YouTube Premium: Zu wenige Nutzer – steht YouTubes Abo-Modell schon wieder vor dem Aus?

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Nach mehreren Jahren, diversen Testphasen und mehreren Produktbezeichnungen hat Google in diesem Sommer YouTube Premium in vielen Ländern gestartet. Dieses Abo-Angebot soll die Plattform unabhängiger von der Werbung machen, die seit Beginn an den Löwenanteil zur Finanzierung beiträgt. Doch jetzt sieht es so aus, als wenn diese Pläne trotz sehr aggressiver Werbung nicht aufgehen und man sich schon wieder strategisch davon verabschiedet.


Mittlerweile sind viele Menschen dazu bereit, für Inhalte zu zahlen und haben eines oder mehrere Abos bei den einschlägigen Streamingdiensten. Ein gutes Geschäft für Amazon, Netflix, Spotify und die diversen anderen Dienste, die sogar im Auto verwendet werden. Kein Wunder also, dass auch Google ein Stückm von diesem großen Umsatzkuchen haben möchte und diverse Bezahl-Modelle anbietet – allerdings ohne großen Erfolg. Auch YouTube Premium ist darunter.

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Eigentlich wollte Google Ordnung in das Streaming-Chaos bringen, hat dabei aber ein viel größeres geschaffen, das man erst nach einem ausreichenden Studium durchblickt. Man kann entweder nur die Musik abonnieren, die Plattform werbefrei halten oder sich auch die Originals ansehen – aber alles mit verschiedenen Paketen. Das Hauptziel war es wohl gewesen, die unzähligen Musikvideos auf der Videoplattform weiter zu promoten, die die Nutzer nun frei Haus dazu bekommen.

Doch die Nutzer waren mit Google Play Music zufrieden, denn nur die wenigsten Menschen sitzen vor dem Computer und schauen sich aktiv ein Musikvideo nach dem anderen an – wie man am Niedergang von MTV, VIVA & Co. sehr gut sehen kann. Musikvideos werden gezielt angesehen, während die Musik einfach nur im Hintergrund dudeln soll. Die meisten Nutzer dürften von dem Angebot also nicht so begeistert sein, denn gleichzeitig wird ihnen auch irgendwann die geliebte Plattform Play Music weggenommen. Wobei die Betonung auf „irgendwann“ liegt.

Der nächste Vorteil ist die komplette Werbefreiheit der Plattform, was den Nutzer effektiv nur 2 Euro kostet. Doch auch wenn viele Menschen Werbung nicht mögen, ist die bei YouTube einfach nicht aufdringlich genug. Die meisten Spots lassen sich nach 5 Sekunden überspringen, womit die Hürde für eine gekaufte Werbefreiheit nicht hoch genug ist. Zumindest nicht für die Masse.



Dass YouTube große Hoffnungen in das Premium-Angebot setzt, sieht man daran, dass es sehr aggressiv auf der Plattform beworben wird. Vor vielen Videos laufen entsprechende Werbespots für das Angebot und auch unter den Videos finden sich sowohl auf dem Desktop als auch Mobil immer wieder Werbebanner. Letzte wurden mittlerweile teilweise durch Artikel 13-Warnungen ersetzt, dürften aber früher oder später wieder für diesen Zweck verwendet werden.

Dennoch scheint es so, dass die Nutzer nicht unbedingt positiv auf das neue Programm ansprechen, wie man an YouTubes Rückkehr zu Werbung sehen kann: Erst in dieser Woche wurde angekündigt, dass die Originals in Zukunft für alle Nutzer zu sehen sind – mit Werbung. Damit soll nicht nur deren kleine Reichweite erhöht werden, sondern es wird auch ein gewichtiges Argument für die zahlenden Nutzer verschwinden. YouTube spricht von einem „Strategiewechsel“.

