Drei-Jahres-Plan: So will Google bis 2020 alle Hintergrund-Tabs im Chrome-Browser einfrieren

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Seit der vergangenen Woche rollt Google die Version 57 des Chrome-Browsers für Windows, Mac und Linux aus, und hat damit vermeintlich nur Sicherheitslücken gestopft und einige kleinere Verbesserungen vorgenommen. In Wahrheit war die Version 57 aber auch der Startschuss für die Drosselung von Hintergrund-Tabs, die die Entwickler überraschend schnell umgesetzt haben. Gleichzeitig wurde auch eine Roadmap mit einem Drei-Jahres-Plan zur kompletten Drosselung veröffentlicht.


Schon seit längerer Zeit arbeiten die Chrome-Entwickler daran, den Ressourcen-Hunger des Browsers zu stillen und haben dabei mit den letzten Versionen große Fortschritte gemacht. So konnten viele interne Prozesse beschleunigt werden, und der Browser soll mit den gleichen Ressourcen einen Geschwindigkeitszuwachs von bis zu 53 Prozent erzielt haben. Außerdem konnte der Akku-Verbrauch stark gesenkt werden und auch den RAM-Verbrauch möchte man halbieren.

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Als große Ressourcen-Fresser hatte man vor einiger Zeit schon die Hintergrund-Tabs ausgemacht, die vom Nutzer gerade nicht verwendet werden, aber dennoch den Prozessor beanspruchen und somit sowohl wertvolle Rechenzeit verbrauchen, den Arbeitsspeicher belegen und natürlich auch am Akku saugen. Anfang des Jahres wurden dann Pläne bekannt, den Hintergrund-Tabs Ressourcen zu entziehen, die in der Community auf wenig Gegenliebe gestoßen sind und für Kritik gesorgt haben.

Dessen ungeachtet wurden die Pläne dennoch sehr schnell in die Tat umgesetzt und die Version 57 hat mit dem Ressourcen-Entzug begonnen. Statt bis zu 30 Prozent bekommen diese Tabs nun nur noch 1 Prozent der Prozessor-Leistung zugewiesen und sollen so sehr viel Akku-Leistung einsparen. Durch Ausnahmen für Messenger und Mediaplayer soll sich das für den Nutzer überhaupt nicht bemerkbar machen, außer im positiven Sinne durch einen schnelleren Browser und mehr Akku-Leistung.

Die Entwickler haben aber noch sehr viel mehr vor, und haben einen Drei-Jahres-Plan für den Umgang mit Hintergrund-Tabs vorgelegt. Dieser sieht ein schrittweise Drosselung vor und wird am Ende im Jahr 2020 ALLEN Hintergrund-Tabs die kompletten Ressourcen entziehen und diese vollständig einfrieren. Das gleiche gilt auch für „Offscreen-Frames“, die sich gerade nicht im Bild befinden. Den genauen Plan wird man aber wohl erst mit den ersten Erfahrungen festlegen und umsetzen können.



Der Drei-Jahres-Plan im Detail

Explicit opt-outs (~Q2 2017, when FeaturePolicy ships)
While some of APIs for background work are missing, applications should be able to opt-out via FeaturePolicy from some forms of aggressive throttling.

Suspend all tasks on mobile (~Q2 2017)
Currently all background timers are suspended on mobile after 5 minutes. All tasks should be suspended to improve battery and data usage guarantees.

Throttling non-timer tasks (~Q2 2017)
Currently Chrome throttles only timer tasks.Loading tasks are not throttled to avoid regressing load time in background tabs. We plan to explore ways of throttling loading tasks as well that maintain the ability for pages to load efficiently in background tabs.

Budget-based throttling for offscreen frames (~Q3 2017)
Timers in cross-origin offscreen frames are limited to running once per second. Chrome will additionally extend budget-based throttling to offscreen frames.

Throttling web workers (~2018)
We are currently instrumenting web workers to better understand their CPU usage and power impact. We consider throttling web workers as well, being thoughtful about minimizing broken content.

Suspend all background tabs (~2018)
Fully pause a tab in the background after N minutes unless a web developer states that the tab should continue to run via an explicit opt-out.

Remove opt-outs (~2020+)
Remove the opt-out and pause all pages. We’ll be able to do this once we’ve (1) ensured that the web platform provides the APIs needed for major use cases and (2) given developers a sufficient deprecation period.



Das ganze wird also vor allem dadurch funktionieren, dass Web-Entwickler ihre Anwendungen anpassen müssen und diese im Chrome-Browser als Service Worker registrieren müssen. Das sorgt natürlich wiederum dafür, dass das ganze nur im Chrome-Browser funktioniert und den anderen Browser-Herstellern mit einem deutlich geringeren Marktanteil das Nachziehen erschwert. Damit setzt man ihnen wieder die Pistole auf die Brust, was zwar im Sinne des Nutzers ist, aber Web-Entwicklern das Leben in Zukunft schwer machen könnte.

Wer schon jetzt selbst Hintergrund-Tabs komplett auf Eis legen möchte, kann Erweiterungen wie The Great Suspender nutzen.

Ähnliche Roadmaps hatte man vor einiger Zeit für den langsame Tod von Flash und auch für die Stufenweise Voraussetzung von HTTPS vorgelegt und verfolgt diese seitdem konsequent. Mit den Hintergrund-Tabs geht man nun ein weiteres wichtiges Thema an, das in Zukunft selbstverständlich sein wird – auch wenn es aus heutiger Sicht vielleicht etwas zu viel des Guten scheint. Alles läuft darauf hinaus, dass Webseiten die ein Ausführen im Hintergrund benötigen, sich weiter in Richtung Apps verwandeln müssen – so wie im Chrome-Browser für Android, in denen sich Webseiten nun sogar schon als Apps auf dem Smartphone integrieren können.

» Das Original-Dokument von Google mit weiteren Erklärungen
» Ankündigung im Chrome-Blog



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comment Ein Kommentar zu “Drei-Jahres-Plan: So will Google bis 2020 alle Hintergrund-Tabs im Chrome-Browser einfrieren

  • So, und wenn ich das nicht will, im Hintergrund bestimmte Webanwendungen mitlaufen lassen will, eine Steckdose habe und der CPU-Lüfter davon auch nicht anspringt? Werde ich dann bevormundet und von Google versklavt? Werde ich meiner freien Entscheidung darüber beraubt, was ich mit meinem eigenen Computer mache?

    Wie gut, dass es auch weiterhin Firefox gibt.

    Chrome kann nichtmal Text scharf anzeigen. Außerdem funktionieren Mausgesten nicht überall, Tabs lassen sich nicht in MRU-Reihenfolge durchwechseln, wiederhergestellte ältere geschlossene Tabs haben ihren Verlauf verloren und Google verbietet grundlos etliche andere Erweiterungen. Erinnert mich so an Apple, die haben auch eine große Mauer um ihr Imperium gebaut.

    Ich will Chrome wirklich nicht schlechtreden, er hat ja auch gute Seiten. Wenn man nur mal die grundlegenden Dinge richten würde, bevor man sich sowas erlaubt. Lesekomfort und Produktivität. Brauchen Durchschnittskonsumenten vermutlich nicht.

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