Urteil in Russland: Google wird Android App-Bündelung untersagt und muss andere Suchmaschinen zulassen

android 

Android als Betriebssystem hat mittlerweile Marktanteile über 80 Prozent erreicht und ist für Google ein wichtiges Werkzeug zur Verbreitung der eigenen Angebote. In Russland ist dem Unternehmen diese Bündelung des Betriebssystems mit den eigenen Produkten nun zum Verhängnis geworden und hat sehr teure Folgen: Google muss eine Strafe zahlen und muss in Zukunft andere Dienste dulden und in einem Punkt sogar promoten.


Android steht praktisch in zwei verschiedenen Versionen für die Smartphone-Hersteller zur Verfügung: Zum einen die Grundversion ohne Google-Dienste und die von Google zertifizierte Version mit dem Zugang zum Play Store. Praktisch alle großen Hersteller wählen die zweite Variante, da die Nutzer ein Smartphone ohne Zugang zum Play Store nicht akzeptieren und kaufen würden. Doch diese Bündelung könnte in Zukunft deutlich schwieriger werden.

android google broken

Die russische Suchmaschine Yandex hat schon vor über eineinhalb Jahren Klage gegen Google eingereicht und hat die Bündelung des Betriebssytems mit den Apps angeprangert. Aber nicht nur das war das Hauptproblem, sondern auch die Tatsache dass Googles Verträge die Vorinstallation von Konkurrenz-Apps untersagen – womit Yandex und allen anderen Anbietern die Hände gebunden sind. Doch damit ist nun zumindest in dem Riesenland Schluss, wie ein Gericht nun geurteilt hat.

Google muss eine vergleichsweise geringe Strafe von 7,8 Millionen Dollar zahlen und muss gleichzeitig die Konkurrenz-Klausel aus den Verträgen streichen. Das bedeutet, dass Hersteller in Zukunft zwar auch weiterhin Googles Apps vorinstallieren müssen, aber auch Apps der Konkurrenz gleichzeitig mit ausliefern dürfen. Für Smartphone-Hersteller brechen damit zumindest in Russland goldene Zeiten an, denn natürlich lassen sie sich die Vorinstallation fürstlich bezahlen und haben so eine zusätzliche Einnahmequelle.



Noch viel mehr dürfte Google aber der letzte Punkt des Urteils weh tun: Es dürfen zukünftig nicht nur andere Suchmaschinen vorinstalliert sein, sondern der Nutzer muss diese auch sehr leicht wechseln dürfen. Google muss ein Tool entwickeln dass die einfache Änderung dieser Standard-Suchmaschine im Betriebssystem ermöglicht. Vermutlich muss dieses dann auch bei der Einrichtung des Smartphones gestartet und dem Nutzer die freie Wahl geboten werden.

Das ganze erinnert sehr stark an das berühmte Browser-Popup einiger Windows-Versionen, als Microsoft dazu verdonnert wurde auch andere Browser als den Internet Explorer zur Wahl zu stellen.

Für Google kann das in Zukunft noch zu einem Problem werden, denn dieses Urteil dürfte natürlich App-Entwickler rund um die Welt interessieren und ermutigen ein ähnliches Verfahren anzustrengen. Erst im vergangenen Monat hat Yandex die Klage auf die Türkei ausgeweitet und schiebt dort ein sehr ähnliches Verfahren an. Nun wird man sich vermutlich das Russland-Urteil als Präzedenzfall nehmen und hat so gute Chancen diese Bündelung auch in anderen Ländern zu untersagen.

[9to5Google]



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