Android vs iOS: Apple lässt sich von Google inspirieren – 16 Neuerungen in iOS 14, die es zuerst bei Android gab

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Am Montag hat Apples Entwicklerkonferenz WWWDC begonnen, deren Keynote im wahrsten Sinne des Wortes besonders war und jede Menge Neuerungen für die Apple-Betriebssysteme und Plattformen gebracht hat – natürlich auch für iOS. Apple hat dem Smartphone-Betriebssystem mit iOS 14 zahlreiche Verbesserungen spendiert, die vor einigen Jahren nicht nur undenkbar gewesen wären, sondern zu einem großen Teil von Googles Android inspiriert sind.


Als Apple im Jahr 2007 das erste iPhone auf den Markt gebracht hat, war Android zwar schon seit mehreren Jahren in Entwicklung, aber längst noch nicht am Markt. Gemeinsam mit einigen Hardware-Partnern – allen voran HTC, Motorola und Samsung – konnte Google mit Android einen sehr starken Markteintritt feiern und innerhalb weniger Jahre nicht nur Apples iOS überholen, sondern zum bis heute weltweit meistgenutzten Betriebssystem aufsteigen.

ios 14 android

Die ersten erfolgreichen Android-Smartphones waren Kopien des Apple iPhones – das hat zumindest Apple behauptet. Unvergessen ist der jahrelange Rechtsstreit um die erste Generation des Samsung Galaxy S, das dem iPhone schon sehr nahe kam und spätestens ab diesem Punkt auch den ewigen Glaubenskrieg zwischen Android und iOS ausgelöst hat. Dass Google Android nach der Kenntnis des ersten iPhones bzw. iOS stark umgebaut hat, ist kein Geheimnis. Dass sich Android gerade zu Beginn an iOS „orientiert“ hat, ist ebenfalls für jeden Nutzer der ersten Stunde sichtbar gewesen.

Android hatte einige Jahre den Stempel der iOS-Kopie aufgedrückt bekommen, aber gefühlt hat sich die Entwicklung schon vor längerer Zeit umgedreht. Beide Betriebssysteme haben sich in den vergangenen Jahren optisch und funktionell immer weiter angenähert – was für die Nutzer natürlich eher von Vorteil ist. Google bringt neue Features und Apple hat sie kopiert. Apple bringt neue Features und Google hat sie kopiert. Warum auch nicht? Fortschritt heißt ja nicht, dass es nur ein Unternehmen nutzen darf – auch wenn Patentanwälte das natürlich gerne so hätten.

Wer sich die Apple WWDC-Präsentation angesehen hat (die ersten 20 Minuten reichen, schaut es euch an!) dürfte als Android-Nutzer eine regelrechte Achterbahnfahrt an Deja-vus erlebt haben. Apple hat sehr viele Dinge als Innovation verkauft, bei denen sich Android-Nutzer nicht einmal mehr erinnern können, seit wann sie das schon nutzen können. Hier ein schneller Überblick über 16 (!) Apple-Kopien.

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Widgets auf dem Homescreen
Widgets sind fast so alt wie Android und können seit den frühesten Versionen auf dem Homescreen platziert werden – was bei Apple bisher nicht möglich war. Mit iOS können Widgets nun auch aus der Widget-Liste herausgeholt und auf dem Homescreen platziert werden. Das war bisher undenkbar und passte kaum in Apples Homescreen-Konzept – rein optisch ist das fast schon der größte Schritt des Betriebssystems.

App Library als App Drawer
Und wenn man schon mal umbaut, wird gleich noch ein App Drawer eingeführt – ein weiteres Novum, das starke Anleihen an Androids Konzept des Homescreens und App Drawers nimmt. In der App Library werden alle Apps nach Kategorien sortiert, die aus dem App Store stammen, lassen sich aber auch alphabetisch sortieren.

Vorgeschlagene Apps in der App Library
Und wenn man schon den Drawer kopiert, dann geht es auch gleich mit der nächsten aus Android bekannten Funktion weiter: Im ersten virtuellen App Library-Ordner befinden sich vorgeschlagene Apps, die der Nutzer häufig verwendet.

Standard-Apps einstellen
Die Hölle friert zu: Apple wird es ab iOS 14 ermöglichen, einige Standard-Apps festzulegen, so wie etwa den Browser. Zwar basieren weiterhin alle Browser auf Safari, aber Nutzer haben nun die Möglichkeit, auch Chrome oder andere installierte Browser als Standard festzulegen.

