Unstimmigkeiten bei Google Duplex: Waren die Demo-Anrufe des Google-Assistenten echt oder nicht?

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In der vergangenen Woche wurde Google Duplex vorgestellt, das dem Google Assistant nicht nur eine Stimme verleiht, sondern auch für den Nutzer sprechen bzw. telefonieren kann. Wie weit diese Technologie vorangeschritten ist, hat Google nicht verraten, sprach aber davon, dass es sich auf der großen Bühne um echte Anrufe gehandelt hat. Doch jetzt wurde herausgefunden, dass das vielleicht nicht so ganz der Wahrheit entspricht.


Google Duplex ist möglicherweise noch viele Monate oder vielleicht auch Jahre vom Start entfernt, aber dennoch sorgt es schon jetzt für sehr große Diskussionen. Nicht nur im Hinblick auf Googles Zukunftsvision für Künstliche Intelligenzen war das für einige Menschen beängstigend, sondern auch über die Machbarkeit gab es einige Diskussionen. Und wie sich nun zeigt, ist das System möglicherweise doch noch nicht ganz so weit, wie es dargestellt wurde.

Data Telefon Google Duplex

Schon während der Präsentation gab es Zweifel daran, ob es sich bei den vielen Beispielen um echte Anrufe gehandelt hat. Doch in der Präsentation auf der großen Bühne hieß es, dass hier echte aufgezeichnete Anrufe gezeigt werden. Doch es gibt einige Unstimmigkeiten, die darauf schließen lassen, dass die Anrufe vielleicht echt gewesen sind, das gegenüber aber sehr genau wusste, dass es mit einer Maschine spricht.

Das erste Indiz ist es, dass sich alle Personen direkt mit Sätzen wie etwa „wie kann ich ihnen helfen?“ gemeldet haben. Normale Unternehmen melden sich normalerweise mit dem Namen des Unternehmens und ihrem Namen. Das kann aber aus Datenschutzgründen vielleicht auch einfach rausgeschnitten worden sein. Dennoch zeigt es, dass es bei dem Telefonat eine Manipulation gegeben hat und es sich eben nicht um eine echte Aufzeichnung handelt.

Das zweite Indiz sind Geräusche im Hintergrund – es gab nämlich keine. Wer in einem Restaurant oder Friseursalon anruft, der hört das normalerweise auch. Stattdessen ist es im Hintergrund Mucksmäuschenstill, so dass die Stimme des Menschen am anderen Ende glasklar zu hören ist – aber eben nicht echt wirkt.



Das dritte Indiz sind die wenigen Informationen, die verlangt worden sind. Wer etwas reserviert, muss normalerweise Kontaktdaten hinterlassen, aber in beiden Fällen wurde nicht danach gefragt. Auch in den vielen anderen Beispielen kam niemals eine solche Frage auf. Aber auch hier ist es wieder möglich, dass das einfach herausgeschnitten wurden – aber dann ist es wieder kein Original-Anruf, sondern nur zusammengeschnittene Teile. Genauso gut hätten auch andere Teile herausgeschnitten sein können, in denen Duplex keine gute Figur macht.

Wie weit die Entwicklung auch immer fortgeschritten ist, sie ist wohl noch nicht zu dem in der Lage, was Google versprochen hat. Aus diesem Grund gibt es keinen Starttermin, keine Testphase, keine öffentlichen Regeln – die werden wohl gerade erst intern diskutiert und auch noch keine weiteren Details. Man darf aber auch nicht vergessen, dass es eine Tech-Demo war, die häufig mehr zeigen, als tatsächlich möglich ist. Ich sage nur das Stichwort Google Glass.

Google selbst wollte sich zum Status der Entwicklung und der Echtheit der Anrufe nicht äußern. Ich würde davon ausgehen, dass die Anrufe zwar echt gewesen sind, aber das gegenüber dennoch vorher darüber informiert wurde, mit wem es später sprechen wird. Die Geräusche im Hintergrund herauszufiltern ist für eine KI kein großes Problem, so dass möglicherweise auch einfach nur das abgespielt wurde, was die KI selbst gehört hat.

» Der Bericht bei Axios

Siehe auch
» Selfish Ledger: Google-Internes Konzeptvideo beschäftigt sich mit der Zukunft der Künstlichen Intelligenz
» Google Duplex: Zu menschliche Telefon-Funktion sorgt für Diskussionen – Entwickler versprechen Enttarnung
» Google Duplex: Der Assistant kann in Zukunft selbstständig telefonieren – so hört es sich an (Hörproben)

[WinFuture]


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comment 3 Kommentare zum Thema "Unstimmigkeiten bei Google Duplex: Waren die Demo-Anrufe des Google-Assistenten echt oder nicht?"

  • Für mich war der beeindruckende Part, dass der Assistant Füllwörter und Intonation genutzt hat und somit wirklich menschlich klang. Ob das Gespräch jetzt so gestellt war, dass die KI den Inhalt besser verstehen konnte ist für mich zweitrangig 🙂

  • Für solchen Fall lädt man Probanden in ein Testlabor ein und macht den Usability-Test mit Ihnen. Darum gibt es auch keine Hintergrundgeräusche. Ich könnte vorstellen, dass man die Leute gebeten hat sich in die Situation zu versetzen und hat denen ein Telefon in die Hand gegeben. Nach dem Gespräch hat man die Personen befragt wie es gelaufen ist und ob Sie was gemerkt haben. Die Probanden haben definitiv nicht gewusst, dass es sich um eine Maschine handelt, ansonsten macht es keinen Sinn solch einen Test durchzuführen. Somit konnte Google danach die Probanden fragen ob man das Gespräch veröffentlichen kann.

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