Googles lustiges Messenger-Karussell: Duo weicht Meet – sollte Google die ständigen Anläufe endlich aufgeben?

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Google ist in vielen Bereichen sehr erfolgreich unterwegs und kratzt in manchen Bereichen an der Grenze zur absoluten Dominanz. Das gilt in jeglicher Hinsicht aber nicht für die Messenger, denn die einfachen Kommunikations-Tools bleiben für Google ein Buch mit sieben Siegeln und werden es niemals zum Erfolg schaffen. Die jüngsten Berichte rund um die Einstellung von Google Duo bringen mich zu folgender Frage: Sollte Google den Messenger-Markt nicht einfach aufgeben?


Google betreibt mit Android das größte Smartphone-Ökosystem weltweit, das hauptsächlich der Kommunikation dient. Das Unternehmen bietet außerdem mit GMail den mit großem Abstand führenden Freemail-Anbieter. Gleichzeitig gehört YouTube zu den größten Sozialen Netzwerken weltweit und in zahlreichen Google-Produkten können die Nutzer Inhalte mit anderen Nutzern teilen. Aus diesen ganzen Vorlagen hat es das Unternehmen dennoch bis heute nicht geschafft, einen erfolgreichen Messenger zu etablieren.

sundar pichai google messenger

Ich habe mich hier im Blog schon oft über Googles krude Messenger-Strategie ausgelassen und möchte mich eigentlich nur ungern wiederholen. Aber Google hängt immer wieder ein weiteres Kapitel an die unendliche Messenger-Geschichte dran und macht es damit nicht unbedingt besser. Der jüngste Fall ist die erwartete Einstellung von Google Duo. Beachtet bitte, dass es sich dabei nur um geleakte Informationen handelt und bisher keine offizielle Ankündigung erfolg ist.

Google Duo soll eingestellt und vollständig durch Google Meet ersetzt werden, das für Privatnutzer erst vor einigen Monaten aus dem Nichts heraus aus dem Boden gestampft worden ist. Business-Nutzer aus der G Suite kennen Google Meet schon länger, wenn auch kürzlich noch unter anderem Namen. Absurderweise ging Google Meet aus Hangouts Meet hervor, das wiederum gemeinsam mit Hangouts Chat aus dem klassischen Hangouts-Messenger hervorging. Genau dieser sollte damals von Google Allo und Google Meet abgelöst werden. Der nächste erwartete Schritt ist also ein Stück weit eine Rolle Rückwärts.

Auch wenn es bisher nicht offiziell bestätigt ist, gehe ich fest davon aus, dass wir uns langfristig von Google Duo verabschieden werden. Google hat zwar entsprechende Berichte dementiert, aber diese Dementis so vage und mit zahlreichen Lücken und schwammigen Formulierungen versehen, dass man einfach nur lesen kann: „Ja, wir wollen es aber noch nicht sagen“.

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In den letzten zwei Jahren keimte tatsächlich die Hoffnung auf, dass Google Ordnung in den Messenger-Bereich bringt und diesem sehr wichtigen Geschäftszweig endlich das gönnt, was es am meisten braucht: Ruhe und Stabilität. Ein Messenger ist kein Produkt, das man mal so eben wechselt. Viele Menschen haben großes Interesse daran, dass alle ihre Kontakte mit umziehen – was unter anderem den raketenhaften Aufstieg von WhatsApp erklärt. Aber wer würde heute ernsthaft Familie und Freunden wochenlang in den Ohren liegen und einen Google-Messenger empfehlen? Gebt euch die Antwort selbst.

Google hatte eine klare Trennung…
Vor einigen Jahren entschloss man sich dazu, das mehr oder weniger erfolgreiche Hangouts aufzusplitten und schlussendlich durch gleich vier Produkte zu ersetzen: Jeweils einen Text- und einen Videomessenger für Privat und Business. Entstanden sind dadurch Google Allo (Messenger für Privatnutzer), Google Duo (Videomessenger für Privatnutzer), Hangouts Chat (Messenger für Business-Nutzer) und Hangouts Meet (Videokonferenz für Business-Nutzer). Letzt wurden mittlerweile zu Google Chat und Google Meet umbenannt.

