Fitbit-Übernahme: Milliarden ausgegeben und (teilweise) versenkt – Googles große Hardware-Übernahmen

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Vor einigen Tagen hat Google die Übernahme von Fitbit bekannt gegeben und wird für das Unternehmen nicht weniger als 2,1 Milliarden Dollar auf den Tisch legen. Die Reaktionen auf die Übernahme fielen recht unterschiedlich aus, grundsätzlich scheint aber kein Beobachter ein wirkliches Problem damit zu haben – das war bei Google nicht immer der Fall. Gerade mit den großen Übernahmen im Hardware-Bereich hatte man in der Vergangenheit nicht immer ein glückliches Händchen.


Google hat im Laufe der über 22-jährigen Firmengeschichte schon sehr viele Unternehmen übernommen und das eine oder andere Mal bildeten diese Übernahmen den Grundstein für später sehr erfolgreiche Produkte. So kamen etwa die Grundsteine für Google Maps, die Videoplattform YouTube und auch das Betriebssystem Android durch Übernahmen in das Unternehmen – wobei heute natürlich nicht mehr gesagt werden kann, ob sie auch ohne Google nachhaltig erfolgreich gewesen wären. Andere interessante Übernahmen sind hingegen kurz vor dem Abschluss geplatzt.

fitbit

Man kennt das: Google, Facebook, Amazon oder Microsoft verkünden den Kauf eines Unternehmens und schon wenige Minuten später verkünden zahlreiche Nutzer, dass sie die Plattformen verlassen und Produkte verbrennen werden (überspitzt gesagt). In den allermeisten Fällen ist das nicht einmal ein Sturm im Wasserglas und absolut nicht relevant, trägt aber nicht unbedingt zum Vertrauen der Nutzer bei. Bei Google hat sich das in den letzten Jahren spürbar geändert.

Nach der Verkündung der Übernahme von Fitbit gab es kaum negative Stimmen, sondern eher begeisterte Rückmeldungen darüber, dass es mit dem Wearable-Markt außerhalb von Apples goldenem Käfig nun endlich vorangehen wird. Die größte Kritik gab es eigentlich am Kaufpreis, der vielen Beobachtern etwas überzogen vorkam. Das kann gut möglich sein, liegt aber – wie wir im Nachhinein erfahren haben – auch daran, dass Facebook Fitbit kaufen wollte und Google den Rivalen unbedingt ausstechen wollte.

Die Fitbit-Übernahme kann damit zumindest im ersten Schritt als Erfolg gewertet werden, aber jetzt muss Google natürlich auch liefern und die nachvollziehbar gesteigerten Erwartungen der Nutzer auch erfüllen. Es dürfte in keiner Verbindung stehen, aber die Vorstellung der Xiaomi Mi Watch trägt ebenfalls dazu bei, das Android-Lager im Wearables-Markt zu befeuern.



Motorola

Google erste große Übernahme im Hardware-Bereich war zugleich wohl einer der größten finanziellen Flops des Unternehmens. Die Übernahme von Motorola für 12,1 Milliarden Dollar (!) kam nicht aus heiterem Himmel, aber dennoch sehr überraschend. Eigentlich wusste damals wie heute niemand so genau, was Google eigentlich mit dem Smartphone-Hersteller vor hat. Google hatte die Nexus-Smartphones und alle andern großen Hersteller sahen Googles großen Einstieg in den Smartphone-Markt aufgrund der damals schon sehr hohen Android-Dominanz sehr kritisch – verständlich.

Bis auf den Firmenname „Motorola by Google“ haben beide Unternehmen niemals zusammengepasst und schon nach einem Jahr war die Rede davon, dass zwischen den beiden Unternehmen, die eigentlich ein starkes Team bilden sollten, eine regelrechte Eiszeit herrscht. Gut möglich, dass Google schon damals das Pixel-Konzept in der Schublade hatte und dieses mit Motorola auf Schiene bringen wollte – es hat aber nicht funktioniert.

Nicht einmal zwei Jahre später hat Google das Unternehmen an Lenovo verkauft – für nur noch knapp drei Milliarden Dollar. Zwar hat Google zuvor schon einige Teile von Motorola versilbert und alle relevanten Patente behalten (um die es damals wohl hauptsächlich ging), aber dennoch steht unter dem Strich ein dickes Minus.

