Stadia: Jetzt wird es ernst – Google darf den Start der Spieleplattform nicht vermasseln; Chancen stehen gut

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Wenn es einen digitalen Markt gibt, in dem niemand einen Einstieg von Google erwartet hätte, dann ist es die Spielebranche – doch das gilt in wenigen Tagen nicht mehr. Am Dienstag wird Google die neue Spieleplattform Stadia öffnen und damit vielleicht einen sehr viel größeren Schritt machen, als es derzeit absehbar ist. Google hat sehr große Pläne und sich selbst gigantische Ziele gesetzt – jetzt muss das nur noch erfolgreich umgesetzt werden.


Google ist in sehr vielen unterschiedlichen Branchen aktiv und hat, mal abseits vom Web, gerade erst die Medizin und Gesundheit für sich entdeckt, aber auch auf einem anderen Markt steht der große Einstieg unmittelbar bevor. Bisher hat sich Google aus der Spielebranche soweit wie möglich zurückgehalten, auch wenn es vor allem durch Android und den Play Store immer wieder erste Berührungspunkte gegeben hat. Und nun soll es der ganz große Einstieg werden.

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Google meint es mit Stadia sehr ernst und hat von Beginn an ganz klare Signale gesendet, dass es sich nicht nur um irgendein neues Produkt handelt, sondern um einen echten Schwerpunkt, in den das Unternehmen sehr viele Ressourcen gesteckt hat. Kein anderes Mainstream-Produkt wurde so weit im voraus angekündigt und mit gleich vier Events bedacht, bevor es überhaupt gestartet ist. Nach eigenen Angaben arbeitet Google bereits seit sechs Jahren an Stadia und hat Pläne für mindestens die nächsten 10 Jahre in der Schublade.

Auch wenn es zum Start einige Probleme gibt, hat Google doch bis heute sehr vieles richtig gemacht und dürfte die Plattform am Dienstag erfolgreich starten – ob nun mit 1.000 oder 100.000 Spielern spielt dann gar keine große Rolle mehr. Wichtig ist, dass Stadia mittelfristig und vor allem langfristig erfolgreich ist – niemand erwartet, dass die Plattform direkt an der Xbox und Playstation vorbeischießt.

Viele Spieler der anderen Plattformen sind skeptisch, ob Google die großen Versprechungen einhalten und tatsächlich einen hochqualitativen Stream ohne spürbare Lags auf die Beine stellen kan, der mit den etablierten Konsolen und Gaming-PCs mithalten kann. Und darauf wird es sehr stark ankommen. Google muss vom ersten Tag an liefern und darf sich in puncto Qualität, Stabilität und Zuverlässigkeit absolut keinen Patzer erlauben.



Google wird mit Sicherheit einen langen Atem beweisen, um die Spieler der anderen Plattform von Stadia zu überzeugen und sie vielleicht auch dazu motivieren können, ihre Spielekonsolen in den Keller zu bringen. Das wird nicht leicht, denn auch wenn Microsoft, Sony & Co. es nicht zugeben, haben auch sie die Zeichen der Zeit erkannt und arbeiten an ähnlichen Diensten bzw. haben zum Teil auch schon erste Angebote vorgestellt. Sie werden sehr viel dafür tun, ihre Spieler zu halten – stärken damit aber zugleich das Stadia-Konzept, auf das sie dann ebenfalls setzen werden.

Ob Google den Konsolenmarkt im Alleingang versenken wird bleibt abzuwarten, aber es ist nicht unwahrscheinlich, dass die kommende Konsolen-Generation die letzte sein wird. Das wäre nicht allein Googles Verdienst, denn die Technologie und notwendige Infrastruktur mussten irgendwann in diese Richtung führen, aber der Suchmaschinen-Konzern hat diese Entwicklung weiter angeschoben und tritt nun ordentlich auf das Gaspedal.

Google setzt auf das bewährte Erfolgsrezept
Viele interessierte Spieler haben das Starterpaket vorbestellt, aber dennoch wird Stadia im Allgemeinen eher noch belächelt und von den Ewig-gestrigen als unmöglich eingestuft. Aber genau das dürfte Google die Bestätigung geben, auf dem richtigen Pfad zu sein, den man schon so oft beschritten hat und der zu extrem erfolgreichen Produkten geführt hat. Hier nur eine kurze Liste an Google-Produkten, die zu Beginn nicht ernstgenommen wurden:

  • Android – ein aufwendiges Betriebssystem für Hands? Mit Äpps? Und dann auch noch kostenlos? Braucht niemand.
  • Google Chrome – noch ein Browser? Wir haben doch Firefox? Niemand braucht einen Google-Browser
  • Google Docs – niemand wird Dokumente in das Internet hochladen. Wer soll im Browser Texte schreiben oder Tabellen erstellen wollen?
  • GMail – E-Mails im Browser ohne Desktop-App? 1 Gigabyte Speicher? Das kann nur ein Scherz sein! Das wird nicht funktionieren

Eine solche Liste ließe sich auch mit anderen Unternehmen fortsetzen, von Netflix über Amazon bis Twitter. Blicken wir mal in zwei bis drei Jahren zurück, dann sieht die ganze Sache vielleicht schon wieder anders aus.

Google hat alle Karten in der Hand
Aktuell sieht es für Google sehr gut aus, denn auch wenn man bisher nie ernsthaft mit Spielen zu tun hatte, ist das schmückende und notwendige Beiwerk vorhanden und ist entsprechend gut auf dem Markt platziert. Android, Android TV, Chrome, Chromecast, YouTube, Google Cloud und auch der Google Assistant können den Unterschied machen. Schlussendlich geht es nur um das Spielen, aber Google wird Mittel und Wege finden, diese Infrastruktur einzusetzen, um der Konkurrenz weit voraus zu sein. Das wurde erst kürzlich verkündet, denn nur mit Stadia-nativen Spielen kann man gegen die Konkurrenz bestehen – das ist auch Google bewusst.



Und jetzt muss Google nur noch liefern und die Spieleplattform vernünftig zum Laufen bringen, darf sich keine großen Fehler erlauben und die Spieler regelmäßigen mit frischem Content versorgen. Weil es sich bei Stadia um ein zukünftig sehr zentrales Produkt handelt, darf man davon ausgehen, dass sich im Unternehmen mehr als nur ein Stratege darüber Gedanken gemacht wird, wie Stadia auf Schiene gebracht werden soll – anders als beim Hundertsten Messenger oder Social Network, die eben einfach durchgewunken und direkt auf das Abstellgleis manövriert werden.

Wenn es Google gelingt, Stadia zu etablieren, wird aus Stadia nicht nur rein finanziell ein großer Erfolg, sondern es hat auch die Kraft, andere Produkt anzuschieben. YouTube hat seit Beginn an Probleme beim Games-Streaming und muss sich Amazons Twitch um Längen geschlagen geben. Mit einem erfolgreichen Stadia könnte sich das ändern. Der Google Assistant würde sich auf die große Gamer-Szene ausweiten und auch Chrome OS kann ein starkes Cloud Gaming sicher nicht schaden. Aber auch Google Cloud, das hinter Amazon und Microsoft und einigen anderen Anbietern feststeckt, kann zeigen, was es kann.

Ich bin wirklich sehr gespannt, was Google aus Stadia machen wird, denn eines ist sicher: So schnell wird man die Plattform nicht aufgeben, selbst wenn es zu Beginn ein steiniger Weg wird. Auch Android und Chrome haben ihre Anlaufzeit gebraucht und sind heute nicht mehr wegzudenken. Wir sprechen uns dann in drei Jahren wieder 🙂

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