Android 12: Braucht das Smartphone-Android so viele Ableger? Ähnlichkeiten mit Android 12L & Android 12 Go

android 

Google dominiert mit Android den Smartphone-Markt und schreibt mit Android 12 gerade erst den nächsten Teil der Erfolgsgeschichte. Das bedeutet, dass auch die Ableger im Laufe der Zeit aktualisiert werden müssen, von denen es immer mehr gibt. Gerade im Smartphone-Bereich muss man sich fragen, ob es die Spezialversionen tatsächlich braucht oder diese nicht mit der Hauptversion verschmolzen werden können.


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Android hat als Smartphone-Betriebssystem begonnen und wird auch heute noch mit Blick auf das Smartphone entwickelt. Doch das Einsatzgebiet ist seit langer Zeit sehr viel größer, sodass Google eine ganze Reihe von Ablegern geschaffen hat: Android für das Smartphone, Android TV für Smart TVs und Streaminggeräte, Android Automotive für den Einsatz im Infotainment-Bereich, Wear OS (Android Wear) für Smartwatches und vor nicht all zu langer Zeit gab es auch noch Android Things.

Aber das ist noch nicht alles: Für Smartphone-Nutzer gibt es nun auch noch Android Go sowie das brandneue Android 12L. Bei den Ablegern für die völlig anderen Gerätetypen kann man den Schritt noch sehr gut nachvollziehen, doch die mittlerweile drei verschiedenen Smartphone-Editionen scheinen dann doch zu viel. Android Go, das stets als Ableger des aktuellen Android erscheint, richtet sich hauptsächlich an Budget-Smartphones und Geräte mit schwachbrüstiger Ausstattung. Es zielt eher auf die Märkte ab, in denen Smartphones im Durchschnitt für 100 bis 150 Euro gekauft werden.

Die Intention hinter Android 12L scheint noch nicht ganz klar zu sein. Google hat es als „Android für Tablets, Foldables und Chromebooks“ beschrieben – aber braucht es das? Hat man die Tablet-Entwicklung nicht vor langer Zeit nach nur einer Version (Honeycomb) wieder mit dem Smartphone-OS verschmolzen? Sind Foldables nicht nur auch nur Smartphones? Und brauchen Chromebook-Apps ein eigenes Android abseits der vorhandenen Infrastruktur?




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Zu viele Ableger?
Google scheint schon jetzt damit Probleme zu haben, Android ordentlich zu testen und Probleme mit den zahlreichen Endgeräten im besten Fall vorab zu eliminieren. Doch je mehr Ableger man entwickelt, desto umfangreicher wird es und desto länger müssen einzelne Nutzer auf das Update warten. Bis Android 12 bei Android TV-Nutzer ankommt, wird schon Android 13 in der Beta sein. Ähnliches gilt für Android Automotive. Und Wear OS-Nutzer sind soweit vom Smartphone-Android entfernt, dass die darunterliegende Version absolut nicht relevant ist.

Die vielen Ableger und Entwicklungsstränge können aber auch für die Nutzer verwirrend werden. Vor allem wenn man Smartphone mit Android 11, Android 12, Android 12L und Android 12 Go zur Auswahl hat – wozu soll der nicht ganz so tief in der Materie steckende Nutzer greifen? Ich denke, dass Google mittlerweile recht gut auf den Go-Ableger verzichten könnte und Android 12L überhaupt gar keine Relevanz hat und als Zwischenschritt bis Android 13 nicht notwendig gewesen wäre.

Das Standard-Android ist breit aufgestellt
Android konzentriert sich schon seit einigen Jahren darauf, möglichst viele Ressourcen zu sparen, den Akku zu schonen, Hintergrundprozesse zu beenden und das letzte aus der Hardware herauszuquetschen. Eine echte Abgrenzung zu Android 12 Go ist da kaum noch zu erkennen. Den Unterschied machen eher die Anwendungen, die sich natürlich auch mit dem normalen Android nutzen lassen. Schaut euch bei Interesse ruhig einmal die zahlreichen Google Go-Apps an, die die wichtigsten Grundfunktionen an Bord haben und dennoch eine deutlich bessere Performance liefern.

Die Oberfläche von Android ist mittlerweile auch grafisch recht flexibel geworden und könnte sicherlich problemlos auf Android 12L-Sphäre aufgepumpt werden. Ich sehe ganz persönlich nicht, warum es dafür einen eigenen Ableger braucht. Ein Schalter, der ab einer gewissen Displaygröße umlegt und die für Tablets optimierte Oberfläche anzeigt, hätte sicherlich völlig genügt. Dazu kommt, dass man mit Android 12L einige Neuerungen einführt und Probleme behebt, die dann erst mit Android 13 auf normale Smartphones kommen. Ein echtes Android 12.1 wäre wohl die bessere Variante gewesen, statt einen Ableger zu schaffen, der dann 2023 wahrscheinlich als Android 13L erscheint.




Neuer Launcher statt neuer Ableger?
Natürlich kann man einsehen, dass nicht alle Plattformen mit der gleichen Oberfläche bedient werden können. Ein Smartphone-Android auf dem Fernseher oder im Auto macht weder Spaß, noch ist es in irgendeiner Weise sinnvoll. Doch für Smart TVs wurde vor einiger Zeit der „Google TV“-Aufsatz geschaffen. Google TV fußt auf Android TV, das wiederum auf Android fußt. Es würde wohl genügen, wenn man das nackte Android auf den Smart TV bringt und den Google TV-Launcher darüberstülpt. Denn eine wirklich tiefe Anbindung zwischen Android TV und dem Gerät gibt es ohnehin nicht. Würde natürlich auch die Update-Situation erheblich erleichtern.

Bei Android Automotive sieht es ähnlich aus: Einfach ein Auto-Launcher drauf und fertig. Für die tiefere Anbindung an das Fahrzeug reicht ein im Hintergrund laufender Dienst und alles andere kann über den alternativen Launcher geregelt werden. Einzig und allein auf der Smartwatch ergibt eine eigene Plattform, die aus gutem Grund schon lange nicht mehr „Android“ heißt“, Sinn.


Mir ist vollkommen bewusst, dass ich in diesem Artikel viele technische Grundlagen außer Acht lasse. Aber Google hat sich dieses System selbst geschaffen und am Ende lafen alle Fäden an einer Stelle, dem AOSP, zusammen. Genau das ist es auch, das eine Vereinheitlichung ermöglichen könnte. Auch Android ist längst modular aufgebaut und erlaubt den Austausch vieler Komponenten (Stichworte: Treble, Mainline). Vielleicht wäre es an der Zeit, diese Stärke im vollen Umfang zu nutzen.


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