Nest

Anfang 2014 hat Google Nest für 3,2 Milliarden Dollar übernommen und wollte damit groß in den Smart Home-Markt einsteigen. Allerdings hatte das Unternehmen damals gerade zwei Produkte im Angebot, den Rauchmelder und das Thermostat und sah schon wenig später einer ungewissen Zukunft entgegen. Die Belegschaft rebellierte und Google-Gründer Larry Page drohte sogar mit der Schließung des Unternehmens, wenn nicht endlich erfolgreiche Produkte auf den Markt kommen. Tatsächlich kam bei Nest lange nichts. Die Überwachungskamera, die heute sehr populär sind, wurden von Dropcam zugekauft.

Heute ist Nest eine etablierte Marke im Smart Home und Google hat gerade erst die eigene Smart Home-Linie auf Nest umgestellt und Nest Mini sowie Nest Wifi vorgestellt. Das alles hätte Google aber mit Sicherheit auch alleine geschafft und rückblickend muss man sich fragen, wofür Google eigentlich 3 Milliarden Dollar ausgegeben hat. Auch wenn es heute erfolgreich ist, lässt sich die Übernahme eher als Flop einordnen.



HTC

Anfang 2018 hat Google die Übernahme von HTC abgeschlossen und das Team des Smartphone-Herstellers für 1,1 Milliarden Dollar vollständig in den eigenen Hardware-Bereich verfrachtet. Allerdings hat Google nicht das gesamte Unternehmen HTC übernommen, sondern nur alle Abteilungen, Mitarbeiter, Technologien und Werte die zuvor schon bei der Produktion der Pixel-Smartphones zum Einsatz gekommen sind. Man kann also sagen, dass sich Google praktisch die Pixel-Abteilung von HTC gesichert hat.

Die Hintergründe sind zwar nicht bekannt, aber die Übernahme wurde damals offenbar aus der Not heraus geboren. HTC strauchelte heftig, und tut das bis heute, und brauchte dringend frisches Geld. Einen solchen Partner, der jeden Moment in die Pleite schlittern könnte, konnte Google natürlich nicht gebrauchen und hat somit sowohl HTC als auch die eigenen Pixel-Smartphones gerettet. Ob das zuvor schon geplant war, denn immerhin versprach sich Googles Hardware-Chef davon viele Innovationen und neue Technologien, lässt sich heute schwer sagen.

Die ersten Smartphones, die von der Planung bis zur Produktion vom „neuen HTC“ unter Googles Leitung produziert wurden, sind nun die Pixel 4-Smartphones und zumindest in puncto Innovation haben sie nicht enttäuscht. Welchen Anteil das HTC-Team daran hat, immerhin sind die neuen Technologien bei Google entstanden, lässt sich nicht sagen. Dennoch eine Übernahme, die von allen Seiten als Erfolg gewertet werden kann.

Siehe auch
» Mobility & Transport: Die Google-Mutter Alphabet kann in allen wichtigen Branchen eine große Rolle spielen

Wear OS & Fitbit: Google gibt nach vielen Rückschlägen mit Wearables endlich wieder Gas – jetzt aber wirklich!


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comment 1 Kommentare zum Thema "Fitbit-Übernahme: Milliarden ausgegeben und (teilweise) versenkt – Googles große Hardware-Übernahmen"

  • „zumindest in puncto Innovation haben sie nicht enttäuscht“
    HTC? Smartphones mit zu kleinem Akku und nervigem rückseitigem Fingerscanner gibt es doch als Referenzdesign von etlichen Chinaklitschen. Nur noch mein Logo drauf, fertig.

    Finde ich süß, wie ihr die Fails von Google schönredet.
    Fitbit tut mir jetzt schon leid, und vor allem meine Versa 2. Nach dem miesen Fitbit-Support jetzt grottenschlechten Pseudosupport durch Google? Was für ein Fortschritt. Ok, Facebook wäre da wirklich das ultimative Übel geworden, da hätte ich meine Uhr gleich entsorgt..

    Für mich sieht die Aufkauferei eher nach Steuersparmodell aus, mit Schwerpunkt auf Patentübernahmen und „könnte der Konkurrenz Vorteile wegnehmen“. Oder?

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