Smart Home: Zwischen Komfort und Privatsphäre-Albtraum – die Tücken & Probleme der Smart Speaker

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Das Smart Home wird für immer mehr Menschen Realität, wenn auch verbreitet noch in sehr bescheidene Maße. Das Herzstück vieler Smart Homes sind die Smart Speaker oder mittlerweile auch die Smart Displays, bei denen alle Informationen zusammenlaufen und die für die Steuerung verantwortlich sind. Aber die neuen Technologien haben auch ihre Tücken und so muss man schon vor dem Kauf abwägen, ob Sicherheit und Privatsphäre oder der zusätzliche Komfort wichtiger sind.


Ein Smart Home kann aus sehr vielen Komponenten bestehen und würde es mit entsprechendem Budget ermöglichen, sehr viele Dinge zu automatisieren. Aber auch wenn nur ein Smart Speaker und eine verbundene Glühbirne vorhanden ist, die sich darüber einschalten lässt, kann man schon von Smart Home sprechen. Wer sich dafür begeistern kann, wird dann ohnehin Schritt für Schritt immer mehr Geräte anschaffen, Sensoren verbauen und auch Hausfunktionen von der Heizung bis zu den Jalousien fernsteuern wollen. Google hat erst kürzlich neue Smart Home-Produkte vorgestellt.

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Vorab: Der Artikel richtet sich nicht grundsätzlich gegen das Smart Home oder Smart Speaker – ganz und gar nicht -, sondern soll viel mehr einige Probleme ansprechen, die sich vor allem aus den Smart Speakern ergeben, die sich in den vergangenen Jahren rasend schnell verbreitet haben. Der Autor ist kein Fan von Smart Speakern, wohl aber von der Heim-Automatisierung.

Auf dem Smartphone sind die smarten Assistenten in Form von Siri oder dem Google Assistant schon seit längerer Zeit zu finden und es hat sich sehr schnell etabliert, dass diese durch einen einfachen Sprachbefehl wie „Hey Siri“, „Hey Google“ oder eben auch einfach nur „Alexa“ aktiviert werden können. Dieses System wurde mit Smart Speakern dann in die eigenen Vier Wände der Nutzer übertragen, die sich eine „Wanze“ mitten ins Wohnzimmer stellen, die alle Gespräche mithört und lokal analysiert. Das ist gar nicht negativ gemeint.

Die Auswertung der magischen Aktivierungswörter erfolgt bei den etablierten Plattform komplett lokal und direkt auf dem Gerät. Der Nutzer kann also seine intimsten Geheimnisse vor dem Gerät ausbreiten, ohne dass es jemals jemand hören würde. Es sei denn, ein Wort klingt so ähnlich wie „Google“ oder „Alexa“ – denn dann werden die Geräte hellhörig, die folgenden Worte aufgezeichnet und an die Server des Herstellers gesendet, der sie in nicht wenigen Fällen von Mitarbeitern auswerten lässt.



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Wer mit dieser Auswertung kein Problem hat, der kann eigentlich schon wieder aufhören zu lesen. Natürlich ist es nicht relevant, wenn sich die Google- und Amazon-Mitarbeiter jeden Tag stundenlang hören, wie die Nutzer ihre Lichter ein- und wieder ausschalten. Viel mehr geht es um die Gespräche im Hintergrund oder die vielen Fälle, in denen die Assistenten unwissentlich im Hintergrund getriggert werden und somit das Gespräch aufzeichnen. Mitarbeiter von Google, Amazon, Apple und auch Microsoft haben in Interviews bestätigt, dass diese unabsichtlichen Aufzeichnungen einen großen Teil ausmachen. Und da ist irgendwo eine Grenze erreicht.

Alle Personen sollten auf Smart Speaker hingewiesen werden
Die Anschaffung und den Betrieb eines Smart Speakers hat hoffentlich jeder Nutzer mit seiner Familie bzw. den Mitbewohnern abgesprochen. Weil es in die Privatsphäre hinein geht, könnte das sicherlich in manchen Wohngruppen zu einem Streitfall werden. Aber auch Besucher sollten darauf hingewiesen werden, dass sie einen Raum betreten, in dem ihre Worte mitgehört werden könnten. Ähnlich wie man überall darauf hingewiesen wird, dass in einem Geschäft oder auf einer Veranstaltung Videokameras zur Überwachung platziert sind.

Googles Hardware-Chef höchstpersönlich hat vor wenigen Tagen zugegeben, alle Gäste vor Smart Speakern zu warnen und somit nicht nur auf der sicheren Seite zu sein, sondern auch Diskussionen zu vorzubeugen. Sicher gibt es auch unter unseren Lesern einige Menschen, die einen solchen Raum entweder selbst nicht betreten würden oder Personen kennen, bei denen es sich so verhält. Im Idealfall schaltet der Besitzer die Geräte einfach aus – was deren Sinnhaftigkeit dann natürlich wieder ad absurdum stellt.

Dass einige Geräte, insbesondere die Smart Displays, über eine Kamera verfügen und damit bald auch eine Gestensteuerung ermöglichen sowie die Gesichtserkennung anbieten, macht die Gesamtsituation nicht besser. Die einen finden das furchtbar praktisch, die anderen halten es für den absoluten Wahnsinn, ein Mikrofon und eine Kamera mitten in das Wohnzimmer zu hängen und an die Cloud anzubinden. Aber das wird jeder Nutzer vor der Anschaffung wohl bereits durchdacht haben.



Sicherheitslücken & Phishing
Dazu kommt nun, dass Sicherheitsforscher erst vor wenigen Tagen gezeigt haben, wie erschreckend einfach Angreifer mit dem Google Assistant sowie Amazons Alexa die Kontrolle übernehmen, den Nutzer ausspionieren und durch modernes Phishing sogar seine Passwörter abgreifen können. In mehreren Videos wurde gezeigt, wie durch stumme Meldungen der Assistenten das Mikrofon stets offen bleibt und jedes Gespräch ohne Wissen des Nutzers weiter aufzeichnet.

Das sind natürlich nur theoretische Szenarien und sowohl Google als auch Amazon sollen bereits für erhöhte Sicherheitsvorkehrungen gesorgt haben, aber grundsätzlich bietet gerade so eine direkte Leitung in das Wohnzimmer der Nutzer einige Möglichkeiten, die die Angreifer für sich zu wissen nutzen werden. Richtig flexibel werden die Assistenten erst durch Erweiterungen, aber genau mit diesen gibt man die Kontrolle aus der Hand.

Zusammengefasst kann ich nur den Beginn des Artikels wiederholen: Ein Smart Home kann ungemein praktisch sein, aber das Smart Speaker-Konzept sollte vielleicht etwas weiter überdacht oder stark abgesichert werden. Ein rein lokal nutzbarer Smart Speaker wäre die beste Lösung, wird es aber aus nachvollziehbaren Gründen von Google oder Amazon wohl niemals geben. Schaut euch auch das fremde Smart Home dank Nest Cam an.

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