Der massive Protest hat Wirkung gezeigt: Google wird das Militär-Projekt ‚Maven‘ nicht fortsetzen

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Das gemeinsam mit dem US-Militär geplante Project Maven sorgt seit vielen Wochen sowohl Google-intern als auch von Außerhalb für große Spannungen und hat mittlerweile eine Dimension erreicht, die das Image des Unternehmens gefährlich ankratzt. Das kam nun endlich auch in der Führungsetage an, denn nun hat man sich dazu entschlossen, das Projekt zum nächstmöglichen Zeitpunkt einzustellen und den Vertrag nicht zu verlängern.


Google arbeitet schon seit vielen Jahren in ganz verschiedenen Bereichen mit US-Behörden und Regierungsorganisationen zusammen – das wird natürlich nicht an die große Glocke gehangen, ist aber soweit bekannt und wird auch nicht verschleiert. Die erst vor kurzem publik gewordene Zusammenarbeit mit dem US-Militär sorgt aber für Aufregung, obwohl das gemeinsame Projekt nicht zu Kriegszwecken dienen soll. Zumindest nicht direkt – das hat Google immer wieder betont. Dennoch haben die Sorgen der Mitarbeiter nun die finanziellen Interessen überstimmt.

google militär Bild: Gizmodo

Auf einem internen Meeting hat Google Clouds-CEO Diane Greene nun verkündet, dass der Vertrag mit dem US-Militär nach März 2019 nicht weiter verlängert wird und das Project Maven somit Geschichte ist. Das Projekt sorgt derzeit dafür, dass die von den Drohnen des US-Militärs angefertigten Aufnahmen automatisch von einer Künstlichen Intelligenz nach 38 verschiedenen Typen von „Objekten“ durchsucht werden. Durch die Masse an Aufnahmen ist diese Aufgabe von Menschen nicht mehr zeitgerecht zu erfüllen.

Google hatte stets betont, dass die KIs nicht zu Kriegszwecken dienen und die Aufnahmen nur vorfiltern, so dass sich die Militär-Experten nur die wirklich interessanten Bilder ansehen müssen. Natürlich können Entdeckungen auf solchen Bildern über eine längere Kette von Ereignissen zu kriegerischen Handlungen führen, aber die KIs haben darauf weder direkt noch einen unmittelbaren Einfluss. Wohl auch aus dem Grund wurde das Projekt damals mit Handkuss angenommen.

Doch die Mitarbeiter dürften vor allem Sorge vor Folgeprojekten gehabt haben, die dann immer ein Stück weitergehen als das Vorherige und eines Tages dann vielleicht doch Entscheidungen treffen sollen, die zum Waffeneinsatz führen könnte. Das galt es für die Mitarbeiter zu verhindern.



Google hatte trotz eines Offenen Briefes der Belegschaft, der in der Zwischenzeit über 4.000 Unterschriften sammeln konnte an dem Projekt festgehalten. Auch ein offener Brief von 800 externen Wissenschaftlern sowie eine kleine Kündigungswelle konnten die Meinung der Konzernführung nicht umkehren. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass das Unternehmen ethische Grundsätze aufstellen möchte, aber dennoch am Projekt festhält. Zweites hat sich nun geändert; Erstes soll in wenigen Tagen verkündet werden.

Das Unternehmen sah sich in diesem Fall wohl in einer großen Zwickmühle, aus der man nicht mehr so leicht herauskommt. Die finanziellen Interessen sind das Eine (Das Projekt soll etwa 9 Millionen Dollar pro Jahr gebracht haben), aber das durch die Kampagne angeknackste Image ist doch deutlich schwerer aufzuwiegen. Gerade im Hinblick auf das frisch entfernte „Don’t be evil“ kann das auf lange Sich auch ordentlich nach hinten losgehen.

Laut einem Bericht läuft derzeit eine Cloud-Ausschreibung des Pentagon, für die sich alle große Unternehmen von Amazon über Microsoft bis Google beworben haben. Das Projekt hat eine Größenordnung von 10 Milliarden Dollar für 10 Jahre und könnte das Cloud-Geschäft des Gewinners ein großes Stück voranbringen. Der Abbruch des Militärprojekts steht dazu zwar in keiner Verbindung, dürfte die Chancen Googles aber nicht gerade verbessert haben.

Das Project Maven

[9to5Google]


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comment 1 Kommentare zum Thema "Der massive Protest hat Wirkung gezeigt: Google wird das Militär-Projekt ‚Maven‘ nicht fortsetzen"

  • Mich würde es stark wundern wenn das US Millitär hier noch hilfe brenötigt…
    Ich gehe davon aus dass dies dem Millitär (egal wo) seit mindestens 3 Jahren bereits möglich ist und eh keiner weiteren Forschung mehr bedarf…

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