Apple drosselt ältere iPhones: Sammelklagen eingereicht; Einzelkläger fordert 999 Milliarden Dollar

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Kurz vor Weihnachten hat Apple den eigenen Nutzern ein Geschenk der ganz besonderen Art gemacht – und das auch noch in Apple-typischer Art. Apple hat zugegeben, dass alte iPhones absichtlich gedrosselt werden, und hat dafür einen nachvollziehbaren aber nicht erfreulichen Grund genannt. Wegen dieser Drosselung drohen dem Unternehmen nun mehrere Einzel- und auch Sammelklagen in den USA, die nun ebenfalls wieder kuriose Blüten treiben. Ein Kläger fordert ganze 999 Milliarden Dollar.


So wie jede andere elektronische Bauteil oder Gerät, haben auch Smartphone-Akkus nur eine begrenzte Lebenszeit und liefern im Laufe der Jahre immer wenige Leistung. Apple möchte dies den eigenen Kunden aber nicht zumuten, und hat dafür eine recht merkwürdige Möglichkeit gefunden: Statt zuzugeben dass auch die iPhone-Akkus irgendwann abbauen, werden die iPhones einfach gedrosselt und so Energie eingespart. Spekuliert wurde darüber schon seit längerer Zeit, aber seit einigen Tagen ist es Gewissheit.

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Apple rühmt sich damit, dass ein Großteil der iPhones innerhalb weniger Wochen auf dem neuesten Betriebssystem läuft und die Updates sehr zeitnah ausgerollt werden. Doch die Freude auf ein Update dürfte den Nutzern nun genommen worden sein – denn diese bringen nicht nur neue Features mit sich. Smartphones mit einem durchschnittlichen Alter von mehr als zwei Jahren gehören zu diesem Programm und werden merklich verlangsamt. Dadurch soll Energie eingespart werden und der Akku des Smartphones genau so lang halten wie bei einem Neugerät.

Hinter vorgehaltener Hand wird vermutet, dass Apple die Geräte auch aus dem Grund verlangsamt, dass sich die Nutzer für ein neues iPhone interessieren und das vermeintlich bessere Gerät dann auch gleich kaufen. So kann man natürlich auch Smartphones verkaufen und den Kunden das Gefühl geben, dass die Geräte immer schneller werden.

Apple hat das ganze mit folgendem Statement hochoffiziell bestätigt:

Our goal is to deliver the best experience for customers, which includes overall performance and prolonging the life of their devices. Lithium-ion batteries become less capable of supplying peak current demands when in cold conditions, have a low battery charge or as they age over time, which can result in the device unexpectedly shutting down to protect its electronic components.
 
Last year we released a feature for iPhone 6, iPhone 6s and iPhone SE to smooth out the instantaneous peaks only when needed to prevent the device from unexpectedly shutting down during these conditions. We’ve now extended that feature to iPhone 7 with iOS 11.2, and plan to add support for other products in the future.



Aufgrund dieses Sachverhalts tun sich in den USA nun Kläger zusammen, die das Unternehmen vor Gericht ziehen wollen. Dabei geht es aber nicht nur um Kleckersummen, denn tatsächlich soll es zu Sammelklagen kommen, mit denen alle Besitzer eines älteren iPhones entschädigt werden sollen – und dann kann es für Apple richtig teuer werden. Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass diese Fälle für Apple noch ein langes juristisches Nachspiel haben dürften.

Ein Kläger fordert sogar die absurde Summe von 999 Milliarden Dollar, und begründet diese Forderung damit, dass sich nun alle iPhone-Besitzer ein neues Gerät kaufen müssten. Selbst bei einem Gerätepreis von 1000 Dollar könnte man damit zwar noch immer 1 Milliarde Menschen beglücken, aber man kann es ja mal versuchen. Immerhin wird dadurch das Ziel erreicht, diese Drosselung noch stärker in die Medien zu bringen und so mehr Druck auf Apple aufzubauen.

In anderen Sammelklagen werden „nur“ 100 Millionen Dollar gefordert, die das Bankkonto des Unternehmens nicht ganz so sehr belasten. Als deutscher Nutzer hat man von einer US-Sammelklage zwar nicht ganz so viel, aber bei Erfolg haben es anschließend auch europäische Nutzer leichter, gegen Apple zu bestehen. Ob das ganze nun wirklich diesen Aufschrei wert ist oder nicht muss jeder selbst entscheiden, aber einen kleinen Denkzettel könnte das Unternehmen vielleicht einmal gebrauchen – genau so wie ein Warnschuss für andere Unternehmen mit ähnlichen Bevormundungen.

Möglicherweise könnte man auch einfach die Drosselung zurücknehmen und die Geräte somit wieder auf die alte Geschwindigkeit bringen – was aber wohl an den Klagen auf Grundlage der Taten in der Vergangenheit wohl nicht mehr viel ändert. Interessant ist es auch, ob vielleicht auch Hersteller von Android-Smartphones auf ähnliche Methoden setzen – bisher ist in die Richtung aber nichts bekannt.

UPDATE
» Apples iPhone-Drosselung: Jetzt äußern sich die großen Hersteller der Android-Smartphones

Siehe auch
» Milliardenklage: Sammelklage gegen Googles Cookie-Umgehung aus dem Jahr 2012 eingereicht (Video)
» Wegen Googles Pixel 2-Problemen? Apple informiert über die Schwächen des OLED-Displays im iPhone X

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comment 4 Kommentare zum Thema "Apple drosselt ältere iPhones: Sammelklagen eingereicht; Einzelkläger fordert 999 Milliarden Dollar"

  • Also meine bisherigen Android-Smartphones sind mit den Jahren auch immer langsamer geworden – selbst nach komplettem Zurücksetzen. Ich würde wetten, dass nicht nur Apple diese Praktik anwendet.

  • „So wie jede andere elektronische Bauteil oder Gerät, haben auch Smartphone-Akkus nur eine begrenzte Lebenszeit und liefern im Laufe der Jahre immer wenige Leistung.“

    Das ist (außer bei Akkus) nicht logisch! Grade elektronische Bauteile arbeiten normalerweise völlig verschleißfrei, was geringere Leistung ausschließt. Einige Teile können durch zu hohe Hitze verschleißen, andere durch mechanische Kräfte. Dann wäre da noch der gewollte künstliche Verschleiß, der oft nur virtuell ist, also nicht real.
    Aber ansonsten ist Elektronik absolut verschleißfrei. Man könnte noch Materialien anführen, welche einen Verschleiß herbei führen, das kann aber im Elektronik-Bereich völlig verhindert werden, mit der richtigen Material-Auswahl.
    Anderslautende Behauptungen dienen Interessen und verschleiern die Wahrheit.

  • Ganz ehrlich? Lächerlicher Aufschrei. Ich finde es gut, dass es diese Option gibt. Wer hat nicht schon gerne so lange wie möglich Akku?

    Was vielleicht aber angebrachter wäre ist, den Nutzern selbst zu überlassen, ob sowas angewendet wird oder nicht.

  • Wäre Apple ein dt. Unternehmen würde sich die Kanzlerin sicherlich dafür stark machen, dass Apple eine Anzeige einbaut, die die volle Leistung mit 100% angibt. Für immer!

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