Smart Home: Googles neue Strategie rückt den Assistant, statt eigener Hardware, in den Mittelpunkt

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Google ist im Bereich Smart Home sehr gut aufgestellt und hat es durch die übliche Strategie überraschend schnell geschafft, sich große Anteile des Marktes zu sichern. Trotz Marktführung spielen aber weniger die Google Home-Geräte, sondern der Google Assistant die wichtigste Rolle in dieser Kategorie. In den vergangenen Tagen gab es einige interessante Weichenstellungen, mit denen diese Position noch weiter gefestigt werden soll, selbst wenn dafür eine eigene Marke aufgegeben werden muss.


Smart Home ist ein extrem großer Bereich, der in den kommenden Jahren sehr stark wachsen und auch in immer mehr weniger technisch versierte Haushalte Einzug halten wird. Immer wieder kommen neue Geräte, Möglichkeiten und auch Anbieter dazu, aber im wichtigen Herzstück des gesamten Konstrukts – nämlich der Steueung all dieser Gerätschaften – sind die Positionen erst einmal bezogen. Google hat den Assistant und Amazon Alexa so gut positioniert, dass es selbst für größere Konkurrenten nicht mehr so leicht ist, in den Markt einzusteigen.

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Google Home wird zu Nest

Rund um die Google I/O hat Google verkündet, was zuvor schon durchgesickert ist und erst einmal Fragezeichen aufgeworfen hat: Die etablierte Marke „Google Home“ wird verschwinden und erst einmal durch „Google Nest“ ersetzt. Später dürfte daraus wohl einfach nur „Nest“ oder „Nest powered by Google“ oder ein ähnlicher Markenname werden. Das hat Beobachter zu Anfang überrascht, denn viel mehr wurde zuvor damit gerechnet, dass die Marke Nest verschwindet – und nun ist genau andersherum. Das hat einfache strategische Gründe.

Google ist, auch wenn viele Geräte im Portfolio sind, primär ein Plattformbetreiber und Technologielieferant statt Hardware-Hersteller. Möchte man den Google Assistant also weiter im Wohnzimmer der Menschen auf dem Smart Speaker etablieren, benötigt man die Unterstützung vieler weiterer Hersteller, die den Assistant statt einem eigenen System oder gar der Konkurrentin Alexa verwenden. Wenn Google selbst der größte Konkurrent ist, ist das aber wenig attraktiv. Also zieht man einfach die eigene Marke zurück und ersetzt sie durch Nest, auch wenn sich faktisch nichts an der Situation ändert.

Nest ist als Smart Home-Marke zwar vielen Menschen bekannt, doch die Verbindung zu Google ist längst nicht allen bewusst. Es ist das gleiche Prinzip, das damals für die Nexus-Smartphones und das aufstrebende Android angewendet wurde. Gewissermaßen fährt auch Amazon diese Strategie, in dem die Lautsprecher „Echo“ und der Assistent „Alexa“ heißt – nur dass diese beiden Marken in den Köpfen der meisten Menschen untrennbar miteinander verbunden sind. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass die Nest-Geräte auch weiterhin von Amazons Assistenten gesteuert werden können.

» Google Nest: Neue Informationen zur Konto-Migration & Nest-Geräte lassen sich mit Amazon Alexa steuern



Neue Smart Speaker-Partner

Um die Position des Google Assistant weiter zu festigen, braucht es viele weitere große Partner, denn die Menschen sehen sich natürlich auch gezielt nach Alternativen zu den beiden dominierenden Systemen um. Derzeit gibt es noch viele Hersteller mit eigenen Plattformen, allerdings beschränkt sich der Funktionsumfang dort häufig auf simple Geräte-Steuerungen und ist längst nicht so ausgereift. Apple und Samsung als große potenzielle Konkurrenten haben es noch schwer und dürften rein strategisch nicht die Wege von Amazon und Google gehen und die eigenen Assistenten, Siri und Bixby, anderen Herstellern zur Verfügung stellen können.

Tatsächlich kommt Apple nicht vom Fleck und der HomePod liegt wie Blei in den Regalen, während Samsung trotz Ankündigung noch immer nicht auf dem Markt ist. Die größte Bedrohung geht von den chinesischen Hersteller aus, die zusammen ein Viertel des Marktes beherrschen, während Google und Amazon jeweils gut ein Drittel auf sich vereinen können. Sollten Alibaba, Xiaomi und Baidu eines Tages ihre eigenen Sprachassistenten global etablieren, dürfte es sehr interessant werden.

sonos google assistant

Vor wenigen Tagen wurde verkündet, dass der Google Assistant endlich auf Sonos-Lautsprecher kommt und somit auf einer weiteren etablierten Smart Speaker-Marke zu finden ist. Bisher setzte Sonos auf Amazons Alexa und nun bekommt die Assistentin auch dort Konkurrenz. Sonos wird damit zumindest aktuell zur optimalen Marke, da die Nutzer beide Assistenten auf einem Gerät nutzen können – und das ohne große Hacks oder Workarounds. Zwar lassen sie sich nicht parallel nutzen, aber der Wechsel ist dennoch schnell erledigt.

Derzeit steht der Google Assistant nur in den USA auf Sonos-Lautsprechern zur Verfügung, soll aber im Juli auch nach Deutschland kommen. Per VPN ist die Nutzung in Deutschland schon jetzt möglich, aber das ist wieder ein instabiler Workaround, auf den man sich für die nächsten Wochen nicht verlassen sollte.

» Sonos One und Sonos Beam: Der Google Assistant kommt auf die Smart Speaker – bald in Deutschland



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Immer mehr Smart Home-Geräte

Und damit der Google Assistant auch wirklich das gesamte Smart Home steuern kann, bauen die Entwickler kräftig aus und bereiten die Unterstützung für Geräte vor, die es entweder noch gar nicht gibt oder selbst in diesem Nischenmarkt noch einmal eine Nische besetzen. Zumindest in der Theorie gibt es kaum noch ein Smart Home-Gerät, dass der Google Assistant nicht steuern könnte. Natürlich müssen die Hersteller dafür entsprechende Schnittstellen schaffen, aber das ist heute schon fast selbstverständlich.

Auch Partnerschaften mit wichtigen Unternehmen wie IKEA helfen dabei, den Google Assistant weiter im Smart Home zu etablieren. Schon seit dem vergangenen Jahr lassen sich IKEA-Lampen per Google Assistant steuern und aktuell gibt es im Dreiergespann weitere interessante Entwicklungen. Sonos und IKEA haben bereits einen gemeinsamen smarten Lautsprecher präsentiert, auf dem dann eben auch wieder der Google Assistant zum Einsatz kommt.

Vielleicht spielt auch die zurückgezogene IFTTT-Unterstützung der Nest-Hardware eine kleine Rolle dabei, die Heim-Automatisierung noch stärker in die eigenen Hände zu nehmen. Es wird interessant sein, wie sich in den kommenden Monaten weitere Puzzlestückchen zusammensetzen und wie sich sowohl Nest als auch Google mit kommenden Produkten positionieren werden.

Siehe auch
» Fuchsia: Googles neues Betriebssystem wird wohl als Smart Home & Internet of Things-Plattform starten

» Smart Home: Die Google Assistant Routinen erkennen künftig automatisch, wann der Nutzer das Haus verlässt

» Smart Home: So geht es mit den Marken Google Home und Nest weiter – Konten werden zusammengelegt


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