Fuchsia: Scenic verwandelt Googles neues Betriebssystem in eine mächtige Spieleplattform

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In den letzten Wochen und Monaten haben wir uns viele Details rund um das neue Google-Betriebssystem Fuchsia angesehen und einen guten Eindruck davon bekommen, wie das Betriebssystem an der Oberfläche und im Hintergrund aufgebaut ist. Doch Fuchsia wäre kein Allrounder, wenn es nicht auch für Spiele konzipiert wäre. Deswegen geht es heute um Scenic – die Grafikengine des neuen Betriebssystems, mit der auch Spiele und die Virtual Reality Einzug halten.


Mit Fuchsia führt Google nicht nur viele neue Konzepte, sondern auch genauso viele neue Begriffe ein. Heute kommt zwar nur „Scenic“ dazu, aber dennoch kann ein gewisses Grundverständnis über Fuchsia nicht schaden. Wer möchte, kann sich hier noch einmal eine kurze Auffrischung aller bereits von uns vorgestellten „Vokabeln“ holen.

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Fuchsia soll zwar Allround sowohl auf dem Desktop als auch auf dem Smartphone, Tablet und vielen anderen Geräten des Internet of Things genutzt werden können, allerdings wird es bisher vor allem aus der App-Sichtweise betrachtet. Apps werden in Module ausgelagert und die einzelnen Funktionen vom Betriebssystem zu einer neuen Story zusammengesetzt und dann dem Nutzer präsentiert. Auch die Darstellung von Informationen ist gewissermaßen immer eine App, mit der man „arbeitet“.

Doch Fuchsia wäre kein Allround-Betriebssystem, wenn damit nicht auch gespielt werden könnte. Und tatsächlich scheinen Spiele schon von Anfang an eine wichtige Rolle zu spielen und sollen einige Fehler ausmerzen, die Google mit den ersten beiden Betriebssystemen begangen hat – das gilt übrigens auch für die grundlegende Struktur von Fuchsia. Natürlich hat Fuchsia also wieder ein Modul an Bord (was auch sonst), das für die grafische Darstellung verantwortlich ist.

Das magische Zauberwort ist Scenic, das an mehr Stellen zum Einsatz kommt, als man anfangs gedacht hätte. Scenic übernimmt die komplette Renderarbeit für die diversen Oberflächen und befindet sich in der Layer-Architektur in der Garnet-Ebene – also noch sehr tief im Kern.



material design layer

Scenic übernimmt die Darstellung der Oberfläche des Betriebssystems und allen darin ausgeführten Anwendungen. Tatsächlich geht man schon mit der Grundlage von Scenic einen neuen Weg und macht wieder einmal alles anders, als man es von anderen Betriebssystemen wie Windows, Mac OS oder auch Linux kennt. Bei Fuchsia wird nicht auf einen klassischen Fenstermanager gesetzt, der alle Elemente einzeln rendert und dann überlappend in 2D darstellt, sondern Scenic setzt komplett auf 3D. Das ist zwar derzeit noch nicht sichtbar, ermöglicht es aber, dass Apps und Spiele gar nicht mehr so verschieden voneinander sind.

Scenic erstellt eine 3D-Szene und platziert eine virtuelle Kamera, die die Sicht des Nutzers widerspiegelt. Fuchsia ist also gewissermaßen ein 3D-Betriebssystem, das durch diesen Aufbau Effekte wie Schatten und Spiegelungen ermöglicht, die vollautomatisch berechnet werden und nicht von den einzelnen Anwendungen kontrolliert werden müssen. Das macht insbesondere beim Konzept des Material Designs Sinn, das auf mehrere übereinander liegenden Ebenen beruht und ebenfalls stark auf solche Effekte setzt(e).

Aber Google wird wohl keine eigene Grafik-Engine in das Betriebssystem bringen, sondern setzt auf die Vulkan-Engine, die etwa mit OpenGL vergleichbar ist. Die Fuchsia-Geheimwaffe Flutter setzt auf Vulkan und ermöglicht so die plattformübergreifende Entwicklung von Spielen, die dann auch unter Fuchsia problemlos ausführbar sein sollten. Und so bringt Fuchsia dann auch alles mit, was Spieleentwickler benötigen und holt sich auch hier wieder unzählige Titel auf die Plattform, die wohl auch nie für das Betriebssystem konzipiert waren.

Ein großer Bruch könnte aber die Modularität sein, die bei Fuchsia wie kein zweites Thema im Mittelpunkt steht. Bei den meisten Spielen wird das wohl nicht möglich sein, da sich Spiele nicht in der Form sinnvoll aufteilen lassen. Vielleicht lassen sich Dinge wie die Server-Kommunikation beim Multiplayer gut auslagern, aber einen echten Sinn würde das bei Spielen nicht ergeben. Und so wird es wohl auch bei Fuchsia wieder der Fall sein, dass Spiele stets „Fremdkörper“ in einem Desktop-Betriebssystem sind.



amazon smart home

Aber nicht nur Spiele, sondern auch die Virtual Reality soll mit Fuchsia verstärkt Einzug in ein Google-Betriebssystem halten. Zu diesem Zweck unterstützt Scenic etwa auch Stereo Kameras, die zwei Ansichten gleichzeitig darstellen können. Wie das genau aussehen wird, ist noch unklar, aber als IoT-Betriebssystem wäre Fuchsia dann wohl auch sehr gut auf Datenbrillen denkbar und könnte viele Stärken ausspielen.

Dass Google auf irgendeine Art und Weise einen großen Einstieg in den Spielemarkt plant, ist schon seit längerer Zeit ein sehr heißes Gerücht. Befeuert wurde es erst Anfang des Jahres wieder dadurch, dass Phil Harrison zu Google gewechselt hat. Harrison ist einer der Väter hinter der Sony PlayStation und hat auch Microsofts XBOX vorangebracht. Der Mann kennt sich also mit dem Aufbau und Ausbau von Spieleplattformen aus. Da seine genaue Aufgabe bisher nicht kommuniziert wurde, ist ein Einsatz im Fuchsia-Team gut denkbar.

Am Ende stellt sich wieder die Frage, wie es mit Android und Chrome OS weitergeht, wenn Fuchsia zu einem vollständigen Allrounder ausgebaut wird. Aber möglicherweise kann sie auch Google selbst noch nicht beantworten.

[9to5Google]


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