Google kauft Daten der Mastercard-Nutzer: Ist der Einkauf dieser ‚Offline-Daten‘ noch in Ordnung?

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Über die vielen kostenlosen Angebote sammelt Google nicht nur viele Sympathien bei den Nutzern, sondern auch deren wertvolle Daten. In den allermeisten Fällen werden diese Daten im eigenen Ökosystem gesammelt und auch dort behalten, wozu jeder Nutzer wissentlich oder unwissentlich zugestimmt hat. Doch wie in dieser Woche bekannt wurde, hat Google möglicherweise eine rote Linie überschritten und kauft nun auch externe Daten über die eigenen Nutzer ein.


Kein Unternehmen versteht es so sehr wie Google, es den Nutzern als Vorteil zu verkaufen, wenn sie ihre Profile und Interessen immer weiter verfeinern. Jeder Klick, jede eingegebene oder ausgewählte Information sind wertvolle Daten, die ein immer genaueres Profil des Nutzers ergeben, womit natürlich auch die für ihn ausgelieferten Werbeanzeigen immer genauer werden – und somit auch mehr Klicks generieren. Und darum geht es am Ende.

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Wie in der vergangenen Woche bekannt wurde, hat sich Google Zugriff auf die Daten der Mastercard-Kunden gesichert. Diese werden mit den Profilen der eigenen Nutzer abgeglichen, um zu erkennen, welchen Erfolg eine Online-Anzeige hatte. Konkret wird diese Maschinerie aktiv, wenn der Nutzer eine Werbeanzeige anklickt, aber anschließend kein Produkt kauft. Kauft er dieses dann im Laufe der nächsten Zeit im stationären Einzelhandel, was über Mastercard herausgefunden wird, gilt die Werbeanzeige als Erfolg.

Die Verknüpfung solcher Daten ist sehr wertvoll, sorgt aber natürlich dafür, dass die Nutzer in einem Bereich gläsern werden, von dem sie es bisher nicht gedacht hätten. Google verspricht, dass man keinen direkten Zugriff auf diese Daten hat und durch diverse Mechanismen sicherstellt, dass die Informationen zwar miteinander verknüpft werden, aber kein Profil aufgebaut wird. Google hat also keine vollständigen Mastercard-Datensätze gespeichert. Mehr Informationen dazu findet ihr in diesem Artikel.

Andersherum kann man fragen, ob auch Mastercard davon profitiert, denn die Verhandlungen zwischen den beiden Unternehmen sollen sich ganze vier Jahre lang hingezogen haben. Und genau dazu gibt es nun neue Informationen und damit verbunden auch Diskussionen. Dass viele Nutzer nicht begeistert sind, ist nachvollziehbar. Aber wer ist der Böse in diesem Fall?



Die Mastercard-Daten sind für Google sehr wertvoll
Nun fragt sich, ob Google und Mastercard damit vielleicht eine rote Linie überschreiten, die gerade in den aktuellen weltweiten Datenschutzdebatten noch für Probleme sorgen könnte. Die Mastercard-Kunden haben vermutlich über das Kleingedruckte in den AGBs dem Verkauf der Daten zugestimmt, aber meist geht man wohl davon aus, dass sie an den Einzelhandel gehen, um die eigenen Kunden besser kennenzulernen. Dass sie aber auch an Google gehen und mit dem umfangreichen eigenen Profil abgeglichen – wenn auch nicht direkt verknüpft -werden, ist dann schon eine andere Sache, die nicht jedem gefallen dürfte.

Natürlich müssen Mastercard-Kunden sehr genau wissen, dass durch die Vielzahl an Zahlungsvorgängen schnell ein Profil erstellt werden kann, das sehr wertvoll sein kann. Es lässt sich heute kaum noch verhindern, dass man in vielen Bereichen zum gläsernen Menschen wird – aber eben immer abgetrennt von anderen Bereichen des Lebens. Mastercard weiß zwar wo die Kunden einkaufen, hat aber sonst keine externen Informationen über die Menschen. Google hingegen kennt die Nutzer sehr gut und weiß soviel über sie, wie kein anderes Unternehmen – in dieser Dimension gibt es das höchstens noch bei Facebook.

