Fuchsia: Kein Ersatz für Android oder Chrome OS – Googles Betriebssystem könnte neue Geräte definieren

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Googles irgendwann einmal kommendes Betriebssystem Fuchsia ist immer wieder für eine Überraschung gut – und die gab es vor wenigen Tagen. Nachdem wir uns schon längst von dem Gedanken des potenziellen Android-Nachfolgers verabschiedet haben, unterstützt Fuchsia plötzlich Smartphone-CPUs. Damit müssen nun keine neuen Grabreden für Android geschrieben werden, aber es ist ein erneuter Beweis dafür, wie flexibel Fuchsia eines Tages sein wird. Selbst für den bisher nicht bekannten Nachfolger der Smartphones wäre man bereits gewappnet.


Wie man ein Projekt mit Gaspedal und Handbremse gleichzeitig voranbringt, zeigt Google seit fast zwei Jahren mit Fuchsia: Die Entwicklung schreitet recht schnell voran und zeigt durch den öffentlich zugänglichen Code immer wieder neue Details, aber gleichzeitig wird offiziell kaum ein Wort darüber verloren. Und wenn doch, dann eher als Absage und Euphoriebremse. Doch dieses Ablenkungsmanöver nimmt man Google mittlerweile genauso wenig ab wie das Desinteresse an Social Networks.

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Fuchsia könnte in den nächsten Monaten große Schritte machen, wenn auch weiterhin nur unter einem Deckmantel und nicht in der öffentlichen Wahrnehmung: Seit etwas mehr als zwei Wochen wirbt man nun, passiv aber doch, um neue Entwickler und möchte, dass sich die ersten Bastler direkt mit dem Betriebssystem beschäftigen und nicht mehr nur auf die Brücke Flutter setzen. Gleichzeitig wird das Projekt-Team ausgebaut und wird nun auch um Harware-Experten erweitert.

Also geht es nun mit Vollgas los auf den Smart Home-Markt und den Smart Displays? Vielleicht, aber auch die Smartphones und andere Plattformen sind noch längst nicht aus den Augen verloren. Seit wenigen Tagen unterstützt Fuchsia tatsächlich ältere Smartphone-Prozessoren – aber warum? Schon im vergangenen Jahr wurde aus internen Quellen vermeldet, dass das neue Betriebssystem auf dutzenden Gerätetypen getestet wird und seinen perfekten Formfaktor wohl erst noch finden muss. Eine breit aufgestellte Plattform ist dafür eine Notwendigkeit.

Nun ist der Snapdragon 835 noch kein ganz so altes Eisen und wie wir gerade erst gesehen haben, können auch ältere Smartphones mit uralten Android-Versionen noch überraschend gut genutzt werden. Außerdem muss Fuchsia natürlich in die Zukunft und nicht in die Vergangenheit blicken.



Android und Chrome OS brauchen keine interne Konkurrenz
Google ist bekannt dafür, es nicht immer bei einem Produkt für ein und dasselbe Problem bzw. Aufgabe zu belassen – das zeigt sich immer wieder. Bei Betriebssystemen bzw. großen Plattformen sieht das aber etwas anders aus, denn hier wäre ein interner Konkurrent wohl nicht gerade förderlich. Dass Fuchsia sich also auf den Märkten Smartphone, Tablet oder Laptop platzieren wird, ist sehr unwahrscheinlich. Dass eines der beiden Betriebssysteme ersetzt werden soll bzw. muss, ist ebenso nahezu auszuschließen.

Aber es gibt noch andere Märkte. Erst kürzlich haben wir ausführlich darüber berichtet, warum Google noch ein drittes Betriebssystem benötigt. Es gibt so viele Geräteklassen, die entweder von keinem der beiden bisher vorhandenen Betriebssystem bedient werden bzw. bei denen diese sich ziemlich strecken müssten. Das geht aber weit über die Smart Displays oder andere Internet of Things-Geräte hinaus. Es ist gut möglich, dass Fuchsia eine völlig neue Geräteklasse begründet.

Das Smartphone ist tot – sagen die Smartphone-Hersteller
Aus mir persönlich kaum nachvollziehbaren Gründen hört man in jüngster Vergangenheit immer wieder die Aussage, dass das Smartphone tot ist und keine lange Zukunft mehr vor sich hat. Diese Aussagen kommen aber nicht von irgendwelchen Analysten, sondern direkt aus den Chefetagen von Samsung, Huawei, Sony und anderen Smartphone-Hersteller. Googelt nur mal danach. Offenbar wissen sie also etwas, das die breite Masse noch nicht erahnt – einen technologischen Nachfolger der Smartphones. Da die Geräte in puncto echten Innovationen längst in der Sackgasse stecken, wäre ein Nachfolger keine schlechte Idee.

