Google Assistant & Android TV zeigen jetzt Werbung: Weitere Produkte könnten (und müssen?) folgen

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Google wird in diesem Jahr 21 Jahre alt und hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine unendlich große Anzahl an Produkten auf den Markt gebracht und auch wieder eingestellt, mit denen das Unternehmen in immer mehr Bereiche hervorgedrungen ist. Bei vielen Produkten muss man sich fragen, wie sie eigentlich finanziert werden, aber jetzt kommt wohl langsam die Antwort darauf. In dieser Woche hat sich gezeigt, dass zwei populäre Produkte nun mit Werbung monetarisiert werden: Der Google Assistant zeigt Werbung und auch bei Android TV wurden Werbebanner gesichtet.


Die Kostenlos-Kultur im Internet ist nicht nur aktuell stark bedroht, sondern es hat schon vor längerer Zeit der kleine Wandel begonnen, dass immer mehr Nutzer bereit sind, für Inhalte Geld auszugeben. Google gehörte in den letzten zwei Jahrzehnten zum Hauptantreiber dieser Kostenlos-Kultur und hatte gerade im ersten Jahrzehnt des Bestehens häufig neue Produkte und Leistungen eingeführt, deren Monetarisierung kaum nachvollziehbar war. Aber damit könnte es bald vorbei sein.

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Die Google Websuche ist vor über 20 Jahren gestartet und auch die Werbeprogramme AdWords und AdSense gingen schon wenige Jahre später an den Start. Grundlegend sind das bis heute die wichtigsten Einnahmequellen von Google und sind DIE Säulen des Privatnutzergeschäfts. Tatsächlich haben viele kostenlos angebotene Produkte nur das Ziel, die Nutzer an die Marke zu binden und gleichzeitig Daten zu sammeln, aus denen ein Profil für zielgerichtetere und somit lukrativere Werbung entsteht.

Dieses Modell wurde bis heute beibehalten, denn in sehr vielen Produkten ist bis heute keine Werbung enthalten – selbst in den Kernprodukten, die viele Ressourcen verschlingen, sieht das nicht anders aus. Google Photos ist frei von Werbung und wird sich wohl kaum über den Verkauf von Fotobüchern finanzieren. Google Drive ist ebenfalls kostenlos, genauso wie die angeschlossen Apps wie Docs, Sheets, Slides, Forms, Drawings und einige weitere häufig genutzte Plattformen.

Aber auch GMail enthält nur sehr wenig Werbung, bei vielen Nutzern ist seit langer Zeit gar keine mehr zu sehen, und selbst die Betriebssysteme Android und Chrome OS oder der Chrome-Browser sind frei von Werbung und für den Nutzer jeweils vollkommen kostenlos. Aber an diesen Grundfesten wird nun langsam gerüttelt.



Verdient wird. Aber nicht genug.
Natürlich muss man verstehen, wie Googles Geschäftsmodell funktioniert. Android, Chrome und Chrome OS sind für das Unternehmen zwar sehr zentrale Produkte, aber schlussendlich sind sie nur Mittel zum Zweck und sollen die vielen Google-Dienste stets präsent halten. Ohne diese Quer-Subventionierung wären sie ein extremes Verlustgeschäft, wie Google nach der EU-Strafe im vergangenen Jahr und der anschließenden Entbündelung selbst bestätigt hat. Deswegen müssen Smartphone-Hersteller für den EU-Raum seit kurzem eine hohe Gebühr abtreten.

Bei Google Drive, Photos und GMail kann der Nutzer seinen Speicherplatz erweitern und ein Google One-Abo abschließen – aber auch das kann höchstens die Kosten decken (wenn überhaupt), denn die Masse der Nutzer kommt mit den kostenlosen Angeboten aus. Google Photos hingegen hat gar keine Finanzierung (abgesehen von den Fotobüchern) und kann nur ein reines Verlustgeschäft sein. Doch bisher traut man sich noch nicht, dem Nutzer Werbebanner in seinem Fotostream anzuzeigen.

Daten sammeln reicht nicht mehr
Das Konzept der reinen Datensammler reicht nun aber nicht mehr aus, um die Umsätze weiterhin stark steigen zu lassen – denn die Anleger wollen natürlich jedes Jahr neue Rekordumsätze sehen. Auch wenn viele Nutzer überrascht sind, ist es also kein großes Wunder, dass nun in den ersten populären Produkten erstmals Werbung angezeigt wird. In diesem Fall geht es um Android sowie um den Google Assistant, die bisher die Rolle als Datenlieferanten hatten, nun aber selbst verdienen sollen.

Google zeigt aber natürlich nicht einfach nur einfallslose Werbebanner in den Oberflächen an, sondern integriert sie auf geschickte Art in den Ablauf der Plattformen, sodass sie dem Nutzer nicht zu sehr auffallen und dieser vielleicht sogar begeistert ist: Der Google Assistant zeigt nun passende Werbung in den Antworten, die für den Nutzer sogar von Vorteil sein könnte und somit ein Win-Win-Win-Geschäft für alle Beteiligten ist. Da hier die Google Websuche angezapft wird, ist das ein logischer Schritt und trotz einiger Nutzerproteste auch nicht weiter verwerflich. Denn wieviel haben sie bisher für den Assistenten bezahlt? Eben.

Bei Android TV gibt es nun Werbung direkt auf dem Homescreen und da sieht die Sache schon wieder etwas anders aus. Für das Gerät, egal ob Box oder Fernseher, haben die Nutzer tatsächlich viel Geld ausgegeben. Die Werbung ist in den empfohlenen Inhalten integriert, sodass sie eigentlich nicht weiter stört, aber dennoch ist das natürlich ein zweischneidiges Schwert. Vielleicht ist dann auch der Weg hin zum „großen Android“ nicht mehr weit. Schon heute schlägt Android dem Nutzer häufig genutzte Apps vor, warum soll also ein App-Entwickler nicht mal dafür bezahlen? Die neuen Werbeanzeigen für Spieleentwickler laufen schon langsam in diese Richtung.



Dieses Modell ließe sich weiter ausbauen, denn auch der Chrome-Browser schlägt stets Webseiten für den Besuch vor. Ein einziger Werbelink in den vielen Vorschlägen würde die Nutzer vielleicht nicht stören, dem Unternehmen aber bei der gigantischen Nutzermasse viele Millionen Dollar Umsatz bescheren. Die Überlegung ist also nicht verkehrt, denn das klassische angesprochen Geschäft dürfte nicht mehr so ein großes Wachstum versprechen – insbesondere dann nicht, wenn die Nutzer immer mehr Adblocker verwenden. Folglich muss die Zahl der Werbeplätze erhöht werden – das ist nicht schön, aber die logische Entwicklung.

Google Discover Feed ebenfalls vor Monetarisierung
Auch im mittlerweile sehr wichtigen Produkt und Trafficbringer Google Feed wurde in der Vergangenheit schon mehrmals Werbung zwischen den Beiträgen entdeckt und gerade bei einem solch wichtigen Thema wird das kaum bei Tests bleiben. Werbung kommt, das ist sicher, die Frage ist nur in welcher Form. Auch an dieser Stelle reicht das Daten sammeln also nicht mehr aus, sondern es wird auf die direkte Finanzierung gesetzt.


Ich persönlich habe natürlich nichts gegen diese Entwicklung und war schon immer der Meinung, dass das reine Daten-sammeln vieler Produkte wohl mehr kostet als es einbringen kann. Jetzt spielen sie eben eine Doppelrolle als Datensammler UND Monetarisierer des Unternehmens. Und wer selbst viele Dienste kostenlos nutzt, sollte dagegen nicht Sturm laufen, sondern froh sein, dass dadurch die Zukunft der Produkte gesichert sein könnte. Denn die aktuell eingestellten Produkte hatten ebenfalls allesamt keine Werbung…

Siehe auch
» Google Maps: Die Kartenplattform soll nun deutlich stärker durch Werbung monetarisiert werden

» Google Assistant: Großes Update bringt umfangreichere Antworten und Werbung in den Verlauf (Screenshots)

» Android TV: Google testet erstmals Werbung auf dem Homescreen des Smart TV-Betriebssystems


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comment 1 Kommentare zum Thema "Google Assistant & Android TV zeigen jetzt Werbung: Weitere Produkte könnten (und müssen?) folgen"

  • Ich befürchte ja eh, dass GMail demnächst Werbung ausrollen wird und zwar im Rahmen der interaktiven Geschichten, die grade scharf gestaltet wurden. Finde heute mal einen FreeMailer mit gewissem Speicherplatz, ohne Werbung und/oder Abo Modell. Kann man im Grunde vergessen. Entweder Speicherplatz von grade mal 1GB, wie bei der Telekom oder eben Abo Modelle wie GMX; Web.de und so weiter.
    Bisher galt Google als die große Alternative, aber ich könnte wetten, dass sich das ändern wird. Wo bereits Geld ist, muss immer mehr Geld generiert werden.
    Generell eine in meinen Augen bedenkliche Entwicklung, umso froher bin ich, dass ich meine Dienste so querbeet aufgebaut habe, dass mich nichts von Google wirklich treffen kann.

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