Stadia Hands-On: So schlägt sich Googles neue Spieleplattform im ersten Test in Deutschland

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In einigen Wochen wird Googles neue Spieleplattform Stadia offiziell starten und die ersten Spieler begrüßen, die noch ein Founders Edition Starterpaket ergattern konnten. Auf der Videospielemesse gamescom war Google in dieser Woche sehr prominent vertreten und hat interessierten Journalisten und Spielern die Möglichkeit für ein kurzes Hands-On und Testspiel gegeben. Jetzt berichtet ein Spieler über seine Erfahrungen mit Stadia in Deutschland.


Zum Anfang der Woche hat Google mehrere neue Spieletitel für Stadia angekündigt und hat die kommende Spieleplattform im Rahmen der gamescom wieder ins Gespräch gebracht. Dazu wurde nicht nur ein riesiger Messestand inklusive standesgemäßer Rutsche inklusive Aufzug aufgefahren, sondern die Nutzer konnten auch erstmals auf europäischem Boden Hand anlegen und einige Spiele bereits testen. Die Erfahrungen sind durchaus positiv.

stadia booth 4

Potenzielle Stadia-Nutzer, von denen es zukünftig mehr als eine Milliarde geben soll, haben vor allem zwei große Sorgen, wenn es um die Spieleplattform geht: Googles Durchhaltevermögen bei dem neuen Produkt und die enorme Traffic-Belastung. Letztes konnte nun erstmals auch in Deutschland auf der gamescom getestet werden, denn auf dem Messestand gab es auch einige Stationen, an denen die Spieler Stadia ausprobieren konnten. Dabei haben sich sehr ähnliche erste Eindrücke wie beim ersten Hands-On im Juni gezeigt.

Gespielt wurde mit dem Stadia Controller, der per Kabel mit einem Pixel 3-Smartphone oder einem Pixelbook verbunden war, die das Bild wiederum auf größere Monitore übertragen haben. Normalerweise benötigt der Controller keine physische Verbindung und sendet alle Eingaben direkt per WLAN an die Google-Server, doch das war in der gamescom-Umgebung offenbar nicht problemlos möglich, sodass man auf das Kabel-Backup zurückgegriffen hat.

Grundsätzlich war das bereits ein Nachteil, denn nun mussten die Eingaben erst zum Smartphone oder Chromebook gesendet werden, wo sie dann an die Google-Server weitergeleitet wurden – also ein zusätzlicher Zwischenschritt. Bei Spielen, wo es um Millisekunden geht, ist das nicht zu unterschätzen. Einem Spieler ist es übrigens auch gelungen, die Stadia-Benutzeroberfläche zu leaken, die auf den ersten Bildern sehr übersichtlich aussieht.



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Um Stadia ausgiebig testen zu können, wurden die beiden Titel Doom Eternal und Mortal Kombat 11 angeboten, bei denen es vor allem um Schnelligkeit geht – eines der befürchteten Probleme von Stadia. Tatsächlich soll das aber nicht der Fall gewesen sein. Die meisten Tester waren eher Gelegenheitsspieler und hatten keine Erfahrung mit diesen Spielen, doch keinem Spieler ist ein Lag, eine ruckelnde Grafik oder Probleme mit verzögerten Eingaben oder ähnliches aufgefallen.

Wenn das Spiel Fahrt aufnahm, sollen an einigen Stellen leichte Unschärfen aufgetreten sein, die vor allem bei Buchstaben sichtbar wurden. Das ist wohl der Komprimierung geschuldet und wird je nach Spielgeschehen und Verbindungsgeschwindigkeit stet anders auftreten. Da Google aber 4K-Grafik verspricht, sollte das natürlich nicht sein. Diese Grafikstufe kann aber erst ab einer bestimmten Mindestgeschwindigkeit geboten werden, sodass es auch gut möglich ist, dass die Netze auf der gamescom einfach überlastet waren und keine ausreichende Geschwindigkeit anbieten konnten. Auch auf Googles Stand liefen viele Streams parallel.

