Google stellt klar: Alle Nutzerdaten und Dokumente werden nur von Algorithmen ausgewertet

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Vor wenigen Tagen gab es einen kleinen Bug in Google Docs, der normalerweise nicht weiter erwĂ€hnenswert wĂ€re – wenn er nicht eine interessante Fehlermeldung verursacht hĂ€tte. Diese gab Grund zur Sorge, dass Google alle Dokumente scannt und auch die Inhalte erfasst – was von einer spĂ€teren kurzen Recherche auch teilweise bestĂ€tigt wurde. Da das ganze große Kreise zog, hat sich Google nun offiziell in einem Blogpost dazu geĂ€ußert – was auch nicht alle Tage vorkommt.


Am Dienstag waren plötzlich eine handvoll Nutzer von Google Docs ausgesperrt und konnte nicht auf ihre Dokumente zugreifen. Das ist Àrgerlich, kann bei einer kostenlosen Cloud aber einmal vorkommen und muss eingeplant werden. Wer sich darauf verlÀsst oder Unternehmensdaten speichert, ist dann eben selbst schuld und könnte die Business-Variante verwenden. Aber darum ging es nicht, denn viel interessanter war die Fehlermeldung, die besagte dass der Inhalt des Dokument die Nutzungsbedingungen verletzt.

google docs logo

Diese Fehlermeldung hatte einige dazu bewogen, sich die Nutzungsbedindungen von Google noch einmal genauer durchzulesen, und diese fĂŒhrten eine interessante Aussage zu Tage. Dass Google viele Nutzerdaten erfasst und Profile aufbaut, um noch bessere und genauere Werbung auszuliefern, ist bekannt – irgendwie muss sich die gesamte Angebotpalette ja auch finanzieren. Doch folgende Aussage war dann doch etwas ĂŒberraschend.

Erfasst werden Informationen wie Nutzungsdaten, Einstellungen, Gmail-Nachrichten, Google+ Profil, Fotos, Videos, Browserverlauf, Kartensuchen, Dokumente oder andere von Google gehostete Inhalte. Unsere automatisierten Systeme analysieren diese Informationen beim Senden, Empfangen und bei der Speicherung. Diese Erfassung kann alle Inhalte betreffen, die unsere Systeme durchlaufen.

Da das ganze hohe Welle geschlagen hat, und unter anderem auch bei uns im Blog thematisiert wurde, hat sich Google nun offiziell dazu geĂ€ußert. In dem Posting geht man vor allem auf die technische Seite des Problems ein, und erklĂ€rt dass man den Fehler schnell gefunden und behoben hat. Aber dafĂŒr wĂŒrde man kein Posting im offiziellen Blog verfassen, denn natĂŒrlich ging man auch in einem Nebensatz darauf ein, was eigentlich genau gescannt wird, und dass dabei keine Menschen Zugriff auf die Daten bekommen.



Virus and malware scanning is an industry best practice that performs automated comparisons against known samples and indicators; the process does not involve human intervention.

Insbesondere der letzte Teil ist von Belang, denn genau auf diesen haben sich viele Medien gestĂŒrzt. NatĂŒrlich werden Dokumente nicht manuell von Menschen gesichtet, denn das wĂ€re wohl auch ein nicht zu stemmender Aufwand. Viel wichtiger ist aber, dass wohl auch als potenziell gefĂ€hrlich eingestufte Dokumente nicht einem Menschen vorgelegt werden – zumindest wĂŒrde ich das aus der Äußerung so verstehen. Am Ende wird man wohl im Streitfall um einen Zugriff durch den Menschen nicht herum kommen, aber zumindest scheint es dafĂŒr keinen automatisierten Prozess zu geben.

Dennoch ist das Kind nun in den Brunnen gefallen, denn dass Google alle AktivitĂ€ten auswertet die den Server durchlaufen, dĂŒrfte vielen Nutzern wohl nicht bewusst gewesen sein. Dass sich kein Mensch das durchliest ist klar, aber dennoch macht es das nicht besser, wenn das eigene Profil durch verfasste Dokumente geschĂ€rft wird. Bei E-Mails macht das Sinn, da daraus viele persönliche Informationen herausgelesen werden können, die in anderen Diensten verwendet werden – aber das ist bei Docs nicht der Fall.

Ich hatte es im anderen Artikel schon einmal gesagt: Google sollte die erfassten Daten einfach viel tiefer prĂ€zisieren und klar stellen, was genau mit diesen Daten passiert und wofĂŒr sie ausgewertet werden. Einfach nur zu sagen dass alle Daten „vielleicht“ ausgewertet werden und verwendet werden „könnten“ reicht nicht mehr aus. Vor allem in Zeiten von KĂŒnstlichen Intelligenzen muss man sich fragen, ob die Aussage „Kein Mensch sieht die Daten“ noch Schutz genug ist.

» Posting bei Google


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comment Ein Kommentar zu “Google stellt klar: Alle Nutzerdaten und Dokumente werden nur von Algorithmen ausgewertet

  • Das die Nutzungsbedingungen so schwammig formuliert sind, dĂŒrfte wohl daran liegen, das sie von Juristen (mit)geschrieben werden, die natĂŒrlich keine unnötige AngriffsflĂ€che fĂŒr Klagen bieten wollen.

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