briefed on the incident. That year, the company docked his bonus, they said.

Doch die Geschichte dreht sich nicht nur um Rubins Fehlverhalten, sondern auch um Googles rätselhaftem Schutz der Person Rubin – die möglicherweise auf seine sehr guten Verhältnisse mit Larry Page zurückzuführen sind. Dass das nicht immer die besten Voraussetzungen sind, hat bereits das Beispiel Google+ gezeigt. Obwohl Andy Rubins „Vorlieben“ offenbar bekannt waren, hielt das Unternehmen eine schützende Hand über ihn.




Als er es dann wohl doch zu weit getrieben hat, wurde er nicht etwas gefeuert, sondern lediglich aus der Android-Abteilung abgezogen und in die Robotik-Sparte versetzt. Einige Monate später verließ er das Unternehmen und bekam von Google-Gründer Larry Page warme Worte (und mehr) mit auf den Weg. Und das, obwohl Page zu diesem Zeitpunkt längst gewusst haben musste, welcher Fehlverhalten sich Andy Rubin schuldig gemacht hat.

Doch statt ihn fristlos zu kündigen, gab es für ihn noch einen Geldregen: Er bekam 150 Millionen Dollar in Aktien, die ihm Larry Page persönlich zugestand, da das Unternehmen ihm laut seinen Aussagen „niemals ausreichend für Android gedankt“ hat. Zu seinem endgültigen Abschied gab es dann ebenfalls noch einmal 90 Millionen Dollar mit auf den Weg, die im Laufe von vier Jahren ausgezahlt werden. Die letzte Charge davon bekommt er erst in diesen Tagen.

Sowohl der Schutz der Person Rubin als auch der Geldregen lassen die damalige Google-Führung in keinem guten Licht stehen, allen voran der damalige CEO und Gründer Larry Page. Doch da er seit Monaten praktisch untergetaucht ist, wird er sich wohl auch zu diesem Fall nicht äußern. Jetzt wissen wir aber auch, wie Rubin sein aktuelles Startup Essential finanzieren kann, das bis auf ein geflopptes Smartphone noch nicht viel auf den Markt gebracht hat.

Amit Singhal

Auch Amit Singhal hatte „unangemessene Beziehungen“

Aber nicht nur Andy Rubin hat ein solches Fehlverhalten an den Tag gelegt, sondern auch das Websuche-Urgestein Amit Singhal. Dieser hatte Anfang 2016 überraschend seinen Abschied bekanntgegeben und es damit begründet, sich mehr um seine Familie kümmern zu wollen – was wohl dringend notwendig gewesen ist. Ins Detail geht man bei diesem Fall nicht, aber es ist von „sexuellem Fehlverhalten“ die Rede. Er hingegen soll gegangen worden sein, ohne jeglichen Geldregen, der ihm eigentlich zugestanden hätte.



Der aktuelle CEO Sundar Pichai nimmt diesen Bericht sehr ernst und berichtet darüber, dass man solche Fälle seit einigen Jahren deutlich schärfer verfolgt (wohl seit Pages Abschied von Google). Allein in den vergangenen zwei Jahren seien 48 Google-Mitarbeiter, davon 13 aus dem höheren Management, gefeuert worden. Hier findet ihr das offizielle Statement von Sundar Pichai:

Hi everyone,

Today’s story in the New York Times was difficult to read.
 
We are dead serious about making sure we provide a safe and inclusive workplace. We want to assure you that we review every single complaint about sexual harassment or inappropriate conduct, we investigate and we take action.
 
In recent years, we’ve made a number of changes, including taking an increasingly hard line on inappropriate conduct by people in positions of authority: in the last two years, 48 people have been terminated for sexual harassment, including 13 who were senior managers and above. None of these individuals received an exit package.
 
In 2015, we launched [email protected] and our annual Internal Investigations Report to provide transparency about these types of investigations at Google. Because we know that reporting harassment can be traumatic, we provide confidential channels to share any inappropriate behavior you experience or see. We support and respect those who have spoken out. You can find many ways to do this at go/saysomething. You can make a report anonymously if you wish.
 
We’ve also updated our policy to require all VPs and SVPs to disclose any relationship with a co-worker regardless of reporting line or presence of conflict.
 
We are committed to ensuring that Google is a workplace where you can feel safe to do your best work, and where there are serious consequences for anyone who behaves inappropriately.
 
Sundar and Eileen

Siehe auch
» „Unangemessene Beziehung“ zu einer Google-Mitarbeiterin: Essential-CEO Andy Rubin zieht sich zurück
» The Journey Continues: Websuche-Urgestein Amit Singhal verlässt Google nach 15 Jahren

[9to5Google]


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