Nach dem Neustart der Google News: Mission nicht erfüllt – Googles News-Strategie bleibt undurchsichtig

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Seit der vergangenen Woche sollten alle Nutzer, auch in Deutschland, die neue Version der Google News sowohl im Browser als auch auf dem Smartphone nutzen können und wohl auch schon erste Erfahrungen gemacht haben. Obwohl mit dieser neuen Version gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden sollen, stiftet sie doch etwas Verwirrung. Nach wie vor hat der Google-Nutzer mindestens drei völlig verschiedene Möglichkeiten, sich über Nachrichten aller Art zu informieren.


Die Google News sind seit vielen Jahren nicht nur ein sehr wichtiger Traffic-Lieferant für alle redaktionell betreuten Webseiten, sondern für Millionen Nutzer die erste Anlaufstelle für Schlagzeilen und aktuelle Themen. Doch die Nutzer mussten in den vergangenen 12 Monaten so einige Tiefschläge einstecken, wie etwa das katastrophale Redesign, das an allen Ecken und Enden Lücken aufwies und auch die Textauszüge entfernt hatte.

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Es ist bezeichnend, dass Google schon relativ kurz nach dem letzten Redesign der News einen erneuten Neustart wagt – aber es war auch dringend notwendig. Endlich haben die Google News eine vernünftige Android-App, die ich hier im Blog als gelungenes Redesign bezeichnet habe – und dieser Meinung bin ich immer noch. Doch im Web sieht das etwas anders aus, denn hier ist das endlose Scrollen dann doch ungewohnt und schafft zwar Übersicht über EINE Meldung, aber gibt keinen guten Themen-Überblick mehr.

An das Scrollen mag man sich vielleicht gewöhnen – schließlich muss bei allen anderen einzelnen Webseiten ebenfalls durch lange Themen gescrollt werden – aber die Integration des Google Kiosk ist im Web so richtig daneben gegangen. Die praktische Navigation aus der Android-App ist nicht vorhanden und findet sich nur versteckt unter dem Punkt „Favoriten“. Das kann man derzeit zwar noch der Tatsache zuschieben, dass die Umstellung noch nicht komplett vollzogen ist, aber die Struktur der Webseite gibt wohl auch in Zukunft keine bessere Lösung her.

Doch fernab jeglicher Kritik an der Oberfläche hat Google es auch mit dieser Version wieder NICHT geschafft, die vielen einzelnen Dienste unter einem Dach zu vereinen und dem Nutzer eine praktische Anlaufstelle für alle Nachrichten und Schlagzeilen zu bieten. Hier einmal ein kleiner Überblick über alle unterschiedlichen Google-Dienste in diesem Bereich.



Google News
Die Google News (Hier ist der GoogleWatchBlog) sind das Urprodukt und stehen nun sowohl im Browser als auch auf dem Smartphone in einer ähnlichen Oberfläche zur Verfügung. Die Auswahl der Schlagzeilen und auch der Quellen wird von den Algorithmen bestimmt, es fließen aber auch die Interessen des Nutzers mit ein. Außerdem können unerwünschte Quellen gesperrt werden, aber das war es dann auch schon mit der Anpassung. Gewissermaßen sind die Google News einfach eine Google-Zeitung.

Google Kiosk
Im Google Kiosk kann der Nutzer sich die Quellen frei aussuchen und diese abonnieren. Das ist allerdings nur für die Quellen möglich, die eine solche Kiosk-Ausgabe anbieten (Hier ist der GoogleWatchBlog). Das Produkt war ursprünglich vor allem zum Vertrieb von bezahlten digitalen Magazinen gedacht, dürfte von den meisten Nutzern aber als erweiterter Feedreader verwendet werden. Hier hat der Nutzer die volle Kontrolle über die Inhalte und bekommt nur das Abonnierte geliefert.

Google Feed
Der Google Feed möchte Googles Pendant zum Social Network-Stream sein, der interessante Berichte rund um automatisch ausgewählte Themen sammelt. Der Feed hat(te) das Potenzial, zu einem der wichtigsten Google-Produkte aufzusteigen, stagniert aber seit längerer Zeit. Die Themen werden von Algorithmen ausgewählt, können vom Nutzer über die Websuche oder über ein Ausblenden im Feed angepasst werden. Quellen können nicht ausgewählt werden, hier dreht sich alles um Themen.

