Google Assistant: Kommt der große Umbau? Die Ziele wurden verfehlt, Features eingestellt & neue Konkurrenz

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Auch wenn Google ein sehr breit gefächertes Portfolio hat, gibt es immer wieder Fokusdienste, um die sich viele Bemühungen drehen – so wie in den letzten Jahren der Google Assistant. Es lässt sich allerdings nicht bestreiten, dass sowohl die Entwicklung als auch die Bedeutung des Assistant deutlich zurückgefahren wurde. Ich habe das schon in einem anderen Artikel beschrieben und jetzt folgen weitere Fakten.


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Vorweg: Der Google Assistant gehört vermutlich nicht zu den Produkten, die 2023 eingestellt werden, auch wenn man das niemals mit absoluter Sicherheit ausschließen kann. Es ist immer möglich, dass Google ein neues Produkt schaffen und den Assistenten darin aufgehen lassen wird – was 2023 so wahrscheinlich ist wie noch nie zuvor. Denn beim Assistant ist nicht nur die Luft raus, sondern auch die selbstgesteckten Ziele wurden bisher nicht erreicht und die Entwicklung spürbar zurückgefahren.

Ich empfehle euch, zuerst meinen Artikel vom Dezember zu lesen, in dem ich über die aktuelle Schwäche des Google Assistant berichte, denn ich möchte hier nicht alles wiederholen. Tatsächlich gibt es noch viele weitere Argumente für eine Abwertung des Assistant innerhalb des Google-Ökosystems, die nicht unbedingt auf einen großen Ausbau hoffen lassen. In erster Linie geht es natürlich darum, dass Google mit dem Assistant kaum bis gar kein Geld verdient und dieser vielleicht ein ähnliches Milliardengrab wie Amazons Alexa ist. Niemand weiß es genau, aber wer mal kurz darüber nachdenkt, kommt sehr schnell darauf, dass der Assistant ein hoch-subventioniertes Produkt sein muss.

Google hatte sich mit dem Assistant das Ziel gesetzt, den Menschen einen persönlichen digitalen Assistenten an die Seite zu stellen, der natürlich auch Inhalte aus der hochprofitablen Websuche hervorbringen soll. Ein sekundäres Ziel dürfte es gewesen sein, die Suchanfragen in natürlicher Sprache zu pushen, was man schon weit vor dem Start des Asssistant tun wollte und bis heute nicht erreicht hat. Und plötzlich kommt ChatGPT… Aber dazu später mehr.




Folgende Google Assistant-Funktionen wurden in den letzten 12 Monaten eingestellt:

Google Assistant musste im vergangenen Jahr einige Federn lassen, wie in ihr obiger Auflistung sehen könnt. Einige populäre Funktionen wurden entfernt, eine zuvor lange-erwartete Memories-Funktion gar nicht erst gestartet. Und das Aus des Google Assistant Driving Mode nach nur drei Monaten (und zuvor mehr als drei Jahren Entwicklungszeit) kann man kaum noch ohne Häme kommentieren. Dass sich Google Lens nach der Ablösung vom Assistant plötzlich besser entwickelt und aufblüht, will ich ebenfalls erwähnt haben.

Smart Displays wechseln zu Android – mit Assistant
Der Google Assistant war stark genug, um sowohl Smart Speaker als auch Smart Displays nahezu im Alleingang zu betreiben, doch damit ist es in diesem Jahr vorbei. Denn Google wandelt Smart Displays in Tablets, die wiederum auf Android laufen. Natürlich ist der Google Assistant mit an Bord, hat aber längst nicht mehr die Bedeutung für die Geräte, wie das zuvor der Fall gewesen ist.

Schicksalsgegner ChatGPT
Ende 2022 kam plötzlich ChatGPT wie aus dem Nichts hervor und sorge bei Google für Alarmstufe Rot und vielleicht auch eiligen Aktionismus, der bereits in diesem Frühjahr Erfolge zeigen muss. ChatGPT schafft das, was Google immer wollte und mit dem Assistant nicht erreichen konnte. Es zeigt auf, wie sehr Google die eigentliche Assistant-Mission hat schleifen lassen und nun plötzlich hinterherrennen, statt den Markt anführen, muss – und dabei geht es dann plötzlich mit der Websuche um DAS Kerngeschäft und DIE Cashcow des Unternehmens. Ein vielleicht für die Zukunft sehr teures Versäumnis.

Welches Unternehmen, wenn nicht Google, hätte die Voraussetzungen dafür gehabt? Man hat die seit zwei Jahrzehnte dominierende Websuche, die beste KI, den faktisch besten Sprachassistenten und endlose Ressourcen. Wie konnte man das verschlafen? Man könnte langer darüber schreiben, aber ich kann mir vorstellen, dass dieses Versäumnis und die jetzt hinter den Kulissen eilig eingeleiteten Aktionen und Projekte NICHT auf Basis des Assistant stattfinden werden.




Google Assistant kam nie auf den Desktop
Obwohl es sich viele Nutzer über Jahre gewünscht haben und Google mit dem Chrome-Browser das sicherlich beste Vehikel hatte, kam der Google Assistant nie auf den Desktop. Es gab vor langer Zeit zarte Ansätze, aber daraus geworden ist schlussendlich nichts. Kein Start am Desktop, kein Start im Browser. Der Ableger Google Lens, der sich längst vom Assistant losgesagt hat und vermutlich ohne Assistant erfolgreicher sein kann, hat es hingegen in den Browser geschafft.

Google Assistant hat nie einen Namen bekommen
Der Google Assistant war immer der „Google Assistant“, das Produkt bekam niemals einen persönlichen Namen – im Gegensatz zur versammelten Konkurrenz. Google war es, dass einen „persönlichen“ Assistenten schaffen wollte, gab diesem aber dann keinen Namen, der das unterstützt hätte. Man kann von Namen wie Alexa, Siri, Bixby, Cortana, Vivi und wie sie alle heißen halten was man will, aber es waren Namen. Jeder Metzger weiß: Gib dem Tier einen Namen und du kannst es nicht mehr schlachten. Vielleicht kein guter Vergleich, aber ich will damit unterstreichen, dass eine etwas persönlichere Bezeichnung auch etwas zur Bindung der Nutzer und damit vermehrter Nutzung beigetragen hätte.


Das ist noch kein Abgesang auf den Google Assistant, sondern ich halte in diesem und dem vorherigen Artikel die aktuelle Situation fest, um vielleicht später darauf verweisen zu können. Es sind keinerlei Pläne bekannt, aber es ist offensichtlich, dass sich Google-intern rund um den Assistant etwas verändert hat und dieser aktuell nicht mehr die Priorität genießt, die das Produkt einmal hatte.


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comment 1 Kommentare zum Thema "Google Assistant: Kommt der große Umbau? Die Ziele wurden verfehlt, Features eingestellt & neue Konkurrenz"

  • Ich leide unter einer Sehbehinderung und nutze den Google Assistent sehr oft. Gerade im SmartHome Bereich sowie für Kalender Funktionen und zum Musik hören ist es eine grosse Hilfe. Ich habe im Dezember mein Google Nest Audio Equipment aufgestockt. Kann es sein das die Geräte irgendwann mal nur noch Elektro Müll sind? Auch bei Alexa…? Es wurden so viele Geräte verkauft und macht Verlust? Wie kann ein Sprachassistent Gewinnbringend eingesetzt werden?

Kommentare sind geschlossen.