Project Dragonfly: Google-CEO Sundar Pichai verteidigt die Pläne für die neue chinesische Suchmaschine

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Seit mittlerweile mehr als zwei Monaten sorgt das Projekt Dragonfly sowohl intern als auch extern von Google für große Diskussionen. Es geht um nichts Geringeres als den Wiedereinsteig in den sehr lukrativen chinesischen Markt, der aber laut offiziellen Angaben längst noch nicht beschlossen ist. Jetzt hat Google-CEO Sundar Pichai, der sich in letzter Zeit sehr rar gemacht hat, das Projekt erneut verteidigt.


Vor einigen Jahren ist Google komplett aus dem chinesischen Markt ausgestiegen und hat diesen erst einmal den aufstrebenden lokalen Unternehmen überlassen – da man mit der staatlichen Zensur- und Überwachungspolitik nicht einverstanden war. Doch mittlerweile scheint sich Googles Haltung geändert zu haben – don’t be evil ist bekanntlich gestrichen – und so plant man nun einen erneuten Einstieg in den Markt, der potenzielle Milliardenumsätze verspricht.

sundar pichai

Auf einer IT-Konferenz hat Sundar Pichai nun Stellung zu dem Projekt bezogen und verteidigt es damit, dass es sich dabei derzeit eher um ein Research-Projekt als um ein konkretes Produkt handelt. Es sei noch nichts entschieden (was natürlich auch heißt, dass man sich noch nicht dagegen entschieden hat), sondern man möchte nur herausfinden, wie Google aussehen würde, wenn es wieder in den chinesischen Markt einsteigen würde.

We wanted to learn what it would look like if Google were in China. That’s what we built internally. If Google were to operate in China, what would it look like. We are providing users access to information, freedom of expression, user privacy, but we also follow the rule of law in every country.

Natürlich müssen solche Überlegungen in einem Umsatz- und Gewinn-orientierten Unternehmen getroffen werden, doch dass ein Einstieg in diesen Markt gegen viele Werte verstößt, die man sonst so offenkundig vertritt, hat dann aber einen Beigeschmack und wird wieder einmal mit dem Ablegen von ‚Don’t be evil‘ i Verbindung gebracht. Dass sich das Unternehmen vor vielen Jahren aufgrund der vorgeschriebenen Zensur zurückgezogen hat, zeigt auch, dass man das Thema mittlerweile etwas anders sieht – obwohl sich an den gesetzlichen Grundlagen und der Politik kaum etwas geändert hat.




Pichai verteidigt die eventuelle neue Suchmaschine damit, dass man den Löwenanteil aller Suchanfragen weiterhin normal abarbeiten und lediglich bei unter 1 Prozent aktiv eingreifen müsste. Das mag statistisch korrekt sein, macht die Sache aber im Ganzen auch nicht besser.

What queries would we be able to serve? It turns out we would be able to serve well over 99% of the queries, and there are many, many areas where we would provide information better than what’s available.

Obwohl Pichai den eventuellen Einstieg verteidigt, tritt er doch immer wieder auch auf die Bremse. Fakt ist aber, dass es ein solches Experiment und die dazugehörigen Überlegungen nicht geben müsste, wenn man ohnehin nicht in den Markt einsteigen möchte.

We want to balance with what the conditions would be. It’s very early, we don’t know whether we would or could do this in China, but we felt that it was important for us to explore. I take a long-term view on this, I think it’s important for us given how important the market is, and how many users there are. We feel obliged to think hard about this problem and take a long view.

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[9to5Google]


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