Fuchsia: Googles neues Betriebssystem soll nun auf den Desktop – könnte Chrome OS bald ersetzt werden?

fuchsia 

Googles neues Betriebssystem Fuchsia hat in den letzten Wochen nach einer längeren Durststrecke große Fortschritte gemacht und könnte schon bald Anlauf auf neue Geräteklassen nehmen. Dabei ist es nicht ausgeschlossen, dass es zulasten anderer Betriebssysteme geht und derzeit scheint Chrome OS im Fadenkreuz zu sein. Aber wie könnte eine Koexistenz der beiden Plattformen aussehen?


fuchsia chrome logo

Wir verfolgen Googles neues Betriebssystem Fuchsia hier im Blog schon seit gut vier Jahren und intern kann man wohl nochmal ein bis zwei Jahre drauflegen, in denen das Unternehmen bereits am Projekt bastelt. Doch so sehr die Fuchsia-Sourcen öffentlich zugänglich sind, so sehr hält man sich auf der anderen Seite mit zukünftigen Plänen bedeckt. Man kann immer wieder den Eindruck gewinnen, dass es selbst intern noch keine langfristigen Pläne oder Roadmaps für einen breiten Rollout gibt.

Seit einigen Monaten wird Fuchsia für Smart Displays ausgerollt und in dieser Woche hat man den finalen Rollout für alle Nest Hub-Nutzer gestartet. Allerdings findet dieses Upgrade von Cast OS auf Fuchsia soweit unter der Haube statt, dass man es als Endnutzer überhaupt nicht bemerkt, sodass man eigentlich gar nicht von einem echten Upgrade sprechen kann. Nachdem dieser Prozess abgeschlossen ist, könnte man das Nest Hub 2 in Angriff nehmen – und danach?

Man wird natürlich nicht an dieser Stelle stehenbleiben, sondern weitere Geräteklassen in Angriff nehmen, auf denen man das Betriebssystem einsetzen kann. Und tatsächlich zeichnet sich ab, dass als nächstes Chrome OS im Fadenkreuz ist, das durch Fuchsia ersetzt werden könnte. Aber wie könnte das aussehen?




fuchsia desktop

Vor einigen Wochen hatte ich eine Liste mit Betriebssystemen bzw. Geräten veröffentlicht, die langfristig im Kern durch Fuchsia ersetzt werden könnten. Dabei hatte ich mich auf Smart Displays, Android TV-Geräte sowie auf Wear OS bezogen. Die Smart Displays erscheinen recht wahrscheinlich, Android TV wäre das nächste logische Ziel nach den Smart Displays und rund um Wear OS ist noch immer alles möglich. Doch Fuchsia steuert nun in eine andere Richtung.

For all intent and purpose, Fuchsia is a desktop platform.

Wie nun bekannt wurde, ist Fuchsia ein Desktop-Betriebssystem und nimmt somit den großen Markt der Desktop-Geräte in Angriff – zumindest soll das die derzeitige Strategie sein. Zwar würde ich Smart Displays nicht unbedingt als Desktop-Plattform bezeichnen, doch als erster Testlauf sind die Geräte sicherlich sehr gut geeignet. Danach wird man sich dann aber wohl in die Richtung bewegen, die man derzeit im Auge hat: Dem Desktop.

Fuchsia vs. Chrome OS
Fuchsia soll also in Konkurrenz zu Windows, den diversen Linux-Oberflächen, Mac OS und eben auch das hauseigene Chrome OS treten. Sollte es einen erneuten stillen Rollout geben, könnte man dies natürlich nur auf den Chromebooks durchführen. Aber hat es der Chrome OS-Kern wirklich nötig, gegen einen neuen Kern ausgetauscht werden zu müssen? Ich stecke technisch nicht drin, aber aus meiner Sicht und der Beobachtung der letzten Jahre würde ich diese Frage eher mit Nein beantworten.

Die Weichen sind allerdings eindeutig in Richtung Chrome OS gestellt: Nicht nur die Ausrichtung auf den Desktop wurde bekannt, sondern auch die Portierung des Chrome-Browsers zu Fuchsia. Die Chromium-Engine war schon lange Zeit Bestandteil von Fuchsia, doch nun geht es um den vollständigen Browser. Das ist ein Schritt, der eher weniger zu Fuchsia passt und möglicherweise der Tatsache geschuldet ist, dass man eine Chrome OS-Oberfläche nachbauen muss. Schon damals sahen die ersten Fuchsia-Screenshots überraschend stark nach Chrome OS aus. Allerdings hat sich Chrome OS seitdem verändert und die Fuchsia-Oberflächen wurden verworfen.




Fuchsia Capybara Screenshot

Oben seht ihr einen Screenshot von der damaligen Fuchsia-Oberfläche. Weil diese verworfen wurde, haben sie keine Bedeutung mehr, aber dennoch zeigte es schon damals, wie sich Google solche Desktop-Oberflächen vorstellt. Mit der Erfahrung des Smart Display-Rollouts spricht nicht viel dagegen, auch Chrome OS im höchst experimentellen Canary-Kanal erste Fuchsia-Luft schnuppern zu lassen. Ein Austausch könnte ähnlich wie bei den Smart Displays mit einem Upgrade und ohne Wissen der Nutzer stattfinden. Es geht nur um den Kern, nicht um die Oberfläche oder die sonstigen Schnittstellen, mit denen die Nutzer interagieren.

Wird Chrome OS ersetzt?
Fuchsia ist erst einmal nur der zentrale Kern, aber warum muss man in diesen den Chrome-Browser integrieren? Das passt nicht zusammen, denn der Browser (nicht die Engine) steht auf der obersten Stufe und hat nichts mit dem Kern zu tun. Für mich spricht das dafür, dass das gesamte Betriebssystem durch Fuchsia ersetzt wird. Weil bei Chrome OS sehr vieles im Browser stattfindet, könnte man ein solches Mammutprojekt wohl einfacher umsetzen, als man es zuerst denken würde.

Die Alternative wäre, dass Fuchsia auf ganz neue Geräte ankommt und damit in direkte Konkurrenz zu Chrome OS geht. Das wäre zwar der typische Google-Stil, aber ich halte es für unwahrscheinlich, dass man für Fuchsia eine neue Geräteklasse schafft. Die Chromebooks sind etabliert und wären die optimale Plattform. Alternativ müsste man Windows-Nutzer überzeugen, ein alternatives Betriebssystem zu installieren – aber das ist ein solch extremer Schritt, das das nur wenig Aussicht auf Erfolg hätte.

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