Bundestagswahl 2017: Google greift in den Wahlkampf ein und bietet Politikern selbstverfasste Infboxen an

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In etwas mehr als sechs Wochen ist die Bundestagswahl und bis jetzt wird der Wahlkampf mit angezogener Handbremse durchgeführt und vielen Bürgern sind höchstens die Spitzenkandidaten namentlich bekannt. Jetzt prescht Google hervor und möchte zu einem wichtigen Tool in diesem Wahlkampf werden: Politiker aller zur Wahl stehenden Parteien sollen in den kommenden Wochen ihre Suchergebnisse anpassen und wichtige Eckdaten ihrer Programme präsentieren können.


Wenn der Wahlkampf erst einmal beginnt, ist man vor Wahlwerbung, großen Veranstaltungen und billigen Werbegeschenken nicht mehr sicher. Dennoch informieren sich die meisten Menschen über das Internet über die Parteien und die jeweiligen Kandidaten und holen sich dort alle wichtigen Fakten. Googles Websuche ist dabei die erste Anlaufstelle und kann in vielen Fällen sicherlich auch für eine Beeinflussung der Wähler sorgen. Doch in diesem Jahr wird es nicht nur auf gutes SEO ankommen.

Infobox Politiker

Sucht man nach einem prominenten Politiker wie etwa der Bundeskanzlerin Angela Merkel, bekommt man direkt neben den Suchergebnissen eine Box mit einigen handfesten Informationen. So gibt es ihre aktuelle Position, eine Mini-Biographie sowie Details zur Körpergröße, dem Alter und auch ihrer Partei zu sehen. Für kaum bekannte Politiker kleinerer Gemeinden gibt es solche Boxen hingegen nicht – und genau das möchte Google nun in diesem Wahlkampf ändern.

Google ruft mehr als 4.500 Politiker dazu auf, Texte einzureichen, die direkt neben ihren Suchergebnissen erscheinen sollen. Diese dürfen eine Gesamtlänge von höchstens 500 Zeichen haben und sollen ihr Programm wiederspiegeln oder auch einfach nur herzliche Worte an die potenziellen Wähler richten. Der Inhalt steht den Politikern völlig frei, es dürfen nur keine volksverhetzenden Inhalte dort eingereicht und angezeigt werden.

Zusätzlich kann jeder Politiker noch drei Schwerpunkte mit jeweils höchstens 140 Zeichen dort auflisten lassen. Insgesamt stehen jedem damit maximal 920 Zeichen zur Verfügung, um die Wähler für ein Kreuz vor dem eigenen Namen zu überzeugen. Das dürfte wohl auch vollkommen ausreichen, denn wer tatsächlich das volle Wahlprogramm-Buch sehen möchte, kann sich gesondert auf den Partei-Webseiten informieren.



Neben den selbst verfassten Texten können in diesen Infoboxen auch Links zu Sozialen Netzwerken untergebracht werden, so dass auch diese Profile wohl regen Zustrom und deutlich mehr Aufmerksamkeit bekommen werden. Links zu anderen Webseiten sind dort nicht erlaubt, denn damit könnte man die Zeichengrenzen umgehen und natürlich sind die Links zu den offiziellen Webseiten sowieso gleich daneben in den Suchergebnissen zu finden.

Google mischt sich damit so stark wie noch nie zuvor in Deutschland in den Wahlkampf ein und bringt die amerikanischen Methoden erstmals auch nach Deutschland. Ich gehe davon aus dass alle der 4.500 aufgerufenen und zu großen Teilen kontaktierten Politiker auch tatsächlich Botschaften und Schwerpunkte einreichen, was wiederum für eine sehr gute Übersicht für alle Bürger führt.

Natürlich können dadurch auch die Suchanfragen zu Politikern steigen, was wiederum aber auch für die Politiker zu der Gefahr führt, das unliebsame Inhalte in den Suchergebnissen zu sehr in den Fokus rücken – auf der anderen Seite könnten diese Boxen aber eben auch genau von diesen ablenken. Die Boxen sollen ab dem Zeitpunkt der Freischaltung durch die einzelnen Kandidaten bis inklusive zum 24. September angezeigt werden.

Wer sich auch zu wissenschaftlichen Zwecken an der Bundestagswahl beteiligen möchte, kann sich auch das Projekt Datenspende einmal ansehen und die eigenen Suchergebnisse anonymisiert „spenden“.

[Spiegel Online]



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