Praktische Google Maps Funktionen: Ohne die ständige Standorterfassung wären sie nicht möglich

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In den letzten zwei Wochen wurde sehr viel über Googles Erfassung von Standortdaten diskutiert und es ist sehr gut möglich, dass aufgrund dessen die nächste riesige Strafzahlung mit Auflagen auf das Unternehmen zukommt. Doch so sehr einige Menschen darüber empört sind, umso mehr wundern sich viel Nutzer, Beobachter und vermutlich auch das Unternehmen selbst über die Diskussionen. Tatsächlich wären viele Google-Angebote ohne diese ständige Standorterfassung gar nicht möglich.


Vor gut zwei Wochen wurde bekannt, dass Google den Standort der Nutzer trotz deaktiviertem Standortverlauf erfasst und auf den eigenen Servern speichert. Dabei handelt es sich aber nicht um ein Versehen, wie wenige Monate zuvor bei den Mobilfunkmasten, sondern um ein Missverständnis der Nutzer. Erneut angefeuert wurde die dadurch entstandene Diskussion durch die Studie zur ständigen Standorterfassung der Android-Nutzer – die mehr Fragezeichen als Ausrufezeichen gesetzt hat.

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Der Standort des Nutzers kann auf mehreren Wegen festgestellt werden: Ganz grob über die IP-Adresse, genauer über die Mobilfunkmasten, sehr viel genauer per GPS oder auch je nach Abdeckung noch exakter per WLAN-Triangulation. Google nutzt diese Möglichkeiten dafür, den Standort der Android-Nutzer festzustellen und speichert diesen auch im Konto des Nutzers. Hat man den Standortverlauf aktiviert, dann möchte man das vielleicht auch und sieht Vorteile darin, minutiös das eigene Bewegungsprofil nachzuvollziehen.

Hat man den Standortverlauf deaktiviert, dann heißt das aber natürlich nicht, dass der Standort nicht erfasst wird. Schon die Bezeichnung deutet darauf hin, dass hier nicht die Erfassung deaktiviert wird. Wer dann Google Maps öffnet oder über die Websuche Anfragen mit lokalem Bezug eingibt, der möchte natürlich ebenfalls, dass der Standort verwendet wird – und genau das tut Google auch. Dass diese Erfassung auch bei der Abfrage nach Schokokuchen aktiv wird, wirft kein gutes Licht auf diese Funktion, dürfte sich aber wohl durch die Hintergrundverarbeitung solcher Anfragen erklären lassen.

Wer auch das nicht möchte, hat die Möglichkeit, die Web- und App-Aktivitäten zu deaktivieren, muss dann aber damit rechnen, dass viele Google-Dienste nicht mehr korrekt funktionieren können. Ohne Standort eben kein Wetter, keine Routenplanung, keine Assistant-Erinnerungen und so weiter.



Google hat schnell erkannt, dass das Missverständnis des Standortverlaufs keine kleine Sache ist und hat schon nach wenigen Tagen reagiert: Die Formulierung dieser Funktion wurde geändert und stellt nun klar, dass der Standort dennoch erfasst werden kann. Derzeit nur in englischer Sprache, aber die deutsche Formulierung und die weiteren Internationalisierungen dürften früher oder später folgen. Das hat einen Nutzer in den USA aber nicht davon abgehalten, Klage gegen Google einzureichen.

Eine Studie mit Folgen
In dieser Woche hat sich die Diskussion um die Standorterfassung allerdings etwas gedreht und wurde durch eine Studie erneut angefacht: Diese besagt, dass ein Android-Smartphone mehrere Hundert mal pro Tag den Standort versendet und Google praktisch ein sehr genaues Protokoll darüber gibt, wo sich der Nutzer befindet. Wohlgemerkt geschah das mit aber MIT aktiviertem Standortverlauf – ist also ein erwartetes Verhalten. Dennoch fiel diese Studie auf fruchtbaren Boden.

Google hatte diese Studie schnell zurückgewiesen und den Inhalt infrage gestellt – aber sie wird bei den Untersuchungen von Behörden und der bereits eingereichten Klage, die sich schnell zu einer Sammelklage entwickeln kann, eine wichtige Rolle spielen. Auch bei den Untersuchungen der EU-Kommission zu Google Maps stößt sowas immer auf offene Ohren. Dann wiederum könnte das wieder einmal Folgen haben, die eigentlich niemand möchte. Zuletzt wurde Google mit einer Milliarden-Strafe gegen Android belegt, die am Ende das gesamte Ökosystem und Custom ROMs gefährden kann.

Wenn es nun ganz dumm läuft, könnte eine solche automatische Erfassung unterbunden werden, die die Grundlage für einige praktische Funktionen bietet, die sicher von vielen Nutzern gerne verwendet werden. Soweit ist es zwar noch lange nicht, aber durch die aktuelle Diskussion – die weit über das Sommerloch hinaus geht – kann sich das schnell hochschaukeln. Interessant sind derzeit vor allem die Kommentarspalten der Medien mit solchen Meldungen.

Während die einen sich empören und Google in die Schranken weisen wollen, sind viele andere nicht überrascht und können die Aufregung nicht verstehen. Wenig überraschend zähle ich mich selbst übrigens zur letzten Gruppe. Wer nur kostenlose Angebote nutzen möchte, der muss auf irgendeine Art und Weise seinen Anteil bringen – das gleiche Thema wie bei den Werbeblockern.



So werden die Daten verwendet
Google verwendet die Standortdaten der Nutzer vor allem für Google Maps und die Websuche: Funktionen wie Stau-Informationen basieren sehr stark auf den Standorten der „Crowd“, also der Masse an Menschen. Genau das gleiche bei Wait Times, Popular Times, der Einstufung von wichtigen Gebieten in Google Maps und vieles mehr. Auch die smarte Routenplanung ist auf diese Daten angewiesen. Die Parkplatz-Statistiken wären ebenso wenig möglich.

Für diese Dienste kommen die Daten in anonymisierter Form zum Einsatz. Das Nutzer X jeden Tag im gleichen Stau steht, wird zwar im Standortverlauf notiert, interessiert die Funktionen in Google Maps aber nicht. Hier geht es einfach nur darum, dass gerade 100 Nutzer im Auto sitzen und sich seit einigen Minuten nicht bewegen = Stau. Das ist vereinfacht dargestellt, aber so und nicht anders funktionieren solche Systeme.

Ich bin gespannt, wie sich diese Diskussion fortsetzen wird und ob Google Änderungen an der Art und Weise der Erfassung vornehmen muss. Was durch falsche Stimmungmache passieren kann, sehen wir seit Jahren am Flickenteppich Streetview in Deutschland. Wenn auf gleiche Weise ein Großteil der Nutzer die Standorterfassung deaktiviert, dann wird die Genauigkeit dieser Funktionen natürlich ebenfalls eingeschränkt. Hoffen wir, dass es nicht so kommt.

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