Google & Mastercard: Offline-Einkäufe werden getrackt und mit Werbekampagnen verbunden (USA)

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Derzeit sorgt noch immer die Positionserfassung trotz deaktiviertem Standortverlauf für Diskussionen und weltweite Untersuchungen der Behörden. Doch das sind längst nicht die einzigen Daten, die Google ohne Wissen der Nutzer erfasst – wie nun von Bloomberg berichtet wird. Google hat sich Daten von Mastercard gekauft und konnte so sehr genau nachvollziehen, was die Menschen „Offline“ gekauft haben. Das könnte auch eine Motivation hinter Google Pay sein.


Google kontrolliert den Online-Werbemarkt und ist seit vielen Jahren Marktführer in nahezu allen Bereichen – lediglich Facebook ist mit der internen Werbung ein sehr großer Konkurrent. Doch obwohl viele Menschen Online Werbung sehen und sich von dieser inspirieren lassen, kaufen sie doch häufig ihre Produkte nicht in den diversen Onlineshops, sondern in den Geschäften und Einkaufszentren. Das lässt sich schwer bis gar nicht tracken, aber Google hat eine Lösung gefunden.

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Bild: Ad Age

Wie jetzt bekannt wurde, hat Google für viele Millionen Dollar Zugriff auf die Daten von Mastercard aus dem Jahr 2017 erhalten. Google bekommt dadurch Zugriff auf alle Transaktionsdaten, die dafür ausreichen, eine Person eindeutig zu identifizieren und auch den Einkauf zuzuordnen. In Gang kommt diese Maschinerie angeblich immer dann, wenn ein Kunde auf eine Werbeanzeige für ein Produkt klickt und den Onlineshop dann ohne etwas zu kaufen wieder verlässt. Hat der Kunde das Produkt dann Offline gekauft, gilt die Werbeanzeige ebenfalls als Erfolg.

Laut Angaben von Bloomberg dürften sich beide Unternehmen darüber bewusst sein, dass hier jede Menge Datenschutz-Probleme auftauchen und haben deswegen auch nicht weniger als vier Jahre lange verhandelt, bevor es den Zugriff gegeben hat. Google äußerte sich auf Nachfrage und hat einen solchen Zugriff bestätigt, diesen aber natürlich stark verharmlost dargestellt und verspricht vollständigen Datenschutz:

Before we launched this beta product last year, we built a new, double-blind encryption technology that prevents both Google and our partners from viewing our respective users’ personally identifiable information. We do not have access to any personal information from our partners’ credit and debit cards, nor do we share any personal information with our partners. Google users can opt-out with their Web and App Activity controls, at any time.




Beide Unternehmen sollen also keinen direkten Zugriff auf diese Verknüpfungen haben, sondern lediglich die Ergebnisse bekommen, die dann zur Auswertung verwendet werden. Wer dies nicht möchte, kann die „Web- und Aktivitäten“ deaktivieren – verliert dadurch aber viele weitere Funktionen. Das ist übrigens der gleiche leicht schwammige und schwer verständliche Menüpunkt, mit dem sich auch die Sammlung von Standortdaten deaktivieren lässt.

Für Google sind solche Daten natürlich hochinteressant und könnten auch dafür genutzt werden, die neuen geplanten Outdoor-Werbetafeln mit Tracking-Methoden auszustatten – insbesondere dann, wenn sie direkt neben den Geschäften stehen. Schon in der Vergangenheit hat Google die Standortdaten der Maps dazu verwendet, immerhin annähernd herauszufinden, ob der Nutzer nach dem Klick auf einen Werbebanner in einem Geschäft war, in dem es gekauft werden könnte.

An dieser Stelle kommt auch wieder Google Pay ins Spiel, mit dem Google auch in den Zahlungsprozess involviert wird und so sehr genau weiß, in welchen Geschäften die Nutzer einkaufen. Zwar wurde versprochen, diese Daten nicht für Werbezwecke zu verwenden, aber das wurde nur mündlich von Unternehmens-Sprechern ausgesprochen und nicht in den Datenschutzrichtlinien festgesetzt. Es könnte auf jeden Fall ein weiterer Weg sein, mit Google Pay Geld zu verdienen.

UPDATE: Statement von Mastercard

Die Grundlage, auf Basis derer berichtet wurde, ist falsch. So wie das Netzwerk von Mastercard funktioniert, kennen wir keine einzelnen Artikel, die ein Verbraucher in einem physischen oder digitalen Warenkorb kauft. Es werden keine individuellen Transaktions- oder Personendaten zur Verfügung gestellt. Das entspricht der Erwartung an die Privatsphäre von Verbrauchern und Händlern auf der ganzen Welt. Bei der Bearbeitung einer Transaktion sieht Mastercard lediglich den Namen des Händlers und den Gesamtbetrag des Kaufs des Verbrauchers, nicht aber bestimmte Artikel.
 
Bei Mastercard bietet der Media Measurement Service Händlern und deren Dienstleistern an, die Effektivität von Werbekampagnen zu messen. Händler geben uns Informationen über ihre Werbekampagne, wie z.B. Start- und Enddatum, und Mastercard liefert ihnen eine Einschätzung zur Ausgabenentwicklung innerhalb dieser Zeit.
 
Mit diesem Service stellen wir Händlern und ihren Dienstleistern nur Trends zur Verfügung, die auf aggregierten und anonymisierten Daten basieren, wie z.B. der durchschnittlichen Ticketgröße und dem Verkaufsvolumen des Händlers. Wir bieten keine Einblicke, die die Werbewirkung einzelner Konsumenten verfolgen, aufbereiten oder gar messen.

Siehe auch
» Große Änderungen in Googles Werbegeschäft: Die Marken AdWords & DoubleClick verschwinden
» Google Pay wächst: Mobile Payments-App Tez wird umbenannt & internationaler Rollout vorbereitet

[The Verge]


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