Aber nicht nur das, denn auch die auf der Plattform verkauften Kinofilme sind offenbar digitale Ladenhüter. Auch diese werden nun teilweise mit Werbespots angeboten und den Nutzern kostenlos zur Verfügung gestellt. Auch das zeigt, dass die Nutzer bei YouTube eben nicht dazu bereit sind, Geld zu zahlen. Zum Black Friday hatte man aus einem solchen Film sogar den längsten Werbespot der Welt gemacht und den LEGO Movie vollkommen kostenlos gezeigt.

Der letzte Hinweis kam dann ebenfalls in dieser Woche: YouTube will Werbung künftig blockweise zeigen und nicht mehr unbedingt auf das Video verteilen. Die Intention dahinter dürfte klar sein: Der Nutzer soll alle Werbespots sehen, bevor er eventuell das Video beendet und einen Clip nicht gesehen hat, der immerhin vollständig zur Finanzierung der Plattform beiträgt. Man versucht also auf Biegen und Brechen die Werbeeinnahmen weiter zu steigern.



Dass ein börsennotiertes Unternehmen die Umsätze steigern möchte, ist natürlich nachvollziehbar, doch dass man dafür auch die gerade erst frisch gestarteten Premium-Pläne schon wieder abschwächt, zeigt, dass die Umsätze auf der Plattform wohl gesunken sind. Das Premium-Abo funktioniert nur dann, wenn viele Nutzer teilnehmen. Wenn aber nur ein extrem niedriger Prozentsatz zahlt und die andere Hälfte die Werbung blockiert, kann das nicht funktionieren.

Dass die Nutzer offenbar nicht dazu bereit sind, für YouTube zu zahlen, hat einen ganz einfachen Grund: Alle Inhalte, abgesehen von der handvoll Originals, stehen auch ohne kostenpflichtiges Abo zur Verfügung. Das ist bei den anderen Diensten nicht der Fall, denn bei Netflix und Amazon gibt es ohne Geld auch keine Inhalte. Ähnlich zu YouTube wäre noch Spotify, das aber ebenfalls seit der Gründung auf keinen grünen Klee kommt und nur Verluste einfährt. Eine so riesige Plattform wie YouTube lässt sich dadurch nicht finanzieren.

Die aktuellen Schritte beweisen aber wieder einmal, dass Google keine Geduld hat. Wenn ein Produkt nicht von Beginn an funktioniert, verliert man offenbar selbst sehr schnell den Glauben daran. Mit mehr exklusiven Inhalten, weiteren Vorteilen und einem günstigeren Preis könnte man sicher noch etwas drehen. Natürlich ist YouTube Premium noch längst nicht auf der Abschussliste, aber es würde mich nicht wundern, wenn dieser „Strategiewechsel“ schon bald wieder in einem neuen Produkt gipfelt.

Siehe auch
» YouTube Originals: Die exklusiven Inhalte der YouTuber stehen zukünftig allen Nutzern zur Verfügung
» Werbeblock statt Unterbrechung: YouTube möchte in Zukunft gleich zwei Werbespots vor einem Video zeigen


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comment 4 Kommentare zum Thema "YouTube Premium: Zu wenige Nutzer – steht YouTubes Abo-Modell schon wieder vor dem Aus?"

  • Also 2 Euro mehr für Premium hätte ich es mich ja kosten lassen, aber da man als Play Music-Kunde der ersten Stunde ja verarscht wurde hatte ich dann keine Lust doppelt so viel zu bezahlen!

  • Wenn YouTube ein günstiges Abo (z.B. 1-2 € pro Monat oder 10-20 € pro Jahr) nur für Werbefreiheit anbieten täte, wäre ich ja dabei. Aber da es nur All-Inclusive oder Werbung gibt, erdulde ich halt die Werbung.

  • Sehr schöner Artikel! Sehe ich genau so! Ich habe 3 Monate YozTube Music kostenlos und ich nutze es nicht. Mir werden Playlisten mit Tutorials vorgeschlagen, nur weil darin Musik vorkommt und wo sind meine über 1000 Alben aus Google Play Music !? Dieses Produkt ist übelster Dreck … Ich will Google Play Music behalten, obschon ich momentan bei Spotify bin.

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