3 Monate Android Pie: 0 Prozent Marktanteil, kein Treble-Wunder in Sicht & so sieht es bei uns im Blog aus

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Zum Start in das Wochenende hatte Google neue Zahlen zur aktuellen Android-Verteilung veröffentlicht – und sie lassen sich nur als ein einziges Desaster beschreiben. Auch nach fast drei Monaten kommt das aktuelle Betriebssystem Android Pie nicht einmal auf 0,1 Prozent Anteil – und lässt damit alle großen Google-Versprechen platzen wie eine Seifenblase. Außerdem schauen wir auf die Verteilung der Android-Versionen unserer Leser.


Die Fragmentierung ist seit Jahren das größte Problem von Android, aber dennoch veröffentlicht Google mindestens einmal pro Monat aktuelle Zahlen zur Verteilung der einzelnen Versionen auf dem großen Android-Markt. Man kann nicht unbedingt sagen, dass diese Zahlen in der Vergangenheit Begeisterungsstürme mit Freudentränen ausgelöst haben, aber so enttäuschend wie zum jetzigen Zeitpunkt waren sie wohl noch nie. Und sie zeigen auf, dass Googles Bemühungen komplett ins Leere laufen.

Android Verteilung Oktober 2018

Auf obiger Grafik und nebenstehender Tabelle ist das ganze Android-Elend zu sehen: Es gibt aktuelle sechs (!) Android-Versionen mit einem Anteil von mehr als drei Prozent am Gesamtmarkt. Wie jeder weiß, bringt Google in jedem Jahr eine neue Version auf den Markt – und die aktuelle ist noch gar nicht in der Statistik enthalten. Es sind also drei Prozent aller Android-Nutzer mit einem sieben Jahre alten Betriebssystem unterwegs, das nun schon sechs Nachfolger hat. Und bei einer Nutzerbasis von über 2 Milliarden aktiven Geräten sind das unzählige Millionen Geräte. Wie Android damals (und für Millionen Nutzer noch heute) aussieht, seht ihr hier.

Dass Android Pie nach gut drei Monaten noch immer nicht einmal auf 0,1 Prozent aller Geräte zu finden ist, rückt dabei fast schon in den Hintergrund. Es zeigt aber, dass das Problem im Kern noch immer nicht gelöst ist und Google wohl irgendwann die Farbtöne zur Abtrennung in dem Diagramm ausgehen werden. Im Vergleich mit den Zahlen aus dem Vormonat ist zu sehen, dass der Anteil von Android Nougat noch immer stärker wächst – ein mittlerweile zwei Jahre altes Betriebssystem. Auch das verdeutlicht, dass sich bei Android grundlegend nichts verändert hat.

Natürlich hat Google keine Kontrolle darüber und trägt direkt keine Schuld an diesem Fragmentierungs-Wahnsinn, doch indirekt ist das Unternehmen der Hauptschuldige. Denn auch nach vielen Jahren der Fragmentierung ist es noch immer nicht gelungen, ein wirksames Mittel dagegen zu finden.



Googles Entwickler waren unendlich stolz auf das Project Treble, das laut den Entwicklern die größte Mammut-Aufgabe seit dem Beginn von Android gewesen ist. Damit soll es für die Smartphone-Hersteller leichter sein, Updates umzusetzen und diese schneller auszuliefern. Überprüfen ließ sich der Erfolg erst durch die folgen Version Android Pie – und auf diesem Prüfstand zeigt sich, dass es nicht funktioniert.

Die Smartphone-Hersteller können vielleicht schneller aktualisieren, aber sie wollen es nicht. Sie bedanken sich möglicherweise bei Google dafür, dass sie nun weniger Ressourcen und Geld in die Updates stecken müssen, nutzen den Vorteil aber nicht für die Geschwindigkeit aus. Google hätte den Herstellern klipp und klar vorschreiben müssen, dass alle neu gekauften Smartphones mindestens zwei mal aktualisiert werden müssen – und zwar innerhalb eines Zeitfensters von, sagen wir mal, 3-6 Monaten. Eine ähnliche Vorschrift macht man aktuell mit den Sicherheitsupdates, zu denen die Hersteller nun vertraglich gezwungen und mit scharfen Sanktionen bedroht werden.

