Google Fotos: Automatisches Backup kann auch GMail verstopfen – achtet auf euren verfügbaren Speicherplatz

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Anfang Juni war es soweit: Der kostenlose unbegrenzte Speicherplatz bei Google Fotos und Google Drive wurde eingestellt. Bei den allermeisten Nutzern dürfte das nicht für Probleme gesorgt haben, sodass die ganze Aufregung gefühlt umsonst war – aber das ist trügerisch. Tatsächlich beginnt nämlich der Speicher-Countdown zu ticken, denn wer nicht reagiert läuft Gefahr, einige Google-Produkte wie GMail plötzlich temporär nicht mehr nutzen zu können. Das dürfte vielen gar nicht bewusst sein.


google fotos logo

Am 1. Juni wurden große Änderungen beim kostenlosen Google-Speicherplatz vorgenommen, die in erster Linie die beiden Produkte Google Fotos und Google Drive betrafen. Doch es gehört noch ein drittes Produkt zu diesem Bundle, bei dem es zwar keine Änderungen gegeben hat, das aber dennoch von den neuen Regeln betroffen ist. Wir haben euch rund um den Termin der Umstellung alle wichtigen Informationen zusammengetragen, die ihr bei Bedarf noch einmal nachlesen könnt:

Nun seid ihr ins Boot geholt wisst, wovon in diesem Artikel die Rede ist. Google hat die Speicherplatz-Änderungen mit großem Vorlauf bereits Ende 2020 angekündigt und allen Nutzern genügend Zeit gegeben, sich darauf einzustellen – in welcher Form auch immer. Die große Frage ist aber, ob das tatsächlich alle Nutzer mitbekommen haben und ob sie sich der Auswirkungen bewusst sind. Meiner Ansicht nach ist das nicht der Fall.




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Google hat keinen guten Job darin gemacht, die Nutzer über die Änderungen zu informieren. Das Ganze ist bereits seit 1. Juni vollzogen, doch alle Menschen außerhalb der Tech-Blase, die ich gefragt hatte, haben davon nichts mitbekommen. Vom Marketing verfasste Infomails über Google One sind nicht ausreichend und echte Informationen oder sichtbare Hinweise innerhalb der App sind nicht ausreichend. Bei vielen anderen Dingen ist Google auch so gut darin, die Menschen zu erreichen oder über Neuigkeiten mit einer Popup-Meldung beim Start zu informieren – warum nicht in diesem Fall?

Allerdings sprechen wir hier nicht von irgendeinem Google-Produkt, sondern von einem auf jeden zertifizierten Android-Smartphone vorinstallieren Produkt, bei dem das automatische Backup wohl in weit über 90 Prozent der Fälle aktiviert sein dürfte. Potenziell sind also weit mehr als zwei Milliarden Nutzer von der Änderung betroffen (Google Fotos hat laut Play Store über fünf Milliarden aktive Installationen). Ähnliches gilt für Google Drive und das im Bundle befindliche GMail.

Warum ist das so wichtig?
Also gut, Google Fotos bietet nun keinen kostenlosen unbegrenzten Speicherplatz mehr, sondern knabbert jedes einzelne Byte vom verfügbaren Kontingent ab. Ärgerlich, aber nicht problematisch. Auf den ersten Blick hat das nur die Auswirkung, dass nach Volllaufen des Speichers keine weiteren Bilder mehr gesichert werden können. Das ist korrekt und könnte mittelfristig für viele Nutzer zu einer bösen Überraschung werden, die sich auf das vermeintlich sichere Backup verlassen. Weil Backups auch heute noch bei vielen Menschen keine große Rolle spielen und man sich einfach auf den Komfort der letzten Jahre verlässt, könnte das bei nicht wenigen Nutzern im Laufe der Zeit zu Datenverlust führen.

Google Fotos wird die Nutzer informieren, wenn das Backup keinen freien Speicherplatz mehr findet, aber ab diesem Punkt ist es dann auch schon zu spät und erfordert eine schnelle Reaktion. Entweder bereits gesicherte Bilder löschen und das Backup deaktivieren oder zusätzlichen Speicherplatz bei Google One kaufen und das Problem erst einmal weit von sich schieben. Letztes ist natürlich die von Google favorisierte Patentlösung und kann je nach Nutzung und Größe des abonnierten Pakets eine jahrelange oder vielleicht auch ewige Lösung sein.

GMail ist der Knackpunkt
Viel problematischer ist aus meiner Sicht aber die nicht gut kommunizierte Verknüpfung zwischen Google Fotos, Google Drive und GMail: Alle drei Produkte teilen sich ein gemeinsames Kontingent, das standardmäßig bei 15 Gigabyte liegt. Sind diese 15 Gigabyte belegt, können keine neuen Daten mehr gespeichert werden. Das gilt natürlich auch für E-Mails. Hat man also das letzte Byte mit dem jüngsten Schnappschuss herausgequetscht, macht GMail die Schotten dicht und wird weder neue E-Mails empfangen noch versenden können.




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Das bedeutet, dass die Nutzer unter Umständen keine E-Mails mehr empfangen können. Das wird man wohl sehr schnell bemerken, aber wer in der Familie den Administrator spielt der weiß, wie schwer so etwas manchmal zu vermitteln ist. Es müssen plötzlich Fotos oder Dateien gelöscht werden oder zusätzlicher Speicherplatz gekauft werden. Bis dahin ist man faktisch per E-Mail nicht erreichbar. Das Gleiche gilt auch für Google Drive, das gerade erst die praktische Filestream-Einbindung erhalten hat und dann keine Dateien mehr synchronisieren (= sichern) kann. Durch den Speicherkauf lässt sich das innerhalb von Minuten lösen, das ist mir bewusst, aber vielleicht möchten manche Nutzer das nicht und sollte daher schon vorher aktiv werden.

Problematisch ist also die Verknüpfung, mit der man sich drei Produkte gleichzeitig lahmlegen kann. Auch die Einstellungen des Auto Backups sind vielen Nutzern gar nicht bewusst. Wer also aus der Not heraus Bilder, Dateien und E-Mails löscht, könnte sehr schnell vom Smartphone ein Strich durch die Rechnung erhalten, das fleißig neue Bilder per Auto Backup hochlädt. Ich kann mir schon richtig gut vorstellen, wie solche Szenarien in den nächsten Monaten ablaufen werden. Ich gehe nicht davon aus, dass Google für diese Fälle einen ordentlichen Assistenten bietet, der die Probleme ohne einen Speicher-Kauf lösen und auf die wichtigsten Dinge hinweisen kann.

Natürlich bedeuten solche Änderungen auch immer Einschränkungen und Google hat das Ganze weit im Voraus angekündigt. Das ist absolut in Ordnung und auch Google muss Geld verdienen. Lediglich die Kommunikation ist seit dem Beginn dieser Umstellung sehr unglücklich gelaufen und auch die von mir schon häufiger angeprangerte Speicherplatz-Verbindung zwischen Fotos, Drive und GMail wird nun problematisch. Gut möglich, dass man da eine Lösung finden wird – aber noch ist es nicht soweit.


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