Drohende Einstellung von Google News: Das Portal wäre für Google verzichtbar – die Alternativen sind schon da

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Zum Wochenbeginn hat Google relativ überraschend mit der Einstellung von Google News in Europa gedroht, sollte die EU das europaweite Leistungsschutzrecht durchsetzen. Diese Drohung wurde nicht zum ersten mal ausgesprochen, sollte aber dennoch sehr ernst genommen werden, denn irgendwann wird sich bei Google auch die Sinnfrage stellen. Und ein Blick auf das News-Portfolio zeigt, dass die Google News schnell verzichtbar werden könnten. Zumindest für das Unternehmen.


Wenn Google öffentlich mit Konsequenzen droht, dann ist die Lage meist schon sehr ernst bzw. es soll öffentlicher Druck auf die Gesetzgeber aufgebaut werden – und das gelingt dem Unternehmen immer wieder. Die Verteuerung von Android-Smartphones war eine direkte Folge der Untersagung der App-Bündelung und ließ vor allem das EU-Urteil negativ zurück. Auch YouTube kämpft derzeit mit der SaveYourInternet-Kampagne angeblich um die eigene Existenz – und jetzt trifft es Google News.

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Google News gehört zu den ältesten Produkten des Unternehmens, ist als direkte Folge des 11. September entstanden und im Jahr 2002 gestartet. Damit hat das Portal nun schon 16 Jahre auf dem Buckel, die es stets mit dem gleichen Konzept bestritten hat – wenn auch mit vielen Veränderungen an der Oberfläche. Das Konzept erfreut sich bis heute sehr großer Beliebtheit, ist für Google aber grundlegend seit dem ersten Tag nicht profitabel.

Google News enthält keine Werbung, auch wenn manches mal damit experimentiert wurde, und ist somit eines der Google-Dienste, die subventioniert werden müssen. Da News ein Teil der Websuche ist, steht die Subventionierung außer Frage und auch die über News gesammelten Daten über die Interessen des Nutzers haben natürlich ihren Wert. Dennoch ist es verständlich, dass Google nicht dazu bereit ist, für diese von den Verlagen zur Verfügung gestellten Inhalte zu bezahlen.

Das in der EU geplante Leistungsschutzrecht würde aber genau so etwas vorsehen und damit das aktuelle Konzept von Google News unmöglich machen. Also bleibt dem Unternehmen tatsächlich nichts anderes übrig, als das Portal in Europa einzustellen und wieder einmal einen Scherbenhaufen zu hinterlassen – diesmal aber ungewollt.



Es dürfte nicht unbedingt ums Geld gehen – aber natürlich auch, immerhin sprechen wir von einem gewinnorientiertem Börsenunternehmen – sondern viel mehr um die grundsätzliche Frage, ob Google für die verwendeten Inhalte zahlen muss. Sobald man den einen oder anderen Euro überweisen würde, könnte das sehr schnell ausarten. Wenn Google für die News-Inhalte zahlt, warum dann nicht auch für alle indexierten Seiten in der Websuche? Ich denke, damit ist klar, wohin das führt. Weitere Überlegungen zu dieser Misere findet ihr in diesem Artikel.

Google hat Alternativen
Die Einstellung von News würde das Unternehmen vermutlich kaum schmerzen, denn es wurden längst neue Wege aufgebaut, um die Nutzer mit aktuellen Themen zu versorgen. Es gibt den noch immer existierenden Play Kiosk, über den die Nutzer ihre Kanäle selbst auswählen und abonnieren können. Dann gibt es auch den Google Feed bzw. Discover, der in immer mehr Bereichen auftaucht und vollständig auf den Interessen des Nutzers beruht.

Bei beiden Alternativen hat Google Ruhe vor den Verlagen. Im Kiosk müssen sie ihre Ausgaben selbst einstellen und können somit keine Forderungen nach Vergütung stellen. Mit Discover ist die reine Quelle zweitrangig, sondern das Thema wird bewertet. Außerdem wird es wohl schon sehr bald Werbeanzeigen bei Discover geben, mit denen sich dann auch Geld mit diesen Schlagzeilen verdienen lässt – nach bald zwei Jahrzehnten sicherlich auch nicht unwichtig.

Die dritte Alternative wäre Google+ gewesen, das man aber leider bald einstellen wird und somit nicht mehr zur Debatte steht. Aber das heißt ja nicht, dass es nicht auch anders gehen könnte. Die Entwicklung geht bekanntlich immer weiter, aber vielleicht wird Google eines Tages zu einer „alten“ Technologie zurückkehren, die sich auch heute noch sehr großer Beliebtheit erfreut: Feeds.

Die beste Alternative wäre wohl der Google Reader, der nun schon seit einigen Jahren nicht mehr verfügbar ist, aber in der ganzen Misere die beste Lösung bieten würde. Natürlich aufgehübscht, mit einer smarten Sortierung und Verknüpfung und schon hätten wir ein Google News 2.0, bei dem sich der Nutzer die Quellen selbst aussucht und diese hinzufügt. Wer dann als Verlag einen solchen Feed anbietet, der kann dann wohl kaum auf Unterlassung klagen oder Geld von Google verlangen.



Schlussendlich werden auf beiden Seiten die Kleinen verlieren. Auf der einen Seite die Nutzer, deren Auswahl an News-Portalen beträchtlich schrumpfen wird. Schon beim damaligen deutschen Leistungsschutzrecht gingen viele Portale Offline, bei einer europaweiten Einführung wäre es dann wohl das Ende solcher Portale – denn auch die anderen können es sich nicht leisten, die Verlage für Inhalte zu bezahlen.

Die zweiten Verlierer sind die vielen kleinen Publikationen und Blogs, die dadurch deutlich weniger Sichtbarkeit haben und nur schwer mit den Großen konkurrieren können. Einem Spiegel.de, Bild.de oder Tagesschau.de mag vielleicht Traffic verloren gehen, aber die Masse der Nutzer ruft es weiter direkt auf – was bei den anderen nicht der Fall ist. Auch dort könnte es, wenn sich nach einer möglichen Einstellung keine gute Alternative gibt, schnell zu einem Massensterben kommen. Die vielen Alternativquellen für eine Schlagzeile wären für den Nutzer mit den neuen Tools nicht mehr auffindbar.

Ob Google die Drohung wirklich umsetzen würde ist eigentlich keine Frage (siehe am Beginn des Artikels). Auch in Deutschland standen die News vor dem Aus und wurden nur durch ein Schlupfloch gerettet, das es mit dem neuen Gesetz aber nicht mehr geben soll. Die Folge war, dass sich erst einmal nichts geändert hat, die News aber stark kastriert wurden. Noch ist zwar nichts entschieden, aber ich befürchte, dass wir uns tatsächlich bald von Google News verabschieden müssen. Und das, obwohl die EU selbst das Leistungsschutzrecht als kontraproduktiv bezeichne hat – und genau das dürfte eintreten.

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