Smartphones basieren nach wie vor auf ihrem Namensgeber – dem Telefon. Aber was machen die Nutzer am wenigsten damit? Genau. Die Menschen „brauchen“ natürlich einen smarten Begleiter, aber es muss ja nicht unbedingt ein Telefon sein – auch wenn das natürlich ungemein praktisch ist. Aber genauso schnell wie sich die Wanzen im Wohnzimmer etabliert haben, könnte sich auch eine neue mobile Geräteklasse etablieren, von der ich mir selbst nicht wirklich vorstellen kann, wie sie aussehen könnte. Eine Art Wearable mit vielen smarten Funktionen vielleicht. Ein echter smarter Assistant, irgendwas in der Form.

Cloud geht längst über alles – lokal werden beim Nutzer zukünftig immer weniger Ressourcen benötigt, das geht ja nun sogar schon bis zur Spielekonsole. Dafür sind dann zwar schon wieder bessere Netze und eine ausgebaute Infrastruktur notwendig – wie Google selbst zugibt, aber darum kommt man zukünftig ohnehin nicht drumrum. Es ist also gut möglich, dass mit schwächerer Hardware, die entsprechend günstig zu haben ist, neue Geräteklassen geschaffen werden. Wäre nicht das erste Mal.



Fuchsia könnte eine eigene Geräteklasse bekommen
Und was hat das nun mit Fuchsia zu tun? Googles neues Betriebssystem könnte an der Speerspitze einer ganz neuen Geräteklasse stehen – das wäre dann auch ein sehr guter Grund, warum das Unternehmen nicht darüber redet und auch die anderen Abteilungen im Konzern offenbar keine Ahnung davon haben. Als komplett flexibles Betriebssystem, als das Fuchsia von Beginn an angelegt ist, sind alle erdenklichen Formen möglich – ganz egal welche Displaygröße, welche Eingabemöglichkeiten oder welche benötigten Aktionen – alles wird modular darauf angepasst.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Google eine Art neue Geräteklasse einführt oder zum Erfolg verhilft. Die Chromebooks wurden für Chrome OS geschaffen – oder umgekehrt. Der Smartphone-Boom wäre ohne Android nicht möglich gewesen (auch wenn iOS natürlich ein starker Motor war). Beides gab es schon vor den beiden Betriebssystemen, aber Google hat sie groß gemacht – und auch Android ist keine iOS-Kopie, sondern wurde damals als Schutz vor Windows Mobile geschaffen.

Dass schon wieder neue Plattformen bzw. Betriebssysteme benötigt werden, zeigt sich daran, dass die großen Hardware-Hersteller wie Samsung und Huawei (die das Ende der Smartphone-Ära prognostizieren) an eigenen plattformübergreifenden Betriebssystemen arbeiten. Samsungs Tizen ist seit Jahren bekannt, Huaweis Ark OS wurde gerade erst konkretisiert. Und genau mit diesen Systemen könnte Fuchsia eines Tages konkurrieren.


Das ist natürlich nur reine Spekulation, aber viel mehr bleibt einem Beobachter bei der sich ständig verändernden Sachlage und gleichzeitigen Verschwiegenheit auch nicht übrig. Schreibt gerne weitere Anregungen in die Kommentare, wo ihr Fuchsia in 4-5 oder vielleicht auch 1-2 Jahren seht? All diese Anstrengungen können nicht umsonst sein und lediglich als große Spielwiese dienen.

Siehe auch
» Huawei: Ark OS ist keine Android-Alternative – Smartphones sollen auch weiterhin Android nutzen

» Netflix Hangouts: Neue Chrome-Extension lässt euch mit getarnter Oberfläche heimlich Netflix schauen

» Dein verstecktes Google-Profil: So lässt sich das kaum bekannte Google-Profil finden und bearbeiten


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comment 1 Kommentare zum Thema "Fuchsia: Kein Ersatz für Android oder Chrome OS – Googles Betriebssystem könnte neue Geräte definieren"

  • Ich glaube das das Smartphone noch ein paar Jahre bestehen bleibt. Aber ja, das Smartphone ist eigentlich nur eine Krücken.
    Interessant wäre ein Mensch-Maschine-Interface, das sich direkt über die Sinne des Menschen Steuern lässt, und Feedback gibt.
    Aktuell wäre aber ein Smartphone als Workststion interessant. Jeder hat die Rechenpower und seine Daten auf dem mobilen Gerät und verbindet es am besten dratlos an Bildschirm, Tastatur, etc.
    Egal wo man sich befindet.

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