Google surft immer mit: Auf drei von vier Porno-Seiten befinden sich verschiedenste Google-Tools (Studie)

chrome 

Der im Chrome-Browser enthaltene Inkognito Modus kann in vielen Fällen sehr praktisch sein, erfüllt aber längst nicht den Zweck, den sich viele Nutzer davon versprechen. Wie eine Studie aus dem vergangenen Jahr gezeigt hat, wäre ein solcher Schutz ohnehin kaum wirkungsvoll – zumindest auf den Seiten, die diesem Modus immer wieder zugeschrieben werden: Auf über 90 Prozent aller Porno-Webseiten sollen sich Tracker von Google oder Facebook befinden.


Der Inkognito Modus des Chrome-Browsers wird gerne als Porno-Modus verschrien. Mit Sicherheit wird der Modus für den Besuch solcher Webseiten verwendet, aber natürlich gibt es auch viele weitere Einsatzzwecke abseits des medialen Vergnügens. Vor einigen Tagen haben wir euch gezeigt, dass der überwiegende Teil der Nutzer diesen Modus vollkommen falsch versteht und diesem einen vermeintlichen Schutz vor fast schon abenteuerlichen Dingen zuschreiben.

inkognito logo

Eine interessante Studie aus dem vergangenen Jahr hat gut 22.000 Porno-Webseiten automatisiert ausgewertet und sich die dort installierten bzw. von den Webseiten eingesetzten Tracker angesehen. Wenig überraschend stammte der Großteil der Tracker von Google und Facebook, sodass beide Unternehmen sehr genau tracken könnten, welche Webseiten die Nutzer gerade besuchen. Und dabei würde es theoretisch keine Rolle spielen, ob sie den Inkognito Modus verwenden oder nicht. Zwar sind die Nutzer in diesem Modus nicht in ihren Konten eingeloggt, aber es gibt bekanntlich weitere Möglichkeiten, den Nutzern ein Profil zuzuordnen.

Laut der Studie befinden sich auf 74 aller Porno-Webseiten Tracker von Google. Auf jeder vierten Webseite fand sich ein Tracker von Oracle und immerhin zehn Prozent aller Seiten kontaktieren bei jedem Aufruf die Facebook-Server. Das ist im Grunde keine große Überraschung, denn im restlichen Web sieht das nicht anders aus, vermutlich sogar mit noch höheren Anteilen. Aber gerade in diesem Bereich ist es den Nutzern vielleicht nicht ganz so angenehm, wenn die Besuche erfasst werden. Wie gesagt, sind es nur theoretische Tracking-Methoden.

Google und Facebook hatten recht schnell auf die Studie reagiert und beteuert, dass sie die Daten nicht zur Auswertung des Nutzerverhaltens verwenden oder die besuchten Seiten in das Profil des Nutzers aufnehmen – selbst wenn sie es theoretisch könnten. Google betont zusätzlich, dass das eigene Werbenetzwerk auf solchen Webseiten nicht genutzt werden darf.

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Um welche Tracker geht es?
Im Rahmen der Studie bezieht sich das Wort „Tracker“ nicht auf die zur Profilbildung verwendeten Integrationen, sondern umfasst jede einzelne Kontaktaufnahme zu Servern der Unternehmen. Gerade Google bietet sehr viele Möglichkeiten, externe Inhalte einzubinden, sodass ein Großteil aller Webseiten im Web zu Google aufnimmt. Dabei geht es außerhalb des Werbenetzwerks in den seltensten Fällen darum, ein Profil über den Nutzer aufzubauen. Dennoch befindet man sich mit seinen Daten wie der IP-Adresse in den Serverlogs.

Beispiele für solche Google-Tracker sind neben der Werbung unter anderem der Google Tag Manager, Google Analytics zur Traffic-Auswertung, Google Maps für eingebundene Karten oder Adressen-Abfragen, die Google Fonts-Schriftarten, die zahlreichen gehosteten APIs wie die jquery-Bibliothek und vieles mehr. Vieles davon sammelt keine Daten zur Profilbildung, aber natürlich wird dennoch jeder einzelne Aufruf protokolliert.

Es handelt sich also eher um ein theoretisches Tracking, aber kein praktisches. Würden die Unternehmen ihre Logdaten zusammenführen, was sie nach unzähligen Aussagen der Vergangenheit niemals tun, würden sich die Besuche der Porno-Seiten problemlos nachvollziehen und einem einzelnen Nutzerprofil zuordnen lassen. Das Ergebnis der Studie sollte eigentlich niemanden überraschen, aber dennoch wollten wir euch diese Information natürlich nicht vorenthalten.

» Die Studie als PDF

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