Google Fotos: Nutzer sorgen sich um Bildqualität und verpixelte Fotos; Googles Infomail stiftet Verwirrung

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In wenigen Wochen wird Google Fotos den kostenlosen unbegrenzten Speicherplatz für (fast) alle Nutzer streichen und diese damit als logische Konsequenz in das Google One-Abo drängen. In einer kürzlich an viele Nutzer verschickten E-Mail gab es eine etwas irreführende Aussage zur Qualität der gesicherten Fotos, die aber auch zeigt, wie sich die Sicht auf das eigene Produkt mit der jeweiligen Strategie ändern kann.


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Eine der großen Stärken und sicherlich der größte Nutzermagnet von Google Fotos ist das Auto Backup, das standardmäßig einen großen Teil der Bilder und Videos vom Smartphone automatisch in die Cloud lädt und dort als Backup bereithält. Nutzer können sowohl für den automatischen als auch den manuellen Upload zwischen zwei Qualitätsstufen wählen: Hohe Qualität und Originalqualität. Erstes steht seit jeher und noch bis einschließlich 31. Mai unbegrenzt und kostenlos zur Verfügung, sorgt aber auch für komprimierte Fotos. Letztes kostet seit jeher Speicherplatz-Kontingent, erhält dann aber auch bis zu gewissen (sehr großzügigen) Grenzwerten die Original-Auflösung.

Google Fotos hatte immer damit geworben, dass die „Hohe Qualität“ für die allermeisten Nutzer vollkommen ausreichend ist und die Qualität kaum sichtbar abnehmen wird. Das hat dann auch dazu geführt, dass das automatische Backup bei Hunderten Millionen Nutzern ständig aktiviert ist und alle Bilder und Videos in die Cloud geladen werden, ohne dass sie sich jemals Sorgen um den Speicherplatz machen müssten. Doch mit dieser Stärke ist es bekanntlich schon sehr bald vorbei.

In den letzten Tagen haben viele Nutzer eine E-Mail erhalten, in der im Zuge des „Google One-Zwangs“ auch die Fotoqualität angesprochen wird. Und plötzlich klingt sowohl die Formulierung als auch das gezeigte Beispiel völlig anders als zuvor. Das hat bei vielen Nutzern zu Irritierungen und vielleicht auch Sorgen über die vermeintlich gesicherten Bilder geführt.


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In der E-Mail, die ich als Google One-Abonnenten ebenfalls erhalten habe (allerdings in englischer Sprache) war obige Animation enthalten. Diese zeigt schon sehr deutlich, warum sich viele Nutzer nun Sorgen machen. Es wird suggeriert, dass die Bilder in „Hoher Qualität“, die ja für die Masse der Nutzer vermutlich die Standardeinstellung gewesen ist, stark verpixelt und unscharf sein können. Weil keine weiteren Angaben zur Auflösung oder eines möglichen Zooms gemacht werden, kann das natürlich schockierend sein. Das ist für mich nachvollziehbar, denn kaum etwas Digitales wird mit so vielen Erinnerungen verbunden wie Fotos oder auch Videos.

Dazu gibt es dann auch noch die folgenden Formulierungen:

Original quality photos preserve the most detail and let you zoom in, crop, and print photos with less pixelation.

Ich denke, das ist auch im englischen Original verständlich. Die Kernaussage lautet, dass die Fotos in Originalqualität mehr Details zeigen und beim Zoom oder Druck weniger Verpixelung zeigen. Prinzipiell ist das natürlich korrekt, aber gerade das Wörtchen „verpixelt“ im Zusammenhang mit Fotos ist dann doch etwas, was man nicht unbedingt hören möchte. Natürlich ist obige Animation leicht übertrieben und in dieser Darstellung erst nach mehreren Zoomstufen der Fall, aber für den wenig versierten Nutzer sehr unschön.

Bisherige Formulierung:

Bei den meisten gespeicherten Fotos sehen Sie praktisch keinen Unterschied, wenn Sie „Hohe Qualität“ auswählen.

Ein Video mit 1.080 p oder weniger sieht fast genauso aus wie das Original. Einige Informationen wie Untertitel gehen möglicherweise verloren.

Wie ihr seht, klang das in der Vergangenheit noch ganz anders. Obiger Satz stammt aus dem Google Supportcenter und war auch im Marketing-Material rund um Google Fotos zu finden. Es wurde zwar stets darauf hingewiesen, dass man Abstriche bei der Qualität machen muss, diese aber eigentlich gar nicht so schlimm sind und nicht weiter auffallen. Darauf haben sich die Nutzer dann auch jahrelang verlassen, die Google Fotos-Cloud weiter gefüllt und die Plattform vielleicht auch als einziges Backup genutzt.

Weil Google Fotos von Beginn an auf dem Smartphone so designed wurde, dass es als Galerie-App verwendet werden kann und keinen Unterschied zwischen lokalen und Cloud-Fotos macht, war das eine bequeme Lösung. Für Nutzer war das schon immer ein wenig intransparent und wenn man nun sieht und liehst, dass die wertvollen Erinnerungen vielleicht nicht mehr so schön anzusehen sind, ist das ein wenig unglücklich.




Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen
Google Fotos hat in den letzten Jahren einen sehr guten Job gemacht und wird dies sicherlich auch weiter tun, aber gerade in diesem sensiblen Bereich sollte das Marketing eben aufpassen, was man da verschickt. Erinnert mich ein wenig an die damalige Google+ Einstellung, bei der viele Nutzer längere Zeit dachten, dass „Google“ eingestellt wird. Das ging damals sogar soweit, dass das Unternehmen mehrmals klarstellen musste, dass nicht Google, sondern Google+ eingestellt wird.

Natürlich liefert die „Hohe Qualität“ nicht die Qualität wie das Originalfoto, wenn es größer ist als Googles Limit, aber es bleibt doch weiterhin für eine Sicherung ausreichend. Die wirklich wirklich wichtigen Bilder, an denen man hängt, mit denen man starke Erinnerungen verbindet oder vielleicht auch mal in etwas größerem Format ausdrucken oder sonst wie verarbeiten möchte, sollte man ohnehin nicht nur der Google Cloud anvertrauen, sondern selbst in maximaler Auflösung sichern. Für alle anderen Bilder des Alltags, die man sich zu >90 Prozent sowieso nie wieder ansehen wird, ist die Hohe Qualität mehr als ausreichend.

Google hatte damals ein Interesse daran, dass die Nutzer die Bilder möglichst klein halten um die Server zu schonen. Jetzt, wo die Nutzer für den Speicherplatz zahlen, kann es hingegen gar nicht mehr groß genug sein. Das sind rein wirtschaftliche Interessen und vollkommen nachvollziehbar. Aber auch die Nutzer der niedrigen Qualitätsstufe werden wohl sehr schnell an das Limit gelangen und müssen Speicherplatz kaufen.

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[Forbes]


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