Google in der Krise? Einige Produkte sollen eingestellt oder zusammengelegt werden – so soll es weitergehen

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Gefühlt schlittert die Welt seit mehreren Jahren von einer Krise in die nächste und auch Google, das wie andere Tech-Unternehmen als Krisengewinner galt, ist jetzt nicht mehr Immun. Vor wenigen Tagen hat sich offenbart, dass bei Google keine Sonne mehr scheint und man in vielerlei Hinsicht die Notbremse ziehen muss. Man hat aber auch verraten, wie man vorsorglich wieder in die Spur kommen will.


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Wenn schlechte Zeiten bevorstehen oder bereits angebrochen sind, kann man sehr unterschiedlich darauf reagieren. Bei großen Unternehmen wie Google reagiert man normalerweise nicht damit, den Kopf in den Sand zu stecken, sondern konkrete Schritte durchzuführen – die meist vorab bereits geplant wurden. Bisher ist bei Google zwar noch keine Spur von Krise zu sehen, denn die letzten Quartalszahlen waren mal wieder glänzend, aber der Ausblick ist düster.

Google-CEO Sundar Pichai hat vor wenigen Tagen ein Memo an alle Beschäftigten gesendet, das ihr hier in voller Länge nachlesen könnt. In diesem heißt es schon im zweiten Absatz, dass die unsicheren wirtschaftlichen Aussichten im zweiten Halbjahr und wohl auch darüber hinaus für einige Veränderungen sorgen müssen und werden. Anschließend folgen noch einige positive Worte über das bereits erreichte – man soll ja immer positiv beginnen.

Doch nach den Lobeshymnen folgen dann einige Aussagen, die zeigen, wie ernst die Lage ist oder in den nächsten Monaten werden kann. Google muss effizienter werden, man möchte weniger neue Mitarbeiter einstellen und es könnten auch Projekte pausiert oder eingestellt werden, wenn die wirtschaftlichen Aussichten auf Erfolg nicht überwiegend positiv ist. Das ist die Grundlage jeder Unternehmung, aber bei Google saß das Geld bekanntlich sehr lange Zeit locker.




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Das Memo in deutscher und englischer Sprache könnt ihr wie bereits erwähnt in diesem Artikel vollständig nachlesen. Im Folgenden konzentrieren wir uns auf einige Kernaussagen und deren mögliche Bedeutung für das Unternehmen und in einigen Fällen auch die Produkte und somit die Nutzer. Nichts wird aus dem Zusammenhang gerissen und es sind stets vollständig von Pichai geschriebene und die Mitarbeiter versendete Sätze in englischer Originalsprache.

Weniger Einstellungen

Because of the hiring progress achieved so far this year, we’ll be slowing the pace of hiring for the rest of the year, while still supporting our most important opportunities. For the balance of 2022 and 2023, we’ll focus our hiring on engineering, technical and other critical roles, and make sure the great talent we do hire is aligned with our long-term priorities.

Allein im zweiten Quartal 2022 soll die Mitarbeiterzahl um 10.000 gewachsen sein. Damit sind die jetzt heruntergesetzten Ziele erreicht und man wird für den Rest des Jahres und auch im Jahr 2023 deutlich weniger Menschen einstellen. Kritisch benötigte Stellen in der Entwicklung, der Technik und andere allgemein als „kritische Rollen“ beschriebene Stellen werden auch weiterhin neu eingestellt oder nachbesetzt, aber bei allem darüber hinaus werden die Teams erstmal nicht mehr wachsen.

Verstärktes unternehmerisches Denken

Moving forward, we need to be more entrepreneurial, working with greater urgency, sharper focus, and more hunger than we’ve shown on sunnier days.

Der obige Satz hat es in sich. Man muss unternehmerischer denken, zeitkritischer arbeiten, den Fokus verschärfen und einfach „hungriger“ sein, als man es in den sonnigen Zeiten gewesen ist. Das bedeutet, dass man Entscheidungen wieder verstärkt aus unternehmerischer und nicht mehr aus technischer Sicht treffen wird. Sprich: Produkte müssen schneller ihre finanziellen Ziele erreichen, die Monetarisierung oder zumindest Wertschöpfung im Fokus haben und man wird wohl weniger Nebenprojekte betreiben können.

Aufräumen

In some cases, that means consolidating where investments overlap and streamlining processes.

Der gefürchtete Satz. In einigen Fällen kann das stärkere unternehmerische Denken bedeuten, einzelne Projekte und Prozesse zusammenführen. Man will überlappende Investitionen beenden (als überall dort, wo mehr als ein Google-Produkt aktiv ist) oder zumindest starke Synergien schaffen. Das ist sehr allgemein gehalten, aber in den nächsten Monaten könnte das Auswirkungen auf viele Produkte haben.




Projekte pausieren

In other cases, that means pausing development and re-deploying resources to higher priority areas.

Der zweite Satz, der sich auf das unternehmerische Denken bezieht: In einigen Fällen wird man die Entwicklung von Projekten pausieren und die Ressourcen stattdessen in andere Projekte mit höherer Priorität stecken. Auch hier ist vollkommen unklar, was das bedeutet. Man kann sich vielleicht ein wenig ausmalen, welche Endprodukte eine höhere und welche eine niedrigere Priorität haben, aber ganz konkret wird es nicht. Ich denke, dass vor allem dieser und der vorherige Satz in den nächsten Monaten noch sehr oft in Erinnerung gerufen werden können.

Druck auf die Mitarbeiter

Making the company more efficient is up to all of us — we’ll be creating more ways for you all to engage and share ideas to help, so stay tuned.

Sundar Pichai nimmt alle Mitarbeiter in die Pflicht, das Unternehmen effizienter zu machen. Das schafft ordentlich Druck und dürfte wohl auch bedeuten, dass man nicht nur weniger Mitarbeiter aufnimmt, sondern sich auch von einigen trennt, die auf dem Papier nicht effizient genug arbeiten. Man wird neue Möglichkeiten schaffen, um allen Mitarbeitern Tools zu geben, um Vorschläge und Verbesserungen einzureichen. Das klingt positiv, aber wer mal in einem amerikanischen Unternehmen gearbeitet hat weiß, dass das nur ein weiteres Druckmittel ist. Wer hat mehr und die besseren Vorschläge – und auf wen können wir aufgrund weniger Vorschläge verzichten? Das ist alles schön formuliert für, „wir müssen uns von einigen Mitarbeitern trennen“.


Google wird in zwei Wochen die aktuellen Quartalszahlen veröffentlichen und man kann wohl davon ausgehen, dass diese nicht ganz so positiv sein werden, wenn man schon jetzt mehr oder weniger pro-aktiv reagiert. Hoffen wir, dass es nicht zu viele negative Konsequenzen für uns Nutzer hat.

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comment 2 Kommentare zum Thema "Google in der Krise? Einige Produkte sollen eingestellt oder zusammengelegt werden – so soll es weitergehen"

  • Kennzahlen zum Mutterkonzern Alphabet
    Das Mutterunternehmen von Google setzte im ersten Quartal 2022 rund 68,01 Milliarden US-Dollar um und wies einen Gewinn in Höhe von 16,44 Milliarden US-Dollar aus.

    ..und nun von Krise und Schieflage zu sprechen und zu titeln, kann eigentlich nur dem Wunsch nach Klicks entspringen….

Kommentare sind geschlossen.