Schon bisher soll Google übrigens eine solche Methode angewendet habe, allerdings noch In-House. Durch den Standortverlauf lässt sich nachvollziehen, ob der Nutzer ein Geschäft betreten hat, in dem es das Produkt zu kaufen gibt, für das zuvor im Internet geworben wurde. Ob der Nutzer es aber tatsächlich gekauft hat, ließ sich bisher nicht nachvollziehen. An diese Daten gelangt man erst jetzt, denn Mastercard gehört zu den größten Kreditkartenanbietern der Welt. Problematisch ist es, dass die Nutzer über den Verkauf ihrer Daten nicht informiert wurden. Ob sich das mit der DSGVO in Europa vereinen lässt, wird im Bedarfsfall zu klären sein.

Mastercard wollte mehr
Wie nun bekannt wurde, haben sich die Verhandlungen auch deswegen so lange hingezogen, weil Mastercard mehr als nur eine Einmalzahlung in Millionenhöhe wollte. Das Unternehmen wollte an den Werbeeinnahmen direkt beteiligt werden, da man sich dann wohl als Erfüllungsgehilfe sah – was Google allerdings abgelehnt haben soll. Google hat die Partnerschaft mit Mastercard zwar bestätigt, hat sich aber nicht dazu geäußert, wie diese Kooperation genau aussieht.

Notwendig sind diese Daten, weil die Werbekunden zunehmend auch am Offline-Kaufverhalten interessiert sind – und das konnte Google bisher in diesem Umfang nicht bieten. Mit der zunehmenden Verbreitung von Google Pay sichert man sich auch Anteile an diesen Daten, wird aber wohl auch langfristig nicht um den Einkauf von Mastercard & Co. und anderen Quellen herumkommen. Wohlwissend um dieses Problem, werden sich die Anbieter das teuer bezahlen lassen. Auch im Hinblick darauf kann Google mit Pay Geld verdienen, ohne direkte Gebühren zu verlangen.



Google könnte diese Daten über die Offline-Einkäufe auch sehr gut dazu nutzen, die neuen Outdoor-Displays – die auch in Deutschland aufgestellt werden sollen – mit leicht zu trackender Erfolgsquote zu versehen. Da diese Tafeln meist in Einkaufszentren, Bahnhöfen & Co. stehen, können die Produkte direkt erworben werden. In Kombination der Mastercard-Daten mit dem Standortverlauf ergeben sich hier völlig neue Möglichkeiten, die bisher nur beim Onlineshopping möglich gewesen sind.

Nun ist dieser Dateneinkauf prinzipiell noch nicht ganz so dramatisch, denn mit einer Kreditkarte wird man nun mal gläsern, aber es könnte nur der Beginn einer neuen externen Datensammlung sein: Morgen könnte sich Google vielleicht die Bilder der Überwachungskameras in den Geschäften einkaufen und viele weitere Dinge tracken. Dass das ein Geschäft sein kann, hat Amazon mit seinen ersten Supermärkten schon wieder vorgemacht. Das lässt sich natürlich endlos fortführen und Daten an vielen anderen Stellen beziehen. Aber irgendwann wird das zuviel.

Schon jetzt ist es vielen Nutzern nicht ganz geheuer, dass Google ihren Standort aufzeichnet und über die Android-Smartphones noch sehr viel weitere Daten abfragt und sammelt. Dennoch muss man als Nutzer eines Smartphones eben damit rechnen, dass alle Aktivitäten irgendwo aufgezeichnet und gespeichert werden. Wenn sie aber auch an anderer Stelle eingekauft werden, dann geht die Kontrolle vollständig verloren.

Google weist darauf hin, dass sich auch diese aktuelle Verknüpfung, die sich derzeit bekanntlich nur auf US-Nutzer bezieht, ganz einfach über das Deaktivieren von Web- & App-Aktivitäten unterbinden lässt – aber das kann ja nicht die Lösung sein. Vielleicht wäre in Zukunft ein einfacher Menüpunkt „Daten nicht verknüpfen“ oder ähnliches ganz sinnvoll. Da man als Nutzer immer erst aus den Medien von solchen Dingen erfährt, die dann auch schon länger zurückliegen, kann man sich kaum davor schützen. Und das ist das Hauptproblem.

Siehe auch
» Studie: So viele Daten sammelt Google pro Stunde mit den Android-Smartphones & iPhones
» Google & Mastercard: Offline-Einkäufe werden getrackt und mit Werbekampagnen verbunden (USA)

[heise]


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