Laut Aussagen des Personals soll die Anbindung des Messestands „nicht hyperschnell“ sein, sodass man möglicherweise bereits am Limit gewesen ist und keine 4K-Grafik anbieten konnte. Für einen Messestand natürlich wenig vorteilhaft. Die Spieler in Köln sollen für die Spiele mit Servern in Frankfurt verbunden gewesen sein, also global gesehen praktisch um die Ecke. Google wird weltweit mehr als 7.500 Server-Standorte für Stadia betreiben, sodass man rund um die Welt stets kurze Wege zu den Rechenzentren hat.

In puncto Qualität waren die Tester aufgrund dieser Umstände dennoch zufrieden und wahrscheinlich würde sich die Masse der Gelegenheitsspieler nicht an diesen Problemen stören, denn das Spielgeschehen selbst war stets flüssig und sorgte für keine Probleme. Die Auslastung der Netze liegt nicht in Googles Hand, kann aber zum großen Problem werden, das sich in den kommenden Jahren auch aufgrund vieler anderer Großverbraucher „von allein“ lösen wird.



Wieder kurze Verbindungsabbrüche
Beim ersten Hands-On im Juli waren mehrere Verbindungsabbrüche zum Stadia-Server aufgetreten, die sich durch ein plötzliches Einfrieren des Spiels äußerten oder sogar das Spiel vollständig abstürzen ließen. Das war auch in Köln wieder der Fall, wobei es diesmal nur etwa 1 Sekunde gedauert haben soll, bis das Spiel weitergehen konnte. Einen Absturz soll es nicht gegeben haben. Google hat also bereits an der Stabilität geschraubt, hat aber noch immer einen Weg vor sich – aber es sind ja noch immer mindestens zwei Monate bis zum ersten Release Zeit.

Natürlich ist ein eingefrorenes Spiel, sei es auch noch so kurz, nicht akzeptabel und kann in dem Moment über Sieg oder Niederlage entscheiden, aber bis zum Release hat man das hoffentlich im Griff. Dabei darf man aber auch nicht vergessen, dass es noch viele andere Spielekategorien gibt, bei denen ein kurzzeitiger Aussetzer vielleicht nicht ganz so arg ist und vielleicht vom Nutzer auch gar nicht bemerkt wird. Google dürfte sich der Sache aufgrund der Speed-Versprechen aber dennoch ziemlich sicher sein und ein dauerhaft Lag-freies Erlebnis bieten wollen.

Als Fazit lässt sich sagen, dass Stadia vor allem für Gelegenheitsspieler attraktiv sein dürfte, die ab und an Mal spielen möchten – und das vielleicht auch via Stadia Base ganz ohne monatliche Kosten. Power-Gamer haben ohnehin jede Konsole unter dem Schreibtisch zu stehen und werden Stadia vorerst nicht brauchen, aber Zeiten ändern sich. Keine Innovation überrennt den Markt von heute auf morgen – außer das iPhone. Vielleicht sollte man noch keine Weltmeisterschaften über Stadia austragen, aber alle anderen Spieler dürfen sich auf eine Plattform freuen, die endlich die bisher notwendigen Voraussetzungen zum Spielen aktueller Titel aus der Welt schafft.

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[AndroidPolice]


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comment 1 Kommentare zum Thema "Stadia Hands-On: So schlägt sich Googles neue Spieleplattform im ersten Test in Deutschland"

  • „doch keinem Spieler ist ein Lag, eine ruckelnde Grafik oder Probleme mit verzögerten Eingaben oder ähnliches aufgefallen“

    Bei mir leider schon, als ich Doom gespielt habe.
    MK am Handy lief flüssig, das Tutorial bei Doom auch.
    Aber ab der Stelle, an dem der Charakter im Spiel den Aufzug herunter fährt, war das Spiel kaum mehr spielbar.

    Die Stadia Mitarbeiter haben das ziemlich schnell bemerkt und haben das Spiel neu gestartet (neu starten = sie mussten erst Mortal Kombat starten (lief alles über den Chrome Browser), danach wieder Doom).

    Danach lief das Spiel wieder flüssig. Einstieg im Spiel war leider nicht genau an dem Punkt, an dem ich aufgehört habe, sondern etwas zuvor. Mir wurde aber angeboten, dass ich noch eine Runde spielen kann.

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