Die Situation in den vergangenen Jahren
Schon in den Jahren zuvor dauerte es einige Monate, bis die neueste Version erstmals in den Statistiken auftauchte – wobei lediglich Marshmallow positiv herausgehoben werden konnte. Doch wer nun dachte, dass dieses Vierteljahr Wartezeit der Vergangenheit angehörte, wurde enttäuscht.

  • Android Lollipop (Release November 2014)
    Erstmals in der Statistik: Februar 2015
  • Android Marshmallow (Release Oktober 2015)
    Erstmals in der Statistik: November 2015
  • Android Nougat (Release August 2016)
    Erstmals in der Statistik: November 2016
  • Android Oreo (Release August 2017)
    Erstmals in der Statistik: Oktober 2017

Es wird also nicht besser, denn selbst Android Oreo – das ja noch die große Updatehürde nehmen musste – war zum jetzigen Zeitpunkt schon in der Statistik. Obwohl in den vergangenen Wochen bereits OnePlus, Nokia und Sony aktualisiert haben, hat das nicht ausgereicht. Aber glücklicherweise steht auch Samsung kurz davor, eine erste Android Pie Beta zu veröffentlichen.

Schlussendlich verbessert Treble auch nur einen kleinen Teil des aufwendigen Android-Prozesses.



Gleichzeitig zeigt diese Statistik auch, dass Googles Pixel-Smartphones – die zuerst auf Android Pie aktualisiert wurden – einen globalen Marktanteil von unter 0,1 Prozent haben. Von einem Flaggschiff-Angriff auf Huawei, Samsung oder Apple ist Google noch Lichtjahre entfernt. Laut Googles eigenen Aussagen hatten vor zwei Wochen 75 Prozent aller Pixel-Nutzer Android Pie installiert.

So sehen die Android-Versionen bei uns im Blog aus
Bei uns im Blog sehen die Zahlen sehr viel rosiger aus, was aufgrund der Zielgruppe aber wohl kaum jemanden überraschen dürfte.

  • Android 9.0 Pie: 14,6 Prozent
  • Android 8.x Oreo 57,1 Prozent
  • Android 7.x Nougat 14,5 Prozent
  • Android 6.x Marshmallow 7,9 Prozent

Es bleibt zu hoffen, dass Google die Situation irgendwann in den Griff bekommt. Aber das wird vermutlich nicht mehr mit Android, sondern mit einem Nachfolge-System passieren.

Siehe auch
» Von Cupcake bis Android Pie: Das sind (laut Google) die wichtigsten Meilensteine aus 10 Jahren Android
» Android-Verteilung im Oktober 2018: Armutszeugnis – Android Pie unter 0,1 Prozent & alte Systeme legen zu
» Android wird totgeschwiegen: Der Markenname ‚Android‘ könnte schon sehr bald verschwinden
» O-uweia: Zum Release von Android Pie warten noch über 85 Prozent aller Nutzer auf das Oreo-Update


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comment 5 Kommentare zum Thema "3 Monate Android Pie: 0 Prozent Marktanteil, kein Treble-Wunder in Sicht & so sieht es bei uns im Blog aus"

  • Also ich bin auf Android Pieunterweg.
    Und das mit einem Mi a1 und der Pixel Rom.

    Ich kann deshalb Apple gut verstehen die ihre Kunden zu ihren Glück zwingen und deshalb auch immer das neuste nutzen (was nicht immer das Beste ist)

    Zu schade nur dass es eigenständig Entwickler eher hinbekommen das neuste OS auf anderen Geräten lauffähig zu bekommen und große Firmen erstmal ein Jahr brauchen bis der erste build erscheint.
    Da wär ich für eine offizielle Beta um den Kunden etwas schmackhaft zu machen.