Dezente Siri-Oberfläche
Bisher hat Siri die gesamte Oberfläche eingenommen, was von Apple selbst während der Präsentation als störend beschrieben wurde – allein schon das ist ein kleines Highlight. Jetzt nimmt man sich Anleihen am Google Assistant und wird Siri nur noch eine kleine Fläche am unteren Bildschirmrand einräumen, die je nach zurückgelieferten Informationen in der Größe wachsen kann.

Dezente Anruf-Benachrichtigung
Ein eingehender Anruf sperr nun nicht mehr das gesamte Display, sondern besteht ebenfalls nur noch aus einer kleinen Benachrichtigung, die die Weiternutzung des Smartphones ermöglicht.

App Clips
Bei den App Clips handelt es sich um eine App-Vorschau, die eine grundlegende App-Nutzung ermöglichen, ohne dass die App überhaupt installiert ist. Dazu lässt sich die App direkt streamen, was bei Apple auf den ersten Blick besser umgesetzt wurde als bei Android, wo das Feature der „Instant Apps“ mittlerweile eingeschlafen zu sein scheint.

Selfie-Fotos spiegeln
Man mag kaum glauben, dass das vorher nicht möglich war. In den Einstellungen der Kamera lässt sich nun festlegen, dass Selfie-Fotos gespiegelt gespeichert werden. Weil sie normalerweise „falsch“ herum aufgenommen werden – wobei falsch im Auge des Betrachters liegt – ist das ein wichtiges Feature für diese Kamera und dürfte sicher sehr schnell viele Fans finden.




Bild-in-Bild
Apples iOS erhält nun eine Bild-in-Bild-Funktion, mit der ein laufendes Video aus vielen Apps herausgelöst werden und dauerhaft über dem Display und beliebigen anderen Apps schweben kann. Das Bild lässt sich frei verschieben, frei in der Größe ändern und sogar aus dem Display herausschieben, sodass der Ton weiterläuft und am Rand nur ein kleiner Pfeil mit dem Hinweis auf das laufende Video bleibt.

Welllbeing – komm mal herunter
Apples Digital Wellbeing-Alternative erhält nun eine Wind Down-Funktion, die sogar den gleichen Namen trägt wie bei Google und die Nutzung des Smartphones dynamisch einschränken kann.

Apple Maps mit Fahrradrouten
Eine natürliche Weiterentwicklung, die Google Maps aber schon lange hinter sich hat: Apple Maps kann nun Fahrradrouten anzeigen bzw. spezielle Fahrrad-Informationen darstellen. Rund um Google Maps haben wir euch erst kürzlich 12 praktische Tipps für Fahrradfahrer gezeigt.

Apple Maps mit Blitzerwarner
Die nächste Evolution, die auch ohne Google entstanden wäre: Apple Maps kann Blitzer anzeigen und vor diesen warnen – ziemlich sicher aufgrund der Gesetzeslage aber nicht in Deutschland.

Tastatur-Spracheingabe ohne Cloud-Anbindung
Die Spracheingabe der Tastatur-App wurde stark verbessert und kann nun diktierte Texte lokal erkennen und abtippen – eine Cloudverbindung ist nicht mehr notwendig. Dass das dringend überfällig war, könnt ihr in diesem (für Apple) katastrophalem Vergleichsvideo sehen.

Apple Translate
Apple hat nun auch eine eigene Translate-App zur Übersetzung, die optisch stark an Google Translate erinnert und auch sehr ähnliche Features wie etwa den Konversationsmodus bietet.

Übersetzungsfunktion im Safari-Browser
Und wenn man schon eine Übersetzungs-App hat, dann wird sie auch gleich noch in den Browser integriert. Safari kann nun ganze Webseiten übersetzen, was bei Chrome schon seit vielen vielen Jahren möglich ist.

Safari-Passwortschutz
Google hat den Schutz der Nutzerpasswörter erhöht und Apple zieht nach. Safari kann nun davor warnen, wenn die im Browser gespeicherten Passwörter Teil von Leaks waren, mehrfach verwendet werden oder zu schwach sind.




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Ganz objektiv kann man sagen, dass sich Apple mit iOS 14 sehr stark an Android orientiert und sich viele Inspirationen geholt hat – was aber absolut nicht negativ gemeint ist. Grundsätzlich sollte es im Interesse aller sein, dass sich die besten Ideen und Oberflächen durchsetzen und im Sinne der Vereinheitlichung auf allen Plattformen zum Einsatz kommen. Die Entwicklung läuft seit vielen Jahren in beiden Richtungen, aber iOS 14 ist in jeglicher Hinsicht ein sehr großer Schritt.

