Google Maps : Die Menschen hinter dem Steuer – ein Streetview-Fahrer spricht über seine Erfahrungen

streetview 

Googles Streetview-Fahrzeuge sind seit vielen Jahren rund um die Welt unterwegs und halten die Umgebung für die Straßenaufnahmen in Google Maps stets einigermaßen aktuell. Doch diese Fahrzeuge sind natürlich nicht autonom unterwegs, zumindest noch nicht, sondern werden von Menschen gesteuert. Die Fahrer haben es dabei nicht immer leicht, denn sie sind die Projektionsfläche und einzige Anlaufstelle der Menschen für das Produkt. Ein Fahrer gibt einen interessanten Einblick in seinen Arbeitsalltag und die Probleme als Google Maps-Fahrer. Und Google Maps kann noch viel mehr.


Google Maps Streetview erfreut sich rund um den Globus sehr großer Beliebtheit und wird von immer mehr Nutzern für viele praktische Funktionen innerhalb von Google Maps verwendet. Während es zu Beginn eher um die Faszination des Entdeckens bekannter und unbekannte Orte ging, dürfte mittlerweile der praktische Einsatz bei der Navigation, der Fußgänger-Navigation oder einfach dem Erkunden von Reisezielen oder Geschäften im Mittelpunkt stehen.

google streetview car

Streetview wird in sehr vielen europäischen Ländern angeboten und geschätzt, allerdings nur aus Sicht des Google Maps-Nutzers. Laut Googles früheren Aussagen ist Streetview insbesondere in Deutschland sehr populär, den die Deutschen verreisen offenbar sehr gerne auch virtuell. Doch sobald das Fahrzeug dann vor dem eigenen Haus auftaucht, verstehen viele Menschen keinen Spaß mehr – die Situation und die Folgen sind hinlänglich bekannt.

streetview car open small

Dennoch schickt Google auch in Deutschland regelmäßig Streetview-Fahrzeuge auf die Straße, die zwar über den bekannten Kamera-Aufbau verfügen und Millionen von Fotos anfertigen, hat aber versprochen, diese nicht zu verwenden. Das ändert aber nichts daran, dass die Fahrzeuge bzw. die hinter dem Steuer sitzenden Fahrer immer wieder Anfeindungen ausgesetzt sind – nicht nur in Deutschland. Im vergangenen Jahr hat ein Streetview-Fahrer, der aus diversen Gründen anonym bleiben wollte, interessante Einblicke in seinen Arbeitsalltag gegeben.

Die Aussagen in dem Interview beziehen sich nicht direkt auf ein Land, eine Zeitspanne und auch nicht unbedingt auf diesen einen Fahrer, aber dennoch ist es ein interessanter Einblick in den Job, der weit mehr als nur Taxifahrer für einen Kamera-Aufbau ist.



google maps streetview inside the car

Erst vor wenigen Tagen haben wir einen interessanten Einblick in ein Streetview-Fahrzeug bekommen und nun beschreibt der Fahrer sein Equipment und die Technologien noch etwas näher: Im Fahrzeug befindet sich neben den Technologien zur Aufzeichnung unter anderem auch ein Tablet, über das der Fahrer sehr genaue Anweisungen bekommt. Natürlich bekommt er Routen vorgegeben, muss diese aber nicht exakt abfahren, sondern kann sich je nach Verkehrslage oder anderen praktischen Gründen für eigene Routen entscheiden. Lässt er einige Straßen aus, müssen diese aber natürlich später befahren werden. Wichtig ist, dass am Ende der Aufgabe alle zuvor Blau gefärbten Straßen nun in Grün gefärbt und somit erfolgreich aufgenommen und digitalisiert worden sind.

Das sieht aus wie eine Navigationsseite. Du bekommst ein Telefon, über das du einen Hotspot hast und auf dem Rücksitz hast du einen riesigen Kasten. Da wird eine Festplatte reingepackt.

Besonders interessant ist es, wie die Daten ihren Weg in das Google-Hauptquartier finden. Sie werden nicht etwa über die Cloud hochgeladen oder Live an Google-Server gesendet, sondern werden tatsächlich ganz klassisch per Post versendet. Sobald die Festplatte voll ist, nimmt der Fahrer sie heraus, sendet sie an Google und bekommt im Gegenzug eine leere Festplatte zurück. Bei solchen Datenmassen verständlich, aber dennoch recht überraschend. Es ist gut möglich, dass sich das mittlerweile geändert hat.

Wenn die Festplatte voll ist, muss ich sie mit Hilfe eines Versandhandels sofort in die USA schicken und bekomme im Austausch eine leere Festplatte zurück.

Der Job wird vom Fahrer als sehr interessant beschrieben und scheint sehr attraktiv zu sein – zumindest für kurze Zeit. Der Vergleich mit dem Entdecker ist vielleicht ein bisschen weit hergeholt, denn die Fahrzeuge fahren ja zumeist nur in bewohnten Gebieten und nicht mitten in der Wüste, aber dennoch scheint es für die Dauer des Auftrags eine angenehme Aufgabe zu sein.

Ich fühle mich wie ein Entdecker bei der Vermessung der Welt. Wie Humboldt, zum Beispiel. Wenn du weißt, wofür es gemacht wird, dann macht es schon alles Sinn. Denn im Endeffekt nutzt doch sowieso ungefähr jeder Google.



Der Job hat aber nicht nur angenehme Seiten, sondern kann zum Teil auch gefährlich werden und den Fahrer in brenzlige Situationen bringen. Aufgrund der Diskussionen rund um Streetview sind die Fahrzeuge und die Fahrer einiger Gewalt ausgesetzt. 20 Prozent der Menschen, so schätzt der Fahrer, zeigen den Mittelfinger oder andere Grimassen. Aber das ist natürlich lange nicht alles, denn es gibt auch echte Gewalt: Einige Menschen schlagen gegen die Fahrzeuge, gegen die Kamera oder schneiden gar die Kabel des Kamera-Aufbaus durch. Die Aufbauten haben übrigens den Wert eines Einfamilienhauses und sollen somit natürlich besonders vom Fahrer geschützt werden – aber natürlich nur dann, wenn keine echte Gefahr herrscht.

Tatsächlich gibt es auch eine einfache Richtlinie für das Verhalten bei einem Angriff: Gas geben.

Die meinten, dass man für das Unternehmen nicht die eigene Gesundheit aufs Spiel setzen muss.

Ein weiteres interessantes Detail ist die Bezahlung und die Arbeitsweise: In wenigen Wochen kann man einige Tausend Euro verdienen – näher geht der interviewte Fahrer leider nicht drauf ein. Außerdem kann man bei Regen zu Hause bleiben und bekommt auch diese Zeit bezahlt, wenn die Zentrale nachvollziehen kann, dass es tatsächlich geregnet hat. Hotelzimmer werden bei weiteren Fahrten natürlich ebenfalls vom Unternehmen bezahlt und auch sehr schnell und unkompliziert gebucht.

Das vollständige Interview mit weiteren Details findet ihr in der Quelle bei Der Westen.

Siehe auch
» Google Maps: Ein Blick in das Streetview-Fahrzeug & die Streetview-Fahrer in kuriosen Situationen (Galerie)

» Android Auto: Volvo XC40 – das erste Fahrzeug mit Googles neuem Android Automotive (Galerie & Video)

Google Maps: Klimaproteste & Auswirkungen werden in Echtzeit auf Googles Kartenplattform dargestellt

[Der Westen]


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