Android ohne Google: Google vergibt in der Türkei keine neuen Android-Lizenzen mehr – gilt für alle Hersteller

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Google hat sich mit Android ein riesiges Ökosystem aufgebaut, das von vielen Smartphone-Nutzern außerhalb Chinas mit allen Bestandteilen erwartet wird: Betriebssystem, Play Store und Google-Apps. Aufgrund politischer und gesetzlicher Hürden gab es in der Vergangenheit immer wieder Fälle, in denen Google bestimmten Herstellern die Play Store-Lizenz entziehen musste – und jetzt gilt das gleich für ein ganzes Land. In der Türkei wird es vorerst keine neuen Smartphones mehr mit vorinstallierten Google-Apps geben.


Seit einigen Tagen ist in Deutschland das erste Flaggschiff-Smartphone ohne Google-Dienste auf dem Markt, das Huawei Mate 30 Pro. Aus bekannten Gründen ist es Huawei aktuell nicht möglich, ein neues Smartphone mit dem Google Play Store und den vielen Google-Diensten auf den Markt zu bringen, sodass man sich mit Alternativen behelfen muss. Wie es in dieser Geschichte weitergeht, wird vor allem die Politik entscheiden, wobei es mit zunehmender Dauer eher negative Folgen für Google haben könnte.

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Google schneidet nun erstmals ein ganzes Land vom eigenen Android-Ökosystem ab. Laut einem Bericht soll Google alle Mobilfunkbetreiber in der Türkei darüber informiert haben, dass man ab sofort keine neuen Lizenzen mehr vergibt und neue Smartphones somit in der Türkei ohne vorinstallierte Google-Dienste auf den Markt kommen müssen. Es ist das gleiche Spiel wie mit Huawei, nur dass es diesmal alle Smartphone-Hersteller trifft – aber auch nur in der Türkei.

Der Grund für diesen Schritt reicht schon einige Zeit zurück und begann mit einer Klage der Suchmaschine Yandex, die sich von Googles Monopol auf Android gestört fühlte. Daraus ergab es sich schon vor einiger Zeit, dass Google den Nutzern bei der ersten Einrichtung die Wahl zwischen verschiedenen Suchmaschinen geben musste. Doch diese Umsetzung reichte einem türkischen Gericht nicht aus, sodass nun eine Strafe in Höhe von täglich 0,05 Prozent des Umsatzes verhängt wurde, so lange die Umsetzung nicht angepasst wurde.

Weil Google diese Strafe umgehen möchte, zieht man nun einfach vollständig den Stecker und wird vorerst keine neuen Android-Smartphones mehr für den türkischen Markt freigeben. Alle bereits am Markt befindlichen Geräte sind davon unberührt und können weiter produziert und verkauft werden. Gleiche Situation wie bei Huawei.



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Google hat nun angekündigt, in Ruhe nach einer Lösung suchen zu wollen und hat mit dem Lizenz-Stopp nun erst einmal Druck vom Kessel nehmen – mit Sicherheit die richtige Entscheidung. Die Frage wird es sein, welche Auswirkungen das kurzfristig oder auch langfristig haben wird. In den nächsten Wochen und Monaten wird sich nichts ändern, aber sollte auch dieser Prozess etwas länger dauern, kann sich der türkische Markt schnell verändern.

Weil es nur ein einziges Land betrifft, ist es gut möglich, dass einige Smartphone-Hersteller keine neuen Android-Smartphones für die Türkei auf den Markt bringen und stattdessen den Verkauf der alten Modelle weiter forcieren. Die Nutzer könnten sich einfach damit behelfen, Geräte aus dem Ausland zu importieren, wobei ich mir nicht sicher bin, ob die Netzbetreiber dies aufgrund der gerichtlichen Situation unterbinden müssen.

Hierzulande wird es niemanden betreffen, aber es zeigt, wie schnell Google mittlerweile bereit ist, den Stecker zu ziehen und somit auch die Machtposition auszunutzen. Denn nun werden wohl auch die Netzbetreiber und Smartphone-Hersteller Druck machen und auf ein schnelles Ende des Verfahrens hoffen.

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[Reuters]


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comment 7 Kommentare zum Thema "Android ohne Google: Google vergibt in der Türkei keine neuen Android-Lizenzen mehr – gilt für alle Hersteller"

  • Leider zieht Google auch auf YouTube bei kritischen Stimmen einfach mal so den Stecker. Zum Glück haben sich gestern 40 YouTuber zusammengeschlossen, um für eine Woche YouTube zu bestreiken und sich auf BitChute verabschiedet und die Community gebeten, ihnen zu folgen, anstatt selenruhig abzuwarten, bis leise, still und heimlich ein YouTuber nach dem anderen nach der Demonetarisierung nun auch einfach der Mund verboten wird. Meinungsfreiheit ist das wichtigste Gut der Demokratie! Schließ Dich an, denn wie sagte schon mein Großvater:
    Alle Räder stehen still, wenn Dein starker Arm es will!
    Alles fängt mit dem ersten Schritt an. Wir streiken gegen die willkürliche Zensur auf YouTube! #YouTubeStreik

    • Auch hier? 😀
      Dann frage ich auch hier: Welche Kanäle sind denn das so? Gibt es da Namen dazu? Mich würde deren Inhalt, also der Grund für die Maßnahme, interessieren.

