Googles Künstliche Intelligenz macht große Fortschritte: Wo soll das noch hinführen?

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In der letzten Zeit bekommt man das Gefühl, dass sich bei Google alles rund um die Künstliche Intelligenz dreht, ohne die kaum noch eine Neuerung möglich zu sein scheint. Die Künstliche Intelligenz wirft schon seit langer Zeit ethische Fragen und Ängste der Menschen auf, doch wie so oft kommt das enorme Tempo von Google vielen Diskussionen und Lösungen zuvor. Und langsam muss man sich fragen, wo das alles hinführen soll.


Die Menschen hatten schon immer Angst vor großen technologischen Errungenschaften und haben untereinander Ängste geschürt. Auch bei der Künstlichen Intelligenz ist das nicht anders, nur mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass der Mensch so langsam die Kontrolle über die selbst-geschaffenen Künstlichen Intelligenzen verliert. Weiter stellt sich die Frage, ob eine solch zentrale „Macht“ in den Händen eines einzigen Unternehmens sein sollte.

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Google-Gründer Sergey Brin hat erst kürzlich die Diskussionen um die Künstlichen Intelligenzen erneut angefacht und stimmt in den seit Jahren von „Visionären“ und anderen Konzernlenkern klingenden Tenor der Gefahren ein. Allerdings ging es bei ihm weniger um den Kontrollverlust wie in Sci-Fi-Filmen, sondern viel mehr um die Folgen für die Menschen, deren Alltag und den möglicherweise massenhaften Verlust von Arbeitsplätzen. Ob es Zufall oder ein kluger Schachzug gewesen ist, diese Warnungen VOR der Google I/O auszusprechen, kann wohl nicht belegt werden – aber hinterher hätte es vermutlich eine andere Wirkung gehabt.

Seit der Ankündigung von Google Duplex sorgt das vorgestellte Konzept für große Diskussionen und bringt die Künstliche Intelligenz auf eine völlig neue Stufe. Erstmals ist die KI auch deutlich sichtbar nicht nur für die Organisation von Informationen im Einsatz, sondern führt Konversationen mit offenem Ausgang im Auftrag des Nutzers. Natürlich geht es erst einmal nur (in der Testphase) um die Vereinbarung von Terminen, aber es ein minimaler Schritt dahin, dass die KI den für den Nutzer besten Zeitpunkt findet. Das erinnert doch etwas an das Selfish Ledger-Zukunftsvideo von Google.

Aber bei der reinen Terminvergabe wird es ja nicht bleiben, denn natürlich geht die Entwicklung stark voran und Duplex bzw. auch zukünftig sehr ähnliche Produkte könnten für den Nutzer weitere Dinge erledigen. Die Frage ist, wo das enden bzw. hinführen soll.



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Google hat, so wie jedes andere Unternehmen auch, stets den Drang dazu, Dinge weiter zu entwickeln, Produkte noch besser zu gestalten und dem Nutzer/Kunden das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Das geht derzeit aber mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit, bei der man sich kaum wagt, eine Prognose für die nächsten fünf Jahre aufzustellen. Auch hier kann wieder Sergey Brin zitiert werden, der natürlich einen sehr viel tieferen Einblick in die Forschungen von Google hat.

The new spring in artificial intelligence is the most significant development in computing in my lifetime. The revolution in AI has been profound, it definitely surprised me, even though I was sitting right there.

Sergey Brin hat in seinem Founders Letter aber auch betont, dass Alphabet die mit der KI einhergehende Verantwortung sehr ernst nimmt und wünscht sich offene Dialoge – die wir eben auch genau in Form eines solchen Artikels führen. Auch ohne Lupe kann hier zwischen den Zeilen erkannt werden, dass es wohl auch intern immer wieder mal rote Linien gibt, die mit dem kleinen Zeh überschritten werden und dann für Diskussionen sorgen. Fraglich ist, welche Entwicklungen Brin mit seinen Worten genau meint, die heute noch sehr simplen Einsatzgebiete der KI werden es wohl kaum sein.

Ein Wettrüsten im Bereich der KI könnte auf lange Sicht ernste Folgen haben, weswegen sich der Google-Gründer wohl auch öffentliche Diskussionen und vielleicht auch Richtlinien wünscht. Alphabet als börsennotiertes Unternehmen muss natürlich weiter pushen und dabei vielleicht auch Grenzen zuerst überschreiten, denn sonst tut es die Konkurrenz und lässt Alphabet ins Hintertreffen geraten. Man läuft also sehenden Auges ins offene Messer, kann aber kaum etwas dagegen tun. Damit meine ich keine Sci-Fi-Ängste, sondern viel mehr die zukünftige Abhängigkeit von den KIs und der damit einhergehende Kontrollverlust des Menschen.

Schon jetzt kann/könnte die Künstliche Intelligenz in unserem Namen Telefonate führen, in Kombination mit dem neuen Smart Compose von GMail darüber hinaus auch E-Mails in unserem Namen schreiben. Das sie genau weiß, was uns interessiert und auch perfekt wichtige Momente des Lebens einordnen kann (Google Photos) trägt schon das übrige dazu bei. Auch in puncto Kreativität ist die KI schon sehr weit, wie man an den Beispielen Kunst, Musik und sogar Mode-Design sieht. Vielleicht könnte uns die KI schon heute dabei helfen, bessere Entscheidungen zu treffen – wir haben sie nur noch nicht gefragt.



Es gibt vermutlich aktuell kaum ein besseres Unternehmen als Google/Alphabet, in dessen Händen DIE Künstliche Intelligenz besser aufgehoben wäre, aber das gilt eben nur so lange, wie man diese KIs auch kontrollieren kann. Schon mehrmals haben Google-Forscher zugeben müssen, dass sie nicht genau wissen, wie ihre Künstlichen Intelligenzen überhaupt funktionieren. Selbst eine sich selbst reproduzierende Künstliche Intelligenz hat man schon entwickelt, die dann hinterher „klüger“ war als die vorherige Generation.

Mittlerweile hat auch Google die Künstliche Intelligenz zum Mittelpunkt aller Forschungen erklärt, was wohl auf eine noch schnellerer Weiterentwicklung hinauslaufen wird. Vielleicht geht die Belegschaft auch deswegen derzeit so stark gegen das Project Maven auf die Barrikaden, mit dem die KI erstmals in die Dienste des US-Militärs gestellt werden soll. Zwar noch für eine harmlose Aufgabe, aber was sich in Zukunft entwickelt, weiß man ja vorher nie.

Nach der kleinen Schwarzmalerei darf aber auch nicht vergessen werden, dass uns die KI schon heute sehr viele Vorteile bringt und einige populäre Funktionen der Google-Dienste erst möglich macht. Die einfachste zu befolgende Regel dürfte es wohl sein, aus den vielen VORSCHLÄGEN und INFORMATIONEN keine BEVORMUNDUNG zu machen – und schon sind alle glücklich und können vollständig von den KIs profitieren.

Die nächste Diskussion wird aber, spätestens beim nächsten kontroversen Google-Produkt, nicht lange auf sich warten lassen.

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