Chiune Sugihara: Google ehrt ‚Japanischen Schindler‘ mit einem Reisepass-Doodle (Interview & Entwürfe)

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Am heutigen 29. Juli feiert Google den japanischen Diplomaten Chiune Sugihara auf vielen internationalen Startseiten mit einem sehr interessanten Doodle. Vielen Menschen dürfte der Name Chiune Sugihara nicht sagen, in seiner Heimat Japan ist er aber als „Japanischer Schindler“ bekannt und hat währendes des Zweiten Weltkrieges mehr als 6.000 Juden das Leben gerettet. Grund genug, ihm ein internationales Doodle zu widmen. Auch die Entwürfe sind sehenswert.


Chiune Sugihara doodle

Das heutige Doodle fällt mal wieder etwas aus der Reihe und enthält gleich mehrere Besonderheiten: Das ganze Kunstwerk wird in Form eines Reisepasses dargestellt und das Google-Logo ist heute nur mit Fantasie aus den zweiten Blick zu erkennen – dann, zugegeben, aber sehr gut umgesetzt. Zu sehen ist der Reisepass mit vielen bunten Stempeln, der auf das Tun von Chiune Sugihara während des Zweiten Weltkrieges hinweist.

Ein großer Stempel ist Sugihara selbst, die anderen stehen für die vielen vielen Menschen, die er durch seine Möglichkeiten als Diplomat gerettet hat. Das Google-Logo wird aus den bunten Stempeln in der Mitte geformt und ist, wenn man es weiß, sehr gut zu erkennen. Der Stempel mit dem Schriftzug Litauen bezieht sich ebenfalls auf das Kapitel in seinem Leben, für das er heute von Google mit diesem Doodle geehrt wird.

Entworfen wurde das Doodle von Matthew Cruickshank, der im unten eingebundenen Interview einige Fragen rund um die Thematik beantwortet. Am Ende des Artikels findet ihr einige Entwürfe zu dem heutigen Doodle.



Chiune Sugihara ist heute vor allem in Japan als „japanischer Schindler“ bekannt, wobei sich Schindler natürlich auf Oskar Schindler bezieht, deren Taten vermutlich die meisten aus Schindlers Liste kennen dürften. Sugihara war seit 1939 Vizekonsul des japanischen Konsulats in Litauen und begann im Jahr 1940 damit, unzähligen Juden ein Visum auszustellen, dass ihnen die Ausreise ermöglichte und sie somit vor dem sicheren Tod bewahrte.

Am 29. Juli 1940 begann Sugihara nach Konsultation mit seiner Frau, in Eigeninitiative Visa auszugeben. Dabei ignorierte er viele Male die Vergabevoraussetzungen und versorgte die Juden – unter Bruch der ihm gegebenen Anweisungen – mit einem 10 Tage gültigen Transitvisum für Japan. In Hinblick auf seinen Posten und die Kultur im japanischen Außendienst war dies eine außergewöhnliche Aktion ohne Präzedenzfall.

18-20 Stunden stellte er persönlich handschriftliche Visa aus und vergab pro Tag mehr, als sonst in einem ganzen Monat üblich. Das Ganze unter Missachtung der Anweisungen, die aber laut offiziellen Angaben niemals Folgen für ihn hatten. Zwar wurde er schon bald entlassen, aber das offiziell aufgrund von Personalabbau. Sugihara blieb ein strafloser freier Mann und lebte die nächsten Jahrzehnte in Japan und der Sowjetunion.

Interview mit dem Zeichner des Doodles

Q: Chiune Sugihara was both a diplomat and a rebel. What part of his character did you find most inspiring personally?
A: His bravery. He trusted his instincts to fundamentally help people no matter where they’re from or who they are.

Q: How did you decide to render his Doodle as a passport?
A: It seemed the most logical. Passports are quite beautiful things when you look at them closely—for instance, passport stamps are uniquely graphic and readable. Do we even stamp passports anymore?!

Q: Your early draft shows a pencil sketch of Chiune—is that your preferred medium? Did you do anything different on this Doodle from a technical standpoint?
A: I use of lot of different mediums, but I somehow forget how subtle and versatile a basic pencil can be! Coincidentally, I was traveling during this project, and having no access to the computer gave me this pencil opportunity. It somehow captures his dignity.

Q: At what point in your life did you know that you loved the visual arts? Was there a particular artist or teacher who inspired you to develop your talents?
A: I’m just one of the millions of people that drew as a kid. I just stubbornly never gave up. I have too many inspirational artists to mention, but Peter Parr was my art tutor in England and Oscar Grillo, an Argentinian artist living in London, constantly inspires me.

Q: What advice or encouragement would you give to fellow artists who may be approaching a project like this, where the challenge is to represent a little-known historical figure with a big story using a single image?
A: Great question. I would say always start with small concept sketches on scrap paper. There’s no pressure. Working small eliminates details you don’t need. Try to depict people in as simple lines and shapes as possible. In terms of drawing in general, sketching and studying people in real life loosens you up and heightens your skillset.

Q: Why do you think it’s important to bring stories like Chiune Sugihara’s to a wide audience?
A: Sugihara spent 18-20 hours a day processing visas in order to save people. Anybody who worked so hard with such sacrifice deserves to be seen by as many people as possible.



Entwürfe zu dem Doodle

chiune sugihara entwurf 1

chiune sugihara entwurf 2

chiune sugihara entwurf 3

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comment 3 Kommentare zum Thema "Chiune Sugihara: Google ehrt ‚Japanischen Schindler‘ mit einem Reisepass-Doodle (Interview & Entwürfe)"

  • Lieber Jens, danke für deinen Beitrag.
    Der Artikel ist aber ganz nach transatlantischen Vorgaben gemacht, es fehlt an Substanz. Wer hat die Juden bis zu Vernichtung verfolgt? Mit keinem Wort werden die Deutschen als Verbrecher erwähnt. Mit keinem Wort werden die lokalen Nazis aus Litauen erwähnt (das ist heute wichtiger denn je). Auch polnische Nazis werden nicht erwähnt. Wie geht das?
    Ich habe jetzt Stunden verbracht und alle Mainstream Medien durchgeblättert und auch Wikipedia. Es entsteht Eindruck dass die Juden von den Sowjets (Russen) fliehen müssten. Bestenfalls werden die Nazis und Sowjets auf gleiche Ebene gesetzt. Ganz im Geist heutiger Zeit.
    War das so schwer, den/die Verbrecher, wenn auch nur kurz, mit den Namen zu nennen?

    • Politische und religiöse Themen umschiffe ich so gut es nur geht, denn es führt (leider) IMMER zu Diskussionen, die am Ende dazu führen, dass ich viele Kommentare löschen oder die Funktion auf allen Plattformen sperren muss. Deswegen erspare ich mir das, egal aus welcher Ansicht.

      • Ich verstehe deinen Ansatz, bin aber mit der einseitigen-, für die Nazis schönenden Lösung, nicht einverstanden. Ein Artikel mit fehlenden-, selektiv ausgelassenen Fakten ist Politik.
        Es ist dein Artikel. Meine Anmerkung sollte dich nur zum Nachdenken bewegen.
        LG

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