  • Das mag ja für Google alles gut und richtig sein, eine Strafe von 0,05% des täglichen Umsatzes zu sparen, benutzerfreundlich ist das aber nicht. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass es dringend eine Alternative für den Playstore bzw. die Play Services geben muss. Und am Besten eine, die nicht von einem einzelnen Unternehmen kontrolliert wird, sondern von einer unabhängigen Organisation. Am Besten wäre die UNO geeignet. Das wird aber nichts werden, weil dies unabhängige Organisation sich ja leider irgendwie finanzieren muss. Wenn da was kommerzielles entstehen sollte, dann in Asien. Wenn Huawei da was aufbaut (die haben die finanzielle Kraft dazu), und dann Xiaomi mitmacht und dann vielleicht Ganze auch für Samsung interessant wird…

  • @Thomas Höllriegl

    Danke für Deine erneute Anfrage. Klick bitte unter dem Video „DÜ: #YouTubeStreik – Youtuber schließen sich zusammen – Unsere Zukunft als Produzenten“ auf mehr anzeigen, da findest Du eine Liste, von YouTubern, die sich symbolisch als Zeichen gegen Zensur für diesen Streik zusammengetan haben.

    Im Video selbst geben die Teilnehmer ein Statement über ihre Erfahrungen ab. Miro Wolfsfelds Kanal UnBlogd wurde obwohl er nur einen Strike hatte ohne Angaben von Gründen seitens YouTube komplet und ohne Vorankündigung gelöscht.
    Siehe: YouTube löscht Kanal UNBLOGD: Jetzt spricht Miró Wolsfeld

    Dies brachte das Fass der geschundenen Community zum Überlaufen. Andere wie z.B. NuoViso, denen es zuvor ähnlich ergangen war, konnten mit Anwälten erfolgreich gegen Facebook bzw. YouTube vorgehen weil sie beweisen konnten, dass diese Firmen gegen geltendes Recht verstoßen haben. Zu diesem Zweck hatte RA Steinhöfl eine Plattform ins Leben gerufen, bei der er Präzedenzfälle dank Spenden aus der Community vertreten hat.
    Siehe: YouTube löschte Kanal von „Neverforgetniki“

    Im Fall Martin Sellner dauerte es über ein Jahr bis zum Urteil, aus dem hervorgeht, dass sich die Staatsanwaltschaft zum Nachteil Sellners Gründe für die Anklage nur ausgedacht hat. Die Medien, die zuvor gegen Sellner „informierten“, beschränken sich nun höchstens auf einen 3-Zeiler zur Richtigstellung.

    • Ich kenne den Kanal von „Miro“ nicht, habe aber durch googlen erfahren, dass er gegen den Islam gehetzt haben soll. Sollte das der Fall gewesen sein, dann ist die Sperre wohl berechtigt. Hetzen geht ja auch ohne Schimpfworte oder laut zu werden. Und aktuell ist die Debatte rund um den Fremdenhass im Netz so präsent, dass ist nicht wirklich verwundert, dass Google lieber Kanäle mit solch sensiblen Themen los wird, als für deren Inhalte zu haften. Da kann man Google eigentlich auch keinen Vorwurf machen, denn Verursacher der Haftungsproblematik ist der Gesetzgeber. Natürlich wird sich sowas rächen, denn statt Verboten sollte der Dialog (auch im Netz) im Vordergrund stehen. Aber erklär das mal der Generation, die ohne Internet aufgewachsen ist. Langfristig fördern sie damit jedenfalls nur eine Parallelgesellschaft in geschützten digitalen Räumen.

  • Miro Wolsfeld (UNBLOGD) „hetzt“ NICHT gegen jemanden oder gegenetwas, sondern informiert als Nachrichtenkanal über aktuelle Gegebenheiten. Dass dabei der Islam nicht gerade glänzend davonkommt ist nicht verwunderlich, bei der aktuellen Situation und Geschehnissen, welche im Namen des Islam geschehen.

  • Miro Wolsfeld schein zumindest kein Problem mit der rechtsradikalen Identitären Bewegung zu haben. So jemand informiert nicht, ebenso wenig wie Martin Sellner einfach nur ein Youtuber ist, sondern ein rechtsradikaler Politiker. Solche Leute betreiben keine Nachrichtenkanäle, sondern machen Hass und Hetze zum Geschäftsmodell. Schön, wenn Youtube etwas dagegen tut. Leider zu wenig, leider nur punktuell.

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