Chrome OS: Verlieren die Chromebooks ihre Identität? Googles Betriebssystem versteckt sich hinter Android & Windows

chrome 

Google hat das Betriebssystem Chrome OS in den letzten Jahren stark weiterentwickelt und arbeitet mit Hochdruck daran, es endlich aus der Nische zu holen. Vor wenigen Tagen wurde die Möglichkeit verkündet, Windows-Apps auf Chromebooks auszuführen, die einen großen Anteil an diesem Unterfangen haben könnte. Doch es stellt sich auch die Frage, ob Chrome damit nicht zu weit vom Weg abkommt und vollständig die Identität verliert.


Nimmt man alle Android-Ableger mit herein, bei denen es sich nicht immer um vollwertige Betriebssysteme handelt, hat Google mittlerweile ein großes Portfolio an Betriebssystemen. Android ist ohne Frage die am weitesten verbreitete Google-Plattform, vermutlich gefolgt von den weiteren Android-Ablegern. Erst am Ende der Liste kommt dann Chrome OS, das global einen kaum messbaren Marktanteil hat, obwohl es nach Android am längsten auf den Markt ist.

chrome logo swoosh

Google Chrome OS feiert im nächsten Jahr den zehnten Geburtstag. Angekündigt wurde es sogar schon im Juli 2009 – also vor über elf Jahren. Und obwohl der Chrome-Browser den Markt dominiert und Google den Smartphone-Markt fest im Griff hat, haben es das Betriebssystem Chrome OS und die Chromebooks bis heute nicht aus der Nische geschafft. In den letzten Jahren konnte man viele Achtungserfolge erzielen und ist tatsächlich Marktführer im US-Schulmarkt. Aber das ist auch der einzige Markt. Nimmt man diesen aus, wären die Anteile wohl im kaum messbaren Bereich.

Chrome OS ist eigentlich ein sehr gutes Betriebssystem, das für den Alltag vieler Nutzer ausreichend wäre – sie wissen es nur nicht. Trotz einem breiten Angebot, greifen nur wenige Menschen zu einem Chromebook. Mittlerweile erhalten sie sogar bis zu neun Jahre Betriebssystem-Updates mit der Aussicht auf einen noch längeren Zeitraum. Doch weder der vergleichsweise günstige Preis, die langen Updates noch das weltbekannte Chrome-Logo oder der Google-Schriftzug haben Verkaufserfolge bringen können.

Google hat diese scheinbar unüberwindbare Hürde schon vor langer Zeit erkannt und setzt stattdessen auf der Software-Seite an: Seit einiger Zeit ist Chrome OS das Betriebssystem der Wahl für Tablets, wird der Android-Oberfläche immer ähnlicher und öffnet sich nun nahezu vollständig für alle anderen Betriebssysteme.


Google Chrome: Werbung auf der Neuer Tab-Seite – Google testet Shopping-Widget im Browser (Screenshot)




chrome os parallels

Android, Linux und Windows
Googles Chromebooks können schon seit länger Zeit Android-Apps nativ ausführen, haben Zugang zum Play Store und haben die vom Smartphone bekannten Apps soweit es geht auf dem Desktop etabliert – mit überschaubarem Erfolg. Parallel dazu hat man die Unterstützung für Linux integriert und die grundlegende Möglichkeit geschaffen, Linux-Anwendungen nativ auf dem Chrome OS-Desktop auszuführen. Das war eine wichtige Grundlage dafür, die nun angekündigte Möglichkeit anzubieten.

Die Business-Versionen der Chromebooks, also die Chromebook Enterprise-Geräte, können nun Windows-Apps ausführen. Das ist nicht ganz billig und funktioniert nicht ganz so bequem wie die Android- und Linux-Apps, aber es soll grundsätzlich ohne große Stolpersteine machbar sein. Dafür wird eigenes eine Windows-Instanz in Chrome OS gestartet, in der dann alle Vorzüge des seit Jahrzehnten dominierenden Desktop-Betriebssystems genutzt werden können. Alle Informationen dazu findet ihr in diesem Artikel.

Windows-Apps als Zugpferd?
Google dürfte die Windows-Apps vermutlich als stärkstes Zugpferd betrachten, so wie es auch schon die Android-Apps sein sollten. Doch zwischen dem klassischen Android und dem Desktop liegen so viele Welten, dass es kaum sinnvoll und komfortabel einsetzbar ist. Android-Apps auf dem Desktop sind nett und eine praktische Notlösung, mehr aber auch nicht. Wohl kaum jemand wird ernsthaft für längere Zeit Android-Apps auf einem Chromebook nutzen. Da hilft auch ein Touchscreen nicht weiter.

Die Windows-Apps könnten es richten, denn sie sind auf den gleichen Formfaktor wie die Chromebooks ausgelegt, es gibt sie in Hülle und Fülle, sie sind häufig sehr stark und verlässlich. Aber was hätte Google von dem Ganzen? Sollte Windows genauso verpuffen wie Android, hätte man sich sehr viel Aufwand ersparen können. Wird es der große Durchbruch, haben Chromebooks im Vorbeigehen ihre ganze Identität verloren. Wozu ein Chromebook, wenn darauf Windows ausgeführt wird?

Chrome OS verliert die Identität
Chrome OS ist als Betriebssystem gestartet, das Googles gesamtes Geschäftsmodell stützen und auch unter Beweis stellen sollte: Alle Aufgaben des PC-Alltags sind im Browser umsetzbar. Das galt schon 2009 in Ansätzen und im Jahr 2020 wird das niemand mehr infrage stellen können – selbst Microsoft nicht. Doch genau von diesem Gedanken hat sich Chrome OS längst verabschiedet und stattdessen die drei Notanker Android, Linux und Windows ausgeworfen.




Warum ein Chromebook?
Die Frage ist, warum man sich ausgerechnet jetzt ein Chromebook kaufen sollte. Für die schlanken Chrome OS-Geräte sprechen vor allem zwei Dinge: Der vergleichsweise günstige Preis und die vermeintliche Sicherheit. Durch immer mehr Premium-Chromebooks zieht der Preis nicht mehr und die teure Windows-Lizenz macht den Preisvorteil gerade in Unternehmen vollständig weg. Über den Preis kann man die Chromebooks bei vollem Umfang also nicht mehr verkaufen.

Die Sicherheit ist innerhalb von Chrome OS weiter gewährleistet, aber wenn man plötzlich das Windows-Betriebssystem auf den Geräten startet, kämpft man mit den gleichen Problemen wie auf einem Computer. Zwar sollte Windows nicht aus der Sandbox ausbrechen und das Chromebook befallen können, aber die Gefahr ist nun gegeben. Die Schnittstellen zwischen Chrome OS und Windows sind da, also ist auch eine software-physische Möglichkeit geschaffen, das Windows nach außen kommuniziert. Ich will Windows nicht schlechtreden, aber es ist eben genau das, wovor man sich mit einem Chromebook bewahren möchte.

Der Fortschritt von Chrome OS ist beeindruckend und Google hat sicherlich ein starkes Produkt gebastelt, das sehr viele Bereiche abdecken kann. Dennoch konnte es sich bis heute nicht durchsetzen und geht nun völlig andere Wege. Es ist fast so, als wenn sich ein Auto nicht verkauft und der Hersteller einfach Flügel dranschraubt, um es als Flugzeug zu versuchen. Das mag funktionieren, ist dann aber kein Auto mehr. Und genauso ist ein Chromebook später kein echtes Chromebook mehr. Damit hätte Chrome OS als Produkt verloren.

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