Fuchsia: Googles potenzieller Android-Nachfolger wirft alle bekannten Konzepte über den Haufen

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Die ersten Gerüchte rund um Googles potenziellen Android-Nachfolger Fuchsia sind bereits im Sommer 2016 aufgetaucht, aber erst in den letzten Wochen gibt es immer mehr Informationen über das kommende Betriebssystem. Jetzt gibt es wieder neue Informationen über die interne Struktur des Betriebssystems, das sich nahezu vollständig dem Leben in der Cloud verschrieben hat und als geräteübergreifendes System ausgelegt ist.


In der vergangenen Woche gab es sehr umfangreiche Informationen über die Funktionsweise von Fuchsia, in denen wir erfahren haben dass Google alte Zöpfe abschneiden und sich stark vom bisherigen App-Konzept verabschieden wird. Aber das ist noch längst nicht alles, denn auch von den einzelnen Geräten möchte man sich vollständig unabhängig machen und alle benötigten Daten in der Cloud speichern.

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In der letzten Woche haben wir erfahren, dass Apps durch ein System von Modulen und Storys ersetzt werden, und jetzt geht es eine Stufe weiter nach oben: Die einzelnen Storys sind Teil eines Ledgers (im übertragenen Sinne ein Buch). Das Ledger ist praktisch die Verbindung zwischen der Story inklusive der Module mit dem Betriebssystem. Ledger regelt den kompletten Datenaustausch sowie den Zugriff auf Dateien, Daten und möglicherweise auch weiteren Dingen.

Ledger könnte man wohl am ehesten als ein Dateisystem beschreiben, dass sich um die Bereitstellung der Daten kümmert und diese stets aktuell hält und auch gleichzeitig absichert. Die Ledger-Daten sind jeweils privat für den aktuellen Nutzer und können nicht von außen abgegriffen werden, weder von einem anderen Prozess noch von einem anderen Nutzer. Die Daten stammen dabei vollständig aus der Cloud, könnten aber möglicherweise auch temporär auf dem Gerät zwischengelagert werden.

The data store for the particular component/user combination is private – not accessible to other apps of the same user, and not accessible to other users of the same app.



ledger fuchsia

Das Ziel dahinter ist recht eindeutig: Der Nutzer soll sich vollständig auf seine Aufgabe bzw. Beschäftigung konzentrieren, und sch keine Gedanken darum machen müssen, welches Gerät gerade verwendet wird. Ob nun der Laptop, das Tablet oder vielleicht auch der Kühlschrank (ist ja schließlich ein IoT-Betriebssystem) in der Nähe ist – der Nutzer soll überall auf die gleichen Daten und die gleichen Storys und Module zugreifen können. Das ist in Zeiten der Cloud-Synchronisierungen und Betriebssystemen wie Chrome OS keine große Neuerung, wird mit Fuchsia aber noch eine ganze Ecke weiter gedacht.

Der Nutzer soll alle Daten immer und überall zur Verfügung haben, ohne dass er sich selbst um die Synchronisierung kümmern muss. Das gilt sowohl für die Daten als auch für die verwendeten Apps bzw. Module und den Kategorisierungen nach Storys. Einfach Laptop zuklappen und schon geht es auf dem Smartphone weiter – an der gleichen Stelle, an der man am anderen Gerät aufgehört hat. Die gleiche Anwendung ist dann wieder an der gleichen Stelle geöffnet, ganz so, wie man es verlassen hat.

Durch ein solches System kommt man um die Cloud nicht mehr herum – und zwar noch sehr viel weniger als heute schon. Aktuell werden die Daten in den frühen Testversionen von Fuchsia auf Googles Servern gespeichert, rein theoretisch kann sich aber auch jeder andere Cloud-Anbieter einklinken, denn Fuchsia ist Open Source und kann vermutlich – so wie Android – später von jedem Hersteller verwendet und verändert werden.



Sollte dann doch einmal kein Internet zur Verfügung stehen, soll es auch einen Offline-Modus geben, der sich schlicht und einfach Gast-Modus nennt. In diesem Modus werden die Daten nicht synchronisiert, und es findet alles vollständig Offline statt. Dafür hat man dann aber wohl auch keinen Zugriff auf die eigenen Daten, denn diese sind ja nur hinter der Cloud gesichert und werden – falls sie in einem anderen Profil zur Verfügung stehen – durch Ledger gesichert.

Any data operations are made offline-first with no coordination with the cloud. If concurrent modifications result in a data conflict, the conflict is resolved using an app-configurable merge policy.

Und jetzt wissen wir dann auch, warum Fuchsia wohl erste Ende 2019 erscheinen wird, denn Google hofft wohl auf einen weiteren schnellen Internetausbau. Ohne eine schnelle Leitung wird Fuchsia wohl keinen Spaß machen, denn wenn erst einmal alle Anwendungen und Daten heruntergeladen werden müssen die zuletzt verwendet worden sind, kann schon einige Zeit vergehen. Aber in solch einem Punkt muss man eben auch einmal der Zeit voraus sein.

Je mehr ich über Fuchsia lese und höre, desto mehr wird mir klar, dass Google tatsächlich alles bekannte über den Haufen schmeißt und einen kompletten Neuanfang wagen möchte, von den Apps bis hin zum Betriebssystem. Das ist ambitioniert, aber bevor es ein anderes Unternehmen tut, macht man es lieber selbst. Ich bin sehr gespannt auf die weitere Entwicklung.

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comment ommentare zur “Fuchsia: Googles potenzieller Android-Nachfolger wirft alle bekannten Konzepte über den Haufen

  • Die Daten in der Cloud ist ja eine Sache…die Anwendungen dazu eine andere.
    Ohne Apps wird es wohl nicht gehen..besonders dann nicht, wenn irgendwelche
    Daten verarbeitet werden sollen, die keinem Standardformat entsprechen, sondern vom Entwickler
    frei erfundene Formate für ganz individuelle Anwendungszwecke verwenden (solche Spezialfälle gibt
    es ja insbesondere bei industriesoftware recht häufig) und/oder eine Cloudspeicherung von Daten
    nicht erwünscht bzw. gesetzlich gar nicht erlaubt ist.

    Für solche Anwendungsfälle wird Fuchsia wohl kaum brauchbar sein.

  • „das sich nahezu vollständig dem Leben in der Cloud verschrieben hat“
    Danach hab ich nicht mehr weitergelesen, obwohl schon „wirft alle bekannten Konzepte über den Haufen“ ein heisser Schlussatz gewesen wäre.Als ob Google irgendwann mal ein Konzept gehabt hätte.

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