  • Das ist schon ein wenig einseitig von Google die Schuld pauschal bei den Herstellern zu suchen. Seitens Google schiebt man zwar viel an, aber sehr inkonsequent und viel zu schwammig formuliert. Google könnte das Problem auf einen Schlag lösen, in dem man Android einfach wie Chrome OS aufstellt, und so die Updates zentral kontrolliert. Klar ist dann natürlich aber auch, das Android nicht mehr quelloffen sein kann.

    Das mit den Sicherheitsupdates ist derselbe Blödsinn! Gilt nur für Smartphones und Tablets die nach dem 31.1.2018 auf den Markt kamen und öfter als 100.000 mal aktiviert wurden. Damit ist klar, das ein Großteil der vorhandenen Geräte schon mal gar nicht dafür in Frage kommt. Halbherziges Flickwerk, mehr nicht!

  • Ich sehe genau einen Weg, wie die Misere beendet werden kann. Google muss die Verantwortlichkeit für die Distribution des Betriebssystems komplett selbst übernehmen und die Hersteller zu Hardware-Lieferanten degradieren, so wie Microsoft es bei Windows Phone gehandhabt hat bzw. so wie es bei ChromeOS gehandhabt wird. Das wäre noch ein Schritt weiter als im derzeitigen Android One-Programm – denn wie wir sehen schaffen es die Hersteller nicht mal hier, Upgrades gleichzeitig mit dem Pixel auszuliefern.

    * Google Play-Lizenzen gibt es nur noch in Verbindung mit dem Standard-System-Image von Google.
    * Updates und Upgrades werden von Google über den gleichen Mechanismus wie für die Pixel-Smartphones verteilt
    * gerätespezifische Anpassungen (z.B. Kameratreiber, meinetwegen auch Kamera-Apps) werden von den Herstellern bei Google eingereicht und dort integriert.

    Wir wissen alle, dass o.g. Szenario für Android unrealistisch ist. Das Ganze wäre nur in Verbindung mit einem kompletten Plattform-Relaunch zu machen, der dann vielleicht auch nicht mehr Android heißen würde.

  • @Markus: unsere Kommentare gehen ja in eine ähnliche Richtung. Allerdings sehe ich nicht, warum das Betriebssystem nicht mehr quelloffen sein sollte. Die Basis von Chrome OS, Chromium OS, wird ja auch quelloffen entwickelt. Einige Teile dessen, was Chrome OS ausmacht, sind allerdings nicht quelloffen. Mit den Play Services und den wichtigsten Google-Apps wie Maps, Gmail usw. ist es aber unter Android doch nicht anders. Alles, was Google den Herstellern aktuell schon vorschreiben kann, basiert auf dem Lizenzvertrag für die Play Services und die proprietären Google Apps, ohne die, zumindest im Westen, kein Hersteller auskommt. Dass es anders geht zeigt Xiaomi auf dem chinesischen Markt, wo man ein vollständig von Google unabhängiges App-Ökosystem geschaffen hat.

  • @Jan: Genau so ist es, und einen anderen Weg gibt es nicht. Bezüglich Quelloffenheit -bin ich vielleicht etwas über das Ziel hinausgeschossen- gebe ich dir recht, man könnte wie bei Chrome OS auch nur einzelne (wichtige) Teile nicht quelloffen gestalten, wäre auch ein Weg. Aber das müsste man bei Google auch wirklich wollen was aber offensichtlich nicht der Fall ist, denn sonst würde Google nicht seit Jahren so halbgare Lösungen präsentieren. Das nährt einfach den Verdacht, das die Empörung über die Android Fragmentierung seitens Google nur vorgespielt ist um die Nutzer zu beruhigen.
    Google selbst ist ein großer Konzern für den eine Umsetzung angesichts des Know-How´s problemlos möglich wäre.

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