Logan Paul: YouTube-CEO Susan Wojcicki sieht keinen Anlass zur Sperre des YouTubers

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Das Thema Logan Paul beschäftigt YouTube nun schon seit weit über einem Monat, und wird so heftig diskutiert, dass sich YouTube zu einigen Schnellschuss-Regeln hinreißen lässt. Jetzt hat sich auch CEO Susan Wojcicki erstmals direkt zu Logan Paul geäußert und vertritt ihren wohl ganz eigenen Standpunkt. Nach ihrer Ansicht hat der YouTuber gegen keine schwerwiegenden Regeln verstoßen, und kann aus diesem Grund auch nicht von der Plattform verbannt werden.


Anfang Januar dieses Jahres veröffentlichte YouTube-Star ein Video aus dem Suizid-Wald, das ihm sehr viel Kritik einbrachte und die Grenzen des Geschmackvollen sehr weit überschritten hat. Das hat dann auch Paul eingesehen, sich kurz darauf entschuldigt und sich dann für einige Wochen von der Videoplattform zurückgezogen. Doch gerade als etwas Gras über die Sache gewachsen ist, legte Paul wieder nach und hatte ein weiteres geschmackloses Video hochgeladen – das dann sehr eindeutig gezeigt hat, dass er wohl nichts daraus gelernt hat.

logan paul

Um Logan Paul nicht nur öffentlich auf die Finger zu klopfen, sondern ihm auch tatsächlich einen großen Denkzettel zu verpassen, hat YouTube bisher zwei Maßnahmen erlassen: Als erstes wurden ihm einige Privilegien aberkannt und nach dem zweiten Video hat man ihm dann vorübergehend den Geldhahn zugedreht und zeigt keine Werbung mehr in seinen Videos. Das trifft ihn natürlich hart, aber vielen Beobachtern geht das dennoch nicht weit genug, denn diese würden lieber eine Verbannung des Stars sehen.

He hasn’t done anything that would cause those three strikes. We can’t just be pulling people off our platform … They need to violate a policy. We need to have consistent [rules]. This is like a code of law.
 
What you think is tasteless is not necessarily what someone else would think is tasteless. We need to have consistent laws, so that in our policies, so we can apply it consistently to millions of videos, millions of creators.

In einem Interview hat sich nun YouTube-CEO Susan Wojcicki zu diesem Thema geäußert, und hat sich überraschend schützend vor den YouTuber gestellt, der doch eigentlich gar nichts schlimmes angestellt hat. Zwar vertritt sie ebenfalls den Standpunkt, dass die Videos geschmacklos sind, aber sie verstoßen gegen keine Regeln oder Gesetze, und können so auch keinen Strike auslösen. Der Strike ist YouTubes internes Straf-System, bei dem nach drei Strikes der Zugang zum Account gesperrt oder gelöscht werden kann.



Dazu kann man nun stehen wie man will, aber für mich hört sich das fast schon wie ein Freibrief für Logan Paul an. Da YouTube ohne Frage das Hausrecht hat, kann man ihn natürlich von der Plattform schmeißen – das wäre dann auch ein noch größerer Denkzettel für andere YouTuber, die sich vielleicht von Paul zu solchen Aktionen motivieren lassen.

Die neuen Bestrafungen sprechen zwar eine ganz andere Sprache und möchten die Plattform von genau solchen Inhalten säubern, enthalten aber ebenfalls keine End-Maßnahme in Form einer Sperrung. Die schlimmste Bestrafung sieht lediglich vor, dass die Videos nicht mehr empfohlen werden. Logan Paul befindet sich mittlerweile auf Stufe 2 von 3, und hätte danach nun offenbar wieder Narrenfreiheit.

Für mich ist es unverständlich, dass man für das Hochladen von Videos mit Musik im Hintergrund bestraft und gesperrt werden kann, für die Anstiftung von vielen Millionen Teenagern zu solchen dummen Taten aber keine Verbannung befürchten muss. Genau solche Geschichten sind es auch, die YouTube und anderen Netzwerken Kritik einbringen und langsam aber sicher auch die Werbekunden verschrecken. Erst gestern hatte Unilever angekündigt, in Zukunft möglicherweise nicht mehr bei Google und Facebook zu werben.

Logan Paul – die ganze Geschichte
» YouTube: Logan Pauls Video aus dem Suizid-Wald hat Konsequenzen für die gesamte Videoplattform
» Suizid-Wald Video: YouTube zieht erste Konsequenzen und entzieht YouTuber Logan Paul seine Privilegien
» Aus Fehlern nichts gelernt: YouTube sperrt Logan Paul die Monetarisierung – über 1 Mio. Dollar pro Monat
» Wegen Logan Pauls Verfehlungen: YouTube führt neue Bestrafungen für YouTuber ein

[The Verge]


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comment 4 Kommentare zum Thema "Logan Paul: YouTube-CEO Susan Wojcicki sieht keinen Anlass zur Sperre des YouTubers"

  • Finde die Konsequenzen auch „übertrieben“. Hier wurde keine Gesetze und/oder ähnlicheres gebrochen. Moralisch sieht die ganze Sache natürlich wieder anders aus, aber das steht hier nicht zur Debatte.

  • Schwachsinn daraus zu schlussfolgern er hätte nichts gelernt. Auch wenn es nicht mein Humor ist, ist bei dem neueren Video nichts wirklich schlimmes passiert und es hat rein gar nichts mit dem Suicide Forrest Vlog zu tun oder mit der Lehre daraus. Ist wie Äpfel und Birnen zu vergleichen. Demnächst tritt er auf ne Ameise und wieder wird so ein unnötiges, dummes Brimborium gestartet.

    • Ich verstehe was du sagen willst, aber Millionen von Jugendlichen sehen Menschen wie Logan Paul als Vorbild. Dabei wird es einfach problematisch, denn YouTube muss sich fragen ob man solchen Menschen eine Plattform bieten möchte – und das dann auch noch seinen Werbekunden antut. Auch der Aufruf zur mittlerweile „verbotenen“ Tide Pod Challenge zeugt nicht gerade davon, dass er etwas gelernt hat. Es ist ein schmaler Grat und sicherlich kann man das viel diskutieren, aber meiner Meinung nach hat YouTube einfach noch nicht konsequent genug reagiert.

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