Googles Künstliche Intelligenz: Sind zukünfige Produkte durch Diskussionen um das KI-Bewusstsein gefährdet?

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Die Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz hat bei Google seit vielen Jahren eine hohe Priorität und konnte schon zahlreiche beeindruckende Fortschritte machen, die immer wieder präsentiert oder auch in Produkten eingesetzt werden. Doch die aktuelle Diskussion um das Bewusstsein der Künstlichen Intelligenz könnte so manches Projekt gefährden. Dabei zeigt es eigentlich nur, wie weit man schon gekommen ist.


sonny ki roboter

Die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz hat kein konkretes Ziel, denn es gibt die smarten Algorithmen in vielen verschiedenen Varianten, die ihren ganz eigenen Aufgabenbereich abstecken. Es gibt noch nicht einmal eine allgemein gültige Definition der Künstlichen Intelligenz, denn diese ist längst zum Buzzword geworden und jeder etwas größere Algorithmus wird als KI bezeichnet – was viele mit Sicherheit nicht sind. Weil diese Definition fehlt, lässt sich auch die aktuelle Diskussion nur schwer führen.

Das was Google und andere Tech-Unternehmen seit Jahren entwickeln und auch in vielen Produkten im Einsatz haben, kann man vermutlich tatsächlich Künstliche Intelligenz nennen. Selbstlernende Algorithmen, die Erfahrungen sammeln und sich selbst immer weiter optimieren. Schlussendlich sind das auch nur sehr umfangreiche Algorithmen, aber der Unterschied besteht darin, dass sie sich selbst verändern können. Schon vor Jahren haben Google-Entwickler zugeben müssen, dass sie nicht mehr überblicken, was da eigentlich geschieht und wie so manche KI-Aktion überhaupt funktioniert.

Und weil „wir“ den Überblick verloren haben, lässt sich schwer sagen, wo die Grenzen liegen und was heute oder in Zukunft möglich ist. Wer würde sich aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass eine KI niemals ein Bewusstsein entwickeln wird und zu einer Art Lebewesen werden kann? Heute würde man für solche Behauptungen vielleicht noch abgeführt und in die Gummizelle gebracht werden, aber die Technologie entwickelt sich rasant.




Künstliche Intelligenz

Hat Googles KI ein Bewusstsein?
Blake Lemoine könnte aufgrund seiner Aussagen über die Google-KI wohl als Mensch in die Geschichte eingehen, der zuerst ein Bewusstsein in den Algorithmen entdeckt hat. Könnte. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass ihm auch in Zukunft nur die wenigsten seine Geschichte glauben und er eher als Wissenschaftler in die Geschichte eingeht, den man aus zahlreichen Hollywood-Filmen kennt und als verkanntes Genie vor Gefahren warnt, die die Menschen nicht ernst nehmen.

Ich persönlich glaube nicht daran, dass Googles KI ein Bewusstsein entwickelt hat. Allerdings würde ich auch nicht ausschließen, dass es nicht in vielen Jahren tatsächlich möglich ist. Und dann wiederum muss man sich fragen, warum soll das in 20 Jahren möglich sein, aber noch nicht heute? Niemand weiß, wie weit die Entwicklung hinter den Kulissen bereits fortgeschritten ist. Damit bleibt die Unsicherheit, ob nicht vielleicht doch etwas wahres an der Geschichte dran ist.

Diskussionen werden absurder
Vor wenigen Tagen hatte Lemoine mit warnenden Aussagen vor der KI nachgelegt und laut darüber nachgedacht, dass die Menschen die Kontrolle verlieren und die KI ausbrechen könnte. Technisch wäre das sicherlich möglich, denn wir sind von so vielen technischen Geräten und Milliarden vernetzten Prozesssoren umgeben, sodass ein gewisses Outsourcing theoretisch machbar wäre. Ob die KI dann gleich Böses im Schilde führen muss, wie es Lemoine in den Raum gestellt hat, ist wieder eine andere Sache.

Wer ein paar Sci-Fi-Filme gesehen hat, kann sich die weitere Entwicklung selbst ausmalen. Vieles ist (aus meiner persönlichen Sicht) absoluter Blödsinn, aber dennoch sollte man einiges bedenken: KIs haben schon heute einen großen Anteil an unserem smarten Leben. KIs treffen Entscheidungen, die die Menschen hinnehmen. Wir lassen uns von smarten Produkten und ihren Vorschlägen steuern oder zumindest beeinflussen. Immer mehr Geräte sind vernetzt und können sich gegenseitig steuern.

Das hat alles nichts mehr mit dem Sprachmodell LaMDA zu tun, das von Google soweit entwickelt worden ist, dass man tatsächlich das Gefühl haben kann, mit einer echten Person zu sprechen. Das ist nicht überraschend, denn genau DAS war das Ziel der Entwicklung. Ähnlich läuft es bei Google Duplex, das automatisch Telefonate führen kann und dafür sorgen soll, dass das Gegenüber im Glauben bleiben könnte, mit einer echten Person zu sprechen. Dafür wurden sogar menschliche Störgeräusche von „äh“ bis „hm“ integriert. Eine perfekte Simulation.




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Diskussionen könnten Googles Projekte gefährden
Ob man nun dran glaubt oder nicht: Google muss sich mit dem Thema beschäftigen und vielleicht strenge Richtlinien und Definitionen aufstellen. Das könnte dazu führen, dass so manche Entwicklung nicht fortgeführt werden kann. Vor allem wenn es darum geht, dem Menschen immer näher zu kommen. Darf man Personen noch simulieren? Sowohl in Textform als auch in Sprache oder gar in der Darstellung? Müssen Roboter wirklich immer mehr wie Menschen aussehen, Gefühle erkennen und auch selbst welche ausdrücken können? Genau in diese Richtung läuft die Entwicklung.

Das Thema ist wirklich sehr spannend und lässt sich mittelfristig wohl nicht durch ein einfaches Ignorieren solcher vermeintlicher Entdeckungen lösen.

Als alter Star Trek-Fan erinnert mich das Ganze an eine TNG-Folge rund um Commander Data, in der es darum geht, ob der Androide nur eine Maschine ist oder tatsächlich lebt. Davon sind wir noch weit entfernt, aber viele notwendige Komponenten sind bereits in Entwicklung und müssten bloß noch zusammengeführt werden. Bis zum Jahr 2364, so wie in der Serie dargestellt, werden wir das schaffen. Die Grundsteine dafür werden heute gelegt.

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