Interessant ist das, weil sich Apple gegen viele Dinge lange Zeit gesträubt und die eigene Lösung für besser befunden hat – was sollte man auch anderes sagen. Umgekehrt wird auch Android davon profitieren, denn Apple hat zwar fleißig kopiert, aber auch neue Ideen hereingebracht. Nach meinem Gefühl haben Android-Widgets in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren, werden nun aber unter iOS ein Comeback feiern und in dem Zuge auch zu Android zurückkehren. Unter Android werden sie von vielen App-Entwicklern bisher nur sehr stiefmütterlich behandelt und könnten kaum Design-Preise gewinnen.

Das neue iOS ist also ein großer Schritt, sowohl für Apple als auch auf lange Sicht für Google, Android und die gesamte Smartphone-Welt.

P.S. Morgen folgt der entgegengesetzte Artikel.

» Pixel 4a: Alle Informationen rund um das neue Google-Smartphone – Bilder, Kamera, Specs, Benchmark & Co


Android 11: Diese Smartphones sollten das Update auf Googles kommendes Betriebssystem erhalten (Listen)

[AndroidPolice]


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comment 6 Kommentare zum Thema "Android vs iOS: Apple lässt sich von Google inspirieren – 16 Neuerungen in iOS 14, die es zuerst bei Android gab"

  • „Apple hat sehr viele Dinge als Innovation verkauft, bei denen sich Android-Nutzer nicht einmal mehr erinnern können, seit wann sie das schon nutzen können.“

    Ich feiere diesen Satz so sehr! 😀

    • Naja, im Gegensatz kopiert Google Funktionen teilweise 1:1, also selbst die UI (bspw. Gesten, Screenshots, etc.), und meistens schlechter.

      Und wer wirklich Apple das Smartphone als Massenmarkt-Innovation abschlagen will, der ist ein Fanboy.

      Bei Apple kann man sich sicher sein, dass die Funktionen wenigstens auch brauchbar sind. Dadurch werden sie dann auch automatisch mehr genutzt als die vergleichbar halbgare Frickelfunktion auf Android.

      Das iPhone ist eben ein beschränkter Computer und ein herausragendes Handy, und Android-Handys sind … naja, eine Mischung aus beidem aber irgendwie nichts so richtig.

      Und ja, ich habe Android von 2.3 bis 9 inkl. Hacking genutzt, verschiedene Hersteller, von Nexus bis HTC, Samsung und Pixel, und bin seit meinem Umstieg mit meinem Apple-Telefon mehr als zufrieden.
      Plötzlich habe ich viel mehr Freizeit, da ich mich weniger um mein Handy kümmern muss.
      Es funktioniert einfach und selbst mein iPhone 7 wurde (und wird) ein halbes Jahrzehnt mit OS-Updates versorgt, was will man mehr?

  • Du musstest dich um dein Smartphone kümmern? Gar die Freizeit einschränkend? Ich habe keine Ahnung, was da gemeint ist, aber irgend etwas hast du dann anders gemacht als die Leute, die ich kenne und die Android nutzen. Smartphone neu aufsetzen: 10 Minuten. Wartung danach: 0 Minuten.
    Ich frage mich eben, wer hier der Fanboy ist.

  • Man darf halt auch nicht vergessen dass Android an sich eine Kopie von iOS ist, da es iOS nunmal zuerst gab, und z.B. der Google Assistant ist halt generell eine Kopie von Siri

    Apple lässt sich gerne von Android Funktionen inspirieren, oder von Jailbreak-Tweaks was eher der fall ist, aber wenigstens machen sie es dann auch richtig und schludern es nicht einfach so hin 💪🏻

  • OK, das beantwortet die Frage, die ich mir gestellt habe.

    Und was soll das für eine Logik sein? Deiner Logik nach ist das iPhone eine Kopie des Palm Pre, denn das war zwei Jahre vor dem iPhone da. Und die ständigen Meldungen über Probleme mit iOS-Updates zeigen auch ein anderes Bild als das, dass sie es dann aber richtig machen.

    Ja, wie auch immer. Viel Spaß mit dem iPhone. Ich hatte aus beruflichen Gründen eines, parallel zum Androiden und habe kein Bedürfnis zu wechseln. Aber jeder, was ihm gefällt, dafür gibt es ja den freien Markt.

Kommentare sind geschlossen.