…hielt aber nicht lange
Von Google Allo hatte man sich schon im vergangenen Jahr verabschiedet und stattdessen die SMS-App (!) Messages ins Rennen geschickt. In dieser baut man seit zwei Jahren zum zehnten Mal alle Features des jeweiligen Vorgängers nach und hat das Produkt schon mehrfach umbenannt. Von Google Duo können wir uns geistig ebenfalls schon einmal verabschieden, denn Google Meet wird das Produkt weiter verdrängen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch Messages auf den Google-Friedhof muss (denkt in 1-2 Jahren an meine Worte).

Seitdem Google Meet in den Privatmarkt drängt (es wurde für alle Nutzer kostenlos freigegeben und jüngst tief in GMail integriert), prognostiziere ich das Aus für Google Duo und wurde dafür immer wieder kritisiert. Videomessenger und Videkonferenz kann man doch nicht vergleichen und überhaupt sind das ja zwei völlig verschiedene Welten. Nein, ist es nicht! Das wird bei der Ankündigung der Einstellung, die sicherlich schon bald erfolgt, jedem klar werden müssen.

Und nun die nächste Prognose: Holt keine Kontakte zu Messages und wartet gar nicht erst auf das irgendwann einmal angekündigte neue Hangouts. Es gibt bereits Informationen darüber, dass Google Chat ebenfalls für Privatnutzer geöffnet werden soll. Offiziell heißt es, man denkt darüber nach, wie sich das umsetzen ließe. Dass die beiden wackligen Privatnutzer-Produkte gegenüber dem Business-Produkt den Kürzeren ziehen werden, steht außer Frage.

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Erst getrennt, dann wieder vereint
Google hielt es in Zeiten von umfangreichen Messenger mit Videochat-Funktion für eine gute Idee, Messenger und Videochat zu trennen. Google hielt es auch für eine gute Idee, Privat und Business zu trennen. Nur um dann Anfang dieses Jahres den gesamten Messenger-Bereich unter die Leitung eines Manager zu stellen, der die getrennten Welten wieder zusammenführen soll. Dass man das Ganze jetzt unter das Dach von GMail gebracht hat und noch immer keine echte Kommunikationsplattform aufbaut, wird meiner Meinung nach ebenfalls nicht helfen.

Schade um Google Duo!
Google Duo war / ist seit langer Zeit mal wieder ein Kommunikationsprodukt aus dem Hause Google, das von vielen Nutzer sehr gelobt wurde – man kann sagen, der einzig erfolgreiche Messenger. Duo fand allerdings bis heute kaum Nutzer, weil die Menschen kein Vertrauen in Google-Messenger zu haben. Hier schon wieder den Stecker zu ziehen (nicht vergessen, es ist nach wie vor nicht offiziell!) hätte erneut eine verheerende Signalwirkung. Dann kann man Meet gleich wieder in den Business-Bereich zurückschieben.

Meiner Meinung nach sollte Google den Messenger-Markt einfach vergessen, denn die Kombination aus Google und Messenger ist für Jahre verbrannt. Erfolge wird man niemals feiern können und das ständige Richtungswechseln strahlt natürlich auch auf alle anderen Google-Produkte ab, die eigentlich erfolgrein sein könnten (Stadia, *hust*). Man sollte bei dem bleiben, was man jetzt hat. Meet, vielleicht noch Duo, Messages und Chat. Weiter entwickeln und nicht mehr nach Rechts oder Links schauen. Kein Neustart mehr, einfach entwickeln und hoffen, dass die Nutzer irgendwann zurückkehren.

Einziger Ausweg: Sehr sehr viel Geld in die Hand nehmen, einen erfolgreichen Messenger kaufen und hoffen, dass die Menschen nicht abspringen. Aber Facebook wird WhatsApp wohl nicht verkaufen und an der Übernahme von Telegram für eine Milliarde Dollar ist Google vor vier Jahren schon gescheitert. An WeChat würde man sich verheben, wenn es denn überhaut verkaufbar wäre. Also: Schluss machen und das eigene Image retten.

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comment 1 Kommentare zum Thema "Googles lustiges Messenger-Karussell: Duo weicht Meet – sollte Google die ständigen Anläufe endlich aufgeben?"

  • Einer der Gründe warum ich mich von den Google-Diensten trenne. Ein unzuverlässiger Wirrwarr aus Diensten. Ich bin dann mal weg…

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