Alphabet hat weit über 200.000 Mitarbeiter: Google beschäftigt mehr Zeitarbeiter als Fest­an­ge­stell­te

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Bei der Bekanntgabe der letzten Quartalszahlen hat Alphabet erstmals verkünden können, mehr als 100.000 Mitarbeiter im Unternehmen zu beschäftigen. Wie die New York Times nun herausgefunden haben will, liegt die Anzahl aber deutlich höher – nämlich doppelt so hoch. Allerdings wird nicht darüber gesprochen, weil die verschwiegenen Mitarbeiter Zeitarbeiter sind, die in vielen Punkten schlechter gestellt waren. Das hat sich mittlerweile aber etwas gebessert.


Sowohl Google als auch Alphabet sprechen bei den Quartalszahlen immer wieder von „fulltime employees“, die im abgelaufenen 1. Quartal 2019 bei über 104.000 lag und stetig weiter wächst. Doch so wie viele andere Unternehmen aller Größen setzt Google nicht nur auf festangestellte Mitarbeiter, sondern beschäftigt auch viele freie Mitarbeiter und Zeitarbeiter. Das ist nicht weiter verwerflich und gerade in der Tech-Branche Normalität, aber wenn man es damit übertreibt, bringt es eben Kritik ein. Google hat aber schon vor einigen Monaten darauf reagiert, hat aber dennoch einiges zu tun.

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Glaubt man einem Bericht der New York Times, dann hat Google mit Stichtag 31. März 2019 mehr Zeitarbeiter unter Vertrag als festangestellte Mitarbeiter auf der Payroll. Google beschäftigt offiziell etwa 102.000 Angestellte, hat gleichzeitig aber auch 121.000 Zeitarbeiter und freie Mitarbeiter unter Vertrag. Das ist nicht nur eine gewaltige Zahl an „Hilfskräften“, sondern gerade in dem Verhältnis für ein großes Unternehmen wohl doch eher ungewöhnlich. Hilfskraft ist dabei keinesfalls negativ gemeint, aber es wird schon einen Grund haben, warum für diese Aufgaben keine festen Stellen geschaffen wurden.

An dieser Situation gibt es nun viel Kritik, denn Zeitarbeiter sind in den allermeisten Fällen, so auch bei Google, deutlich schlechter gestellt als Angestellte: Sie werden schlechter bezahlt, haben keinen Zugang zu vielen Firmenveranstaltungen, erhalten keine internen Stellenausschreibungen und haben auch keine Chancen auf Aktienoptionen. Der Bericht geht davon aus, dass ein einzelner Zeitarbeiter dem Unternehmen im Vergleich zu einem fest angestellten Mitarbeiter pro Jahr 100.000 Dollar erspart. Rechnet man das hoch, spart sich Google dadurch 12,1 Milliarden Dollar Personalkosten pro Jahr. Das ist wohl etwas sehr hoch gegriffen, aber es zeigt, warum es überhaupt erst zu diesem extremen Verhältnis kommen konnte.

Tatsächlich hat Google schon vor über 10 Jahren stark auf Zeitarbeiter und freie Mitarbeiter gesetzt. Vor 10 Jahren soll der Anteil noch bei gut 30 Prozent gelegen haben und mittlerweile sind wir nun bei weit über 50 Prozent.



Sowohl intern als auch extern wird dieses Verhältnis stark kritisiert, da es angeblich eine Zwei-Klassen-Gesellschaft schafft – in Anlehnung an die Nationalität von CEO Sundar Pichai ist sogar von einem Kasten-System die Rede. Ganz so dramatisch wird es wohl nicht sein, aber eine Gleichstellung dieser beiden Arbeitsformen wird es wohl auch in Zukunft nicht geben und gibt es auch in keinem anderen Unternehmen. Tatsächlich sollen Zeitarbeiter auch in vielen anderen Technologieunternehmen in großem Stil beschäftigt werden und zwischen 40 und 50 Prozent der gesamten Belegschaft ausmachen.

Warum es so viele Zeitarbeiter benötigt, zeigt vielleicht auch ein Blick auf die Aufgabenbereiche, in denen diese überwiegend arbeiten. Zu nennen wäre beispielsweise die starke Content Review-Abteilung, die allein bei der Videoplattform YouTube mehr als 10.000 menschliche Uploadfilter ausmacht. Auch die Websuche, der Play Store und andere Bereiche benötigen Content-Reviewer, die dann eher bei Bedarf als fest angestellt werden. Ein früherer Aufgabenbereich lag laut NY Times auch darin Bücher für Google Books zu scannen.

Seit kurzer Zeit soll Google die Situation der Zeitarbeiter aber bereits verbessert haben: So soll der Mindestlohn auf 15 Dollar gestiegen sein, sie erhalten nun eine Krankenversicherung, teilweise bezahlte Krankenstände und auch bezahlte Elternzeit. Eine komplette Gleichstellung ist allerdings nicht möglich, da Google sonst rein rechtlich als Arbeitgeber gesehen würde und somit auch alle weiteren sozialen Verpflichtungen einhalten müsste.

Siehe auch
» Was läuft falsch bei Google? Ex-Googler beschreibt, wie er am Promotion-System verzweifelt ist

[New York Times]




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