Android Automotive: Hat Google in die falsche Richtung entwickelt? Apple CarPlay zeigt, wie es aussehen kann

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Die Infotainment-Plattform Android Auto hat sich in sehr kurzer Zeit in Millionen von Fahrzeugen verbreitet und in den nächsten Jahren möchte Google dieses Kunststück mit dem Betriebssystem Android Automotive wiederholen. Schon seit langer Zeit zeichnet sich ab, dass das nicht ganz so einfach wird und jetzt hat man wohl ausgerechnet von Apple einen echten Schuss vor den Bug bekommen.


android automotive

Das Infotainment-Betriebssystem Android Automotive hat schon einige Jahre auf dem Buckel, steckt aber noch immer in der Nische und wird nur in sehr wenigen Fahrzeugmodellen verwendet. Das soll sich in den nächsten zwei Jahren ändern, denn viele Fahrzeughersteller haben ihre Unterstützung bereits zugesagt. Rechtzeitig vor dem etwas breiteren Rollout hat man eine neue Oberfläche angekündigt, die ein Stück weit als Vereinheitlichung mit Android Auto gesehen werden kann.

Bisher wurde die Android Automotive-Oberfläche recht positiv aufgenommen, doch spätestens seit dieser Woche sieht sie altbacken und vollkommen eingeschränkt aus. Denn Apple hat das neue CarPlay gezeigt und kann bildgewaltig begeistern. Das CarPlay-Display geht über die gesamte Breite des Armaturenbretts, übernimmt die Steuerung der Fahrinformationen, die Bespaßung und Information des Beifahrers und lässt den Tablet-Bereich mit der eigentlich Interaktionsfläche fast schon verschwinden.

Auch Google arbeitet seit einiger Zeit daran, Android Automotive von den Grenzen des Tablets im Fahrzeug zu befreien, konnte bisher aber noch kein überzeugendes Konzept vorlegen und vor allem die Fahrzeughersteller nicht von der Idee überzeugen. Das scheint bei Apple deutlich besser zu laufen, denn man will schon ab 2024 das neue CarPlay ausliefern und kann auf eine lange Liste prominenter Massenhersteller verweisen.




apple carplay 2024

Sehr viele Marken habe bereits ihre Unterstützung für das neue Apple CarPlay zugesagt. Darunter sind viele Hersteller, die Googles Android Automotive unterstützen wollen. Kein Hersteller kann es sich langfristig leisten, das eine oder das andere Ökosystem (Android oder iOS) nicht zu unterstützen, sodass diese langen Listen – die auch Google vorweisen kann – keine große Überraschung sind. Dennoch ist die Situation bei Apple ein wenig anders gelagert als bei Google.

Wer die iPhone-Nutzer im Auto umgarnen möchte, kommt an Apple nicht vorbei. Bei Android sieht das vollkommen anders aus, denn das Betriebssystem ist frei und selbst Android Automotive steht frei und ohne Google-Dienste zur Verfügung. Kein Wunder, dass es einige große Hersteller erst einmal ohne Google versuchen wollen. Langfristig werden sie wohl nicht um eine Google-Kooperation herumkommen, aber diese Zwischenphase gibt Apple die Zeit, die eigene Plattform weiterzuentwickeln und zu verbreiten.

Apples CarPlay stellt Android Automotive in den Schatten
Die Ankündigung des neuen CarPlay wurde von Apple ausdrücklich als Preview bezeichnet, die man erst Ende 2023 tiefer detaillieren und nicht vor 2024 auf den Markt bringen möchte. Für neugierige Beobachter ist das ein extrem langer Zeitraum, aber in der Autobranche mit ihren sehr langen Entwicklungszeiten eher ein Wimpernschlag. Selbst wenn Google also nach der Apple-Präsentation alles auf den Kopf stellen würde, hat man nicht einmal im Ansatz eine Chance, etwas Vergleichbares zu bieten.

Gut möglich, dass auch Google selbst seit langer Zeit Pläne verfolgt, aus dem Tablet im Fahrzeug auszubrechen und große neue Displays zu übernehmen. Doch die Hersteller sträuben sich, Google die dafür notwendigen Daten und Zugriffe zu überlassen. Apples CarPlay ersetzt in der Ankündigung sogar das gesamte Dashboard vom Tacho über den Drehzahlmesser bis zu den Temperaturen und Warnmeldungen. Das will Google vermutlich auch, hat aber gegen größere Widerstände zu kämpfen als Apple. Wie bereits gesagt: Um Apple kommen die Hersteller nicht herum, um Google kurzfristig schon. Das sind ganz andere Druckmittel bei den Verhandlungen.

Fraglich, wie Google das aufholen will. Reagieren muss man in jedem Fall, spannend wird es sein, ob man das mit einer ähnlichen Ankündigung tun wird oder eher im stillen Kämmerlein an Erweiterungen arbeitet.




Das was Apple am Montag präsentiert hat, war zwar keine wirkliche Sensation, denn die Fahrzeughersteller zeigen solche Konzepte mit großflächigen Displays und Interaktionsflächen immer wieder oder haben gar schon erste Modelle auf den Markt gebracht. Aber die Oberflächen der Hersteller sind oftmals nicht unbedingt das, was UI- und UX-Awards gewinnen würde. Oftmals sind es Konzepte, die schlussendlich bei den auf den Straßen rollenden Fahrzeugen ganz anders aussehen.

Auch Apple gibt eher einen Ausblick als eine konkrete Ankündigung, aber man hat auch einen Ruf zu verlieren. Apple wird nichts zeigen oder ankündigen, was man nicht 2024 tatsächlich liefern kann. Daher kann man diesen Ausblick schon als Ankündigung werten und sich darauf verlassen, dass es in zwei Jahren eher noch besser als schlechter aussehen wird.

Träumende Beobachter erwarten sogar schon, dass 2024 das Apple Car auf den Markt kommt und wir heute schon das digitale Interieur gesehen haben. Persönlich glaube ich das nicht, denn es ist für Apple eher ungewöhnlich, sowohl Plattformlieferant als auch Konkurrent zu sein – das wäre mehr Googles Geschäftsmodell. Das Apple Car, wenn es denn überhaupt jemals auf den Markt kommt, dürfte noch mit ganz anderen Vorzügen glänzen. Was wir jetzt aber wissen: In den nächsten zwei Jahren dürften wichtige Weichen gestellt werden, bei denen Google eigentlich weit mit vorn sein sollte. Eigentlich…


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