Google Glass, Pixel Watch & Jacquard: Google kommt auf dem Markt der Wearables einfach nicht voran

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Der kometenhafte Erfolg der Smartphones hat die Technologie-Welt vor einigen Jahren schlagartig verändert, denn plötzlich musste und sollte alles mobil sein und überall zur Verfügung stehen. Kein Wunder, dass als nächstes großes Ding sehr schnell die Wearables ausgemacht worden sind – doch bis heute ist davon nicht viel übrig geblieben. Auch Google scheint eher planlos zu sein und auf einen Glückstreffer zu hoffen, der aber mit nur sehr wenigen Schüssen erzielt werden müsste.


Beginnen wir den Artikel mal direkt mit einem Zitat aus Wikipedia, was ein Wearable überhaupt ist: Wearable Computing ist das Forschungsgebiet, das sich mit der Entwicklung von tragbaren Computersystemen beschäftigt. Ein Wearable wird während der Anwendung am Körper des Benutzers getragen (z. B. Smartwatch, Datenbrille) oder ist in die Kleidung integriert. Streng genommen lässt sich also auch ein Smartphone als Wearable beschreiben, denn dank Google Assistant und Kopfhörern lässt sich vieles auch aus der Hosentasche heraus nutzen. Aber natürlich ist es kein Wearable.

project jacquard

Als das iPhone und die Android-Smartphones für immer neue Verkaufsrekorde gesorgt haben, haben die ersten Hersteller direkt nach weiteren Ablegern gesucht und auch Google hat relativ schnell das neue Betriebssystem Android Wear auf den Markt gebracht, das für eine perfekte Smartwatch-Anbindung an das Android-Smartphone sorgen sollte. Eine schlanke Smartwatch war ohne Smartphone-Anbindung kaum denkbar. Das hat sich heute etwas verändert, grundlegend ist eine Smartphone-Anbindung aber noch immer das wichtigste Argument.

Das hat zu Anfang auch sehr gut funktioniert, doch weil sich Google zu sehr auf das Zugpferd verlassen hat und die Hardware-Hersteller gleichzeitig keine weitere Google-Abhängigkeit in einer neuen Produkt-Kategorie wollten, haben sie sehr schnell eigene Betriebssysteme und Plattformen entwickelt und auf ihren Geräten zum Einsatz gebracht. Das hat dazu geführt, dass Wear OS nur geringe Marktanteile hat und der wichtigste Hardware-Partner (Fossil) aus der Uhren- statt aus der Tech-Branche stammt.

Stand Heute steht Google eher vor einem großen Wearable-Scherbenhaufen, den man seit langer Zeit nicht zusammenkehren und wieder reparieren konnte. Obwohl man früh am Markt war, spielt Google keine große Rolle und droht, das auch in Zukunft bei neuen Geräten nicht zu tun.



Googles Wearable-Portfolio

Wear OS ist ein Schatten seiner selbst.
Android Wear wurde Anfang 2018 in Wear OS umbenannt und viele Beobachter hatten darauf gehofft, dass es mit Googles Smartwatch-Betriebssystem nun endlich aufwärts geht. Tatsächlich kamen auch einige kleinere Updates, aber in der Gesamtheit war das mehr als unbefriedigend und Wear OS ist eher ein mühevoll aktualisiertes 2014er-Betriebssystem, als eine moderne Smartwatch-Oberfläche. Vergleicht man das mit den Möglichkeiten und der Oberfläche der Apple Watch, kann man kaum glauben, dass das alles ist, was Googles Ingenieure und Strategen zusammenbringen.

Sollte Apple eines Tages eine Companion-App für die Apple Watch für Android veröffentlichen, würden Wear OS und einige andere wohl endgültig untergehen.

Keine Pixel Watch
Wear OS würde sehr dringend eine Pixel Watch benötigen, die als Flaggschiff für die gesamte Plattform fungiert und mit der Apple Watch in Konkurrenz gehen kann. Von Samsung, Huawei und anderen Hersteller ist das nicht zu erwarten, weil sie zu großen Teilen auf eigene Plattformen setzen. Vom großen Partner Fossil ebenfalls nicht, denn der stellt Uhren her, die auch smart sind, aber hat nicht das entsprechende Know-How oder die Motivation für eine Smartwatch mit Mehrwert. Dass Google auch im vierten Jahr in Folge keine Pixel Watch auf den Markt bringen kann, lässt tief blicken.

Technologie-Übernahmen
Anfang 2019 hat Google Smartwatch-Technologien von Fossil übernommen und aktuell gibt es heiße Gerüchte über eine Übernahme von Fitbit. Beides zeigt allerdings, dass Google offenbar noch immer bei der Entwicklung einer Smartwatch am Anfang steht und sich mit neuen Technologien verstärken will. Dass intern an einer Smartwatch gearbeitet wird, ist seit Jahren bekannt und vermutlich wurde das gesamte Projekt schon mehr als einmal komplett zusammengestrichen und neu gestartet. Das lässt für die Zukunft nichts Gutes hoffen.

‚Wearable‘ ist nicht nur Smartwatch

Sowohl die Kategorie als auch das Betriebssystem tragen „Wear“ und nicht „Watch“ im Namen. Ob Wear OS aber jemals auf einem anderen Gerät als einer Smartwatch verwendet wird, kann man sich zum aktuellen Zeitpunkt kaum vorstellen. Das liegt aber nicht daran, dass es keine anderen Geräteklassen geben würde, sondern einfach daran, dass Google diese viel zu früh aufgegeben oder nicht einmal auf Wear OS gesetzt hat. Dafür gibt es zwei bekannte Beispiele.



jacquard tag

Jacquard
Vor wenigen Tagen hat Google die ersten Jacquard-Produkte in Deutschland auf den Markt gebracht – smarte Kleidung. Was noch vor wenigen Jahren DIE Meldung gewesen wäre, interessierte heute niemanden. Das liegt wohl auch daran, dass man der Technologie die extrem lange Entwicklungszeit von mindestens vier Jahren ansieht. Die paar Touch- und Swipe-Funktionen am Handgelenk ließen sich heute längst anders und optimaler umsetzen. In der Form hat Jacquard wohl keine Zukunft – und hat ohnehin nicht auf Wear OS gesetzt.

Google Glass
Es war DAS große Google-Produkt vor einigen Jahren, war seiner Zeit aber voraus. Doch statt mit neuen Generationen zu reagieren, hat Google den Markt für Privatnutzer sofort komplett aufgegeben und kam erst in diesem Jahr mit einer neuen Business-Version von Glass auf den Markt. Wieder ohne Wear OS, natürlich. Bis Google eines Tages wieder den Markt der Privatnutzer in Angriff nimmt, können sich andere Unternehmen etablieren – wie etwa jüngst auch Amazon mit der Alexa-Brille.


TLDR: Google tritt bei den Wearables seit vielen Jahren auf der Stelle und kommt einfach nicht voran. Bei vielen anderen Herstellern sieht das zwar auch nicht besser aus, aber Google sollte als führendes Unternehmen bei Betriebssystemen, Plattformen, Cloud, Smart Home und Künstlicher Intelligenz und mehr eine federführende Rolle einnehmen.

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