Google+
Googles Social Network Google+ (Hier ist der GoogleWatchBlog) das aber nur von den wenigsten wie Facebook verwendet wird. Statt Statusmeldungen gibt es hier vor allem Nachrichten, Meinungen und häufig sehr gute Diskussionen auch zu kontroversen Themen. Ob man es nun als News-Quelle zählen kann oder nicht liegt ganz an den Interessen und der Organisation des Nutzers. Google+ stellt sich irgendwo zwischen Kiosk und Feed, liefert aber auch immer wieder interessante Stories (die entsprechenden Abos vorausgesetzt)

Alle vier haben nicht nur völlig unterschiedliche Ansätze, sondern sind auch vollkommen unabhängig voneinander. News gibt es im Browser und als App, Kiosk auf dem Smartphone nicht mehr als separate App, dafür aber noch als eigenständige Web-Version. Den Feed gibt es nur auf dem Smartphone und nicht im Web und Google+ wird vom Unternehmen nicht wirklich gepusht und scheint in diesem Bereich keine große Rolle zu spielen.



Alle vier Produkte haben ihre Daseinsberechtigung und ohne Fragen sicher auch ihre Fans. Aber trotz vier völlig verschiedener Ansätze hat Google weder einen einfachen Feedreader noch ein vollumfängliches seriöses Nachrichtenportal im Angebot. Google News wird von den immer gleichen Medien dominiert, die sich durch Clickbait, Manipulationen und vollem SEO-Fokus erst nach einer längeren Anpassung (die immer wieder mal verschwindet) hervorragend nutzen lassen.

Wenn nun schon News und Kiosk zusammenwachsen (sollen), dann hätte man auch gleich den Feed und im Bereich „Meinung“ auch Google+ mit hereinnehmen können. Vor allem die „neuen News“ und der Google Feed führen nun wieder eine merkwürdige Koexistenz, wie wir sie schon bei einigen anderen Google-Produkten gesehen haben. Beides sind aktuell Fokus-Produkte, die aber so unterschiedlich sind, dass sie trotz der gleichen Zielsetzung wohl nicht so leicht zu vereinen sind.

Wie das perfekte News-Produkt aussehen muss, kann ich auch nicht sagen. Aber das herauszufinden, ist auch die Aufgabe von Googles entsprechenden Abteilungen, die mit News, Kiosk und Feed die drei Produkte betreiben, die auf völlig unterschiedliche Art und Weise die News zu den Nutzern transportieren. Alle Konzepte sollten bestehen bleiben, aber eine einheitliche Anlaufstelle für alles wichtige wäre sicher keine schlechte Idee.

» GoogleWatchBlog bei Google News
» GoogleWatchBlog bei Google Kiosk
» GoogleWatchBlog bei Google+

Siehe auch
» Google News: Die neue Web-Oberfläche wird ab sofort auch in deutscher Sprache ausgerollt
» Gelungener Neustart: Die Google News sind endlich wieder das, was sie immer sein wollten
» Google News: Großes Update wird ab sofort für alle Nutzer ausgerollt; Google Play Kiosk wird eingestellt


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comment 3 Kommentare zum Thema "Nach dem Neustart der Google News: Mission nicht erfüllt – Googles News-Strategie bleibt undurchsichtig"

  • Das neue Google News . Ich habe es mir angesehen und nach ein paar Tagen wieder „zu den
    Akten gelegt“ Es ist entspricht einfach nicht meinen ganz persönlichen Vorstellungen.News
    will ich einfach anders haben.

    Zu Google+ …das würde IMO noch weniger in ein Newsportal passen..
    Es würde mich auch stören und ich zumindest würde mich von Google+ verabschieden, wenn
    es in Google News integriert würde.
    Denn ja…ich nutze Google+ gerne und oft.Denn bei die Themen die mich interessieren(z.B.
    Google Apps Script) findet sich bei z.B. Facebook wirklich gar nichts.Da hat Google+ für mich
    deutlich